Multitasking heißt das Zauberwort, Rückkehr nach Deutschland über Urlaub in Island, zwei Jahre Amerika und drittes Kind bekommen, das dann bei Heimkehr kita-fähig ist -- und selbst im Kleinen sind wir die Meister der Effizienz: auf der Reise von Hanover zum Flughafen in Boston haben wir gleich noch einen von Moritz' sehnlichsten Wünschen erfüllt: wir sind mit dem Dartmouth Coach gefahren. Der nahezu stündliche Bus von Hanover nach Boston oder New York ist so oft an uns vorbeigefahren und nun saßen wir drin.
Als an den großen Fenstern die nun so vertrauten Häuser und Wälder vorbeiflogen, war uns schon traurig zumute: zum letzten Mal am Green vorbei, am Gym, am Coop... wer weiß, wann wir wiederkommen? Nach zweieinhalb Stunden kamen wir auf dem Flughafen Boston an und konnten ohne Probleme einchecken. Der Flug mit Iceland Air war wirklich gut, stressig, weil Mattis nicht schlafen wollte, aber sehr komfortabel. Sehr spät in der Nacht kamen wir an mit allen Koffern. Die Kinder waren noch so wach, dass sie nicht quengelten - und dann kam der große Schreck: Mattis war weg. Er hatte sich mal wieder selbständig gemacht und war schon bis fast zur Passkontrolle vorgedrungen, als wir noch auf seinen Kinderwagen warteten. Da waren meine Nerven endgültig hinüber, ich wollte nur noch ins Bett.
Im Gasthaus angekommen, bezogen wir unser kleines Zimmer, Dusche und Klo eine Treppe tiefer, dafür billig. Im Sommer kommen so viele Touristen nach Island, dass die Übernachtungspreise horrend sind. Dafür gabs ein okayes Frühstück und wir wollten ja sowieso tagsüber unterwegs sein.
Den ersten Tag ging das erstmal kaum: wir hätten fast das Frühstück verpennt, es regnete und alle waren knautschig. Mit ein paar Wikingergeschichten aus dem Schatz unserer guten humanistischen Bildung konnten wir die Kinder zu einem Spaziergang ans Meer überreden und das rauschte richtig wikingermäßig.
Mattis war sehr wehleidig und wollte alles und nichts. Moritz und Lotti zeigten sich interessiert und überrascht, dass sie mit ihrer so begeistert erworbenen Lesekompetenz hier überhaupt nicht weiterkamen.
Kevlavik, der Ort am Flughafen, wo wir wohnten, ist nicht besonders aufregend. Dafür fahren die Busse kostenlos und so machten wir eine kleine Stadtrundfahrt und sobald die kleinen Beine nicht mehr laufen musste, war Energie für Faxen da.
Immer noch im Regen kamen wir in einen Supermarkt. Für trockenen Fisch oder sonst eine landestypische Spezialität fühlten wir uns noch zu schwach. Also nahmen wir ein Brathähnchen mit und ließen es uns in der Gemeinschaftsküche schmecken.
Dann zogen wir uns wieder in unser Zimmerchen zurück und probierten die Fernsehprogramme durch. Obwohl es später wurde, war keiner richtig müde, nur erschöpft und der Jetlag machte uns allen zu schaffen.
Am nächsten Tag hatten wir das Auto, da sollte es besser werden.

