Wir wohnen auf dem westlichen Teil der Insel Mount Desert Island. Der Acadia Nationalpark bedeckt auch grosse Teile des östlichen Teils. Weil das Wetter aber immer noch nicht stabil war, wollten wir am Dienstag nur eine kurze Wanderung machen und dann nachmittags mit unserem Gastgeber Wayne aufs Meer. Nach dem Morgen-Regen ging es also zum Mount Beech und der Weg sah vielversprechend aus.
Rund 200 Meter sollte es hoch auf den Felsen gehen, um auf eine kleine Bucht zu sehen. Nach einem kurzen Aufstieg war der Weg jedoch gesperrt, weil die Grünfalken hier brüten. Also mussten wir klettern. Mattis im Tragetuch vor Papas Bauch fand es erstmal okay.
Allerdings entpuppte sich der Wanderweg bald als Kletterpartie mit Eisenleitern, um die selbst Mechthild als erfahrene Alpenwandererin lieber einen Bogen gemacht hätte.
Mit den Kindern war diese Kletterwanderung wirklich grenzwertig und wir waren froh, als wir endlich oben waren. Für Moritz und Lotti war es ein Abenteuer.
Oben gibt einen schönen Rundweg auf den Beech Cliffs. Micha zeichnet alle Wege mit seinem GPS-Gerät auf, wer mag kann unsere Touren bei OpenStreetMap verfolgen. Von den Cliffs war der Blick wirklich atemberaubend, obwohl der Nebel noch in den Bergen hing und die Schären-Inseln vor der Hauptinselküste kaum zu sehen waren.
Jetzt fing Mattis an zu quengeln und niemand hatte mehr Lust, den Kletterweg wieder nach unten zu gehen. Also stieg nur der fitte Micha wieder die Leitern hinab zum Auto, während wir anderen auf einem anderen Weg zu einem anderen Parkplatz gingen. Und dieser Weg ging in leichten Kurven sanft absteigend nach unten, nach 10 Minuten standen wir auf dem Parkplatz und warteten auf Micha. Da war Mattis schon ziemlich fertig und ich blieb dann mit ihm daheim, als die anderen zur Lobster-Tour aufbrachen. Auf dem Boot unseres Vermieters ging es in die Bucht.
Rund um Mount Desert Island leben mehrere hundert Fischer vom Hummer- und Krabbenfang. Sie lassen Reusen mit Aas-Fisch auf den Grund und kennzeichnen sie mit bunten Bojen. Jeder Fischer hat seinen eigenen Farbcode.
Wayne stammt aus einer Fischerfamilie. Er war zuerst bei der U.S. Navy und arbeitete dann in verschiedenen Jobs, bevor er mit seiner Frau Jacky und dem kleinen Colin vor sechs Jahren wieder auf die Insel kam. Colin wird wohl auch Lobster-Fischer werden. Er darf schon die Gummis um die scharfen Hummerscheren legen.
Die Hummer kriechen in die Reusen, um an das Aas zu kommen. Und dann finden sie nicht mehr hinaus. Allerdings werden nicht alle gefangenen Hummer behalten. Zu kleine dürfen zurück ins Wasser, weil sie zu jung sind. Sehr große gelten als potent und dürfen auch zurück, ebenso wie eiertragende Weibchen. Die werden mit einem V gekennzeichnet als Zeichen dafür, dass sie fähig sind, Eier zu legen.
Das Boot fuhr auch am Leuchtturm und an Robbenbänken vorbei, wo Mutter-Robben ihre Babies säugten. Solche Ausblicke geniessen die Fischer jeden Tag.
Die gefangenen Hummer werden in soft-shell und hard-shell unterschieden: die weich-gepanzerten haben sich gerade gehäutet und sind billiger, die hartgepanzerten sind teurer.
Nach der Tour hatten alle Großen Lust auf Hummer. Micha kaufte dann Lobster-Rolls, Hummerbrötchen mit Sauce. Wir Frauen gaben unsere aber relativ schnell an die Männer ab. Dafür wir wissen jetzt auch noch, dass wir wirklich in "God's own country" sind, denn Gott hat hier eine Tankstelle.

