Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Ob die Kinder so früh aufgewacht sind, weil draußen ungewohnt laut der Verkehr rauschte oder einfach weil sie aufgeregt waren? Je ne sais pas. Jedenfalls kamen wir nach einem frühen Frühstück und Frühstücksstillen ziemlich früh auf die Straßen. Zuerst ging es durch eine Art Betonwüste. Montréal muss Mitte des 20. Jahrhunderts umgestaltet worden sein: am Rande der Altstadt stehen große Betonklotz-Hotels, Konferenzzentren und auch der Bahnhof gibt sich ganz in B. Am Square Victoria treffen sich Montréals französische und britische Geschichte: nur einen Steinwurf vom Queen-Viktoria-Denkmal entfernt, steht ein echter Pariser U-Bahn-Zugang -- ein Geschenk aus dem Mutterland anlässlich der Weltausstellung 1967.

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Dann passierte eines dieser kleinen Kinderwunder: wir laufen auf die Basilika Notre-Dame zu und da schweben zwei (!) Luftballons vom Himmel herab -- bereit, sich von den Kindern fangen zu lassen. Wie schön -- bis sie sich platzenderweise so plötzlich aus unserem Leben verabschiedeten wie sie gekommen waren.

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Die Basilika selbst ist auch ein kleines Wunder: nur die Außenmauern sind aus Stein. Erbaut von 1824 bis 1829 ersetzte sie eine Steinkirche, die für die Gläubigen und Jesuiten zu klein geworden war. James O'Donnell, ein protestantischer Ire, ließ sich extra zum Katholizismus bekehren, um die Kirche zu bauen. Er starb kurz nach ihrer Einweihung...

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Das Kircheninnere ist inspiriert von der Saint-Chapelle in Paris. Alles ist aus Holz gefertigt, auch die Dachkonstruktion mit den herrlichen Oberlichtern. Allerdings kam irgendwann der Wurm und so mussten die hölzernen Stützpfeiler mit Beton aufgefüllt werden. Es gibt auch eine große Orgel mit 7000 Pfeifen. Der Altar ist sehr bunt, aber schön.

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Mattis ist ob der Stille aufgewacht und hat seinen furchtbaren Hunger entdeckt -- Stillen in der Kirchenbank. Währenddessen hat Micha den Kindern alle Kirchenfenster erklärt und sie sind den Leidensweg Christi abgeschritten und pünktlich zu Mattis Bäuerchen bei uns angekommen.

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Mittlerweile war es draußen auch wärmer geworden und so sind wir weiter zum alten Hafen flaniert. Dahin, wo Montréal einmal gegründet worden war. Interessanterweise waren die ersten Siedler Händler und auch Missionare, die gern die Indianer bekehrt hätten. Die brachten aber lieber ihre Felle vorbei und so entwickelte sich die Stadt auch ob ihrer guten Lage am Fluss schnell zu einem Handelszentrum. Das fanden die Missionare zwar nicht so toll, aber dafür wurde die Siedlung Ville-Marie nun auch besser beschützt, denn vor allem die Irokesen wollten die Weißen schnell wieder rauswerfen. Das hat dann nicht geklappt und heute ist Ville-Marie eines von vielen Stadtvierteln Montréals am St.-Lorenz-Strom. Übrigens ist Montréal wirklich unheimlich französisch -- und dieser "Standortvorteil" wird gepflegt.

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1760 ergab sich Montréal kampflos den Briten und seitdem ist die Region konsequent zweisprachig bis zu den Straßennamen, z.B. Rue University. Dies hier ist der Square Nelson mit einigen erhaltenen Handelshäusern in der Nähe des Hafens.

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Mittlerweile leben mehr als drei Millionen Einwohner in Montréal, auch viele Chinesen. Chinatown ist zwar nicht so groß wie in New York, aber neben Suppenküchen und China-Läden haben die Chinesen auch ein bißchen Architektur mitgebracht.

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Dort hätten Micha und ich gerne gegessen, aber wir hatten ja noch zwei Mäkel-Fritzen dabei. Und die waren nach mittlerweile kilometerlangem Fußmarsch entsprechend verhungert. Weil wir überirdisch nichts gefunden haben, stiegen wir hinab in die Underground City...

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