Als gute Deutsche lieben wir italienisches Eis. Und obwohl es hier so viele Italiener gibt, wir sogar welche als Nachbarn haben, gibt es hier keine italienische Eisdiele. Man fragt sich, wovon sich die Amerikaner im Sommer ernähren -- nun sie haben natürlich eine Alternative erfunden und zwar "Ben & Jerry's Ice-Cream". Die Ice-Cream-Fabrik steht nicht weit entfernt in Waterbury/Vermont -- ein ideales Ziel für einen Spätsommer-Wochenendtrip.
Wie immer teilten wir unsere Absicht unserem Freund Yarik mit, wohlwissend, dass auch er eis-verrückte Kinder hat. Und der teilte es allen Eltern am Fletcher Circle mit -- das ist die Straße, wo er wohnt. Und so kam es, dass wir mit neun Kindern, neun Erwachsenen in vier Autos abfuhren. Diesmal hatten wir sogar zwei Amerikaner dabei, wie geneigte Leser wissen, haben wir noch nicht so viele kennengelernt.
Die Eisfabrik liegt idyllisch in den grünen Bergen Vermonts. Es heißt, dass hier die Amerikaner Urlaub machen und es ist ein wahrer Augenschmaus durch Vermonts grüne Landschaft zu fahren. Die Berge sind etwas höher als in New Hampshire und es liegen weniger Ortschaften am Highway. Der Wald sieht urwaldmäßig aus und entsprechende Verkehrsschilder warnen vor Elchen, Hirschen und Bären. Rund um die Eisfabrik allerdings leben vor allem Kühe... Auf unserer Besuchertour schließlich erfahren wir, dass Ben and Jerry im Prinzip zwei von allen Unis abgelehnte Nichtsnutze waren, die, vermutlich unter LSD-Einfluss, auf die Idee kamen, Eis herzustellen. Dies kulminierte in Sorten wie "Karamel Sutra" oder "Chocolate Therapy" -- bestehend aus cremigem Eis, dessen Geschmacksrichtung man an der Farbe erahnt, und als Schokolade, Kekse oder sonstwas getarnten Fettwürfeln. Selbstverständlich durften wir probieren, gottseidank, war es ein leichtes Orangeneis.
Draußen aßen wir dann zum Mittag, natürlich Eis -- wobei Micha zum ersten Mal in seinem Leben vor einer Eiswaffel kapitulieren musste.
Natürlich ist die Eisfabrik keine schnöde Fabrik, sondern hält jede Menge "Events" bereit. Neben Spielplatz und Eismobil auch einen sehr witzigen Flavour Graveyard -- einen Friedhof für die aussortierten Sorten.
Den Bauch voller Eis und das Herz voller Sonne fuhren wir weiter, an Berlin vorbei, wo immerhin das Bezirkskrankenhaus steht.
Und weiter nach Barre -- DEM Granitstädtchen Neu-Englands. Hier siedelte sich vor Jahren ein ganzer Sack voll italienischer Bildhauer an und statt Eis zu machen, erschufen sie irre Grabsteine und einen riesigen Friedhof mit über 10.000 Grabstellen und tollen Steinen dazu. Anscheinend sind die Plätze hier so begehrt, dass es auch jede Menge Steine und Grabstellen für noch lebendige Menschen gibt -- die haben wohl Spaß daran, ihren individuellen Grabstein noch so oft wie möglich selbst zu besuchen.
Und weil es so schön war, besuchten wir noch ein blendendes Beispiel amerikanischer Brückenbaukunst: eine schwimmende Seebrücke, die unter Wasser schwimmt. Brookville liegt am wunderschönen Sunset Lake und sofort suchten sich clevere Baumeister die breiteste Stelle aus, um eine Brücke zu bauen. Unglücklicherweise stand die von Anfang an ein bißchen unter Wasser, man durfte aber mit nassen Reifen noch drüberfahren -- seit sie sich im letzten Jahr noch einmal gesenkt hat, darf man nur noch drüberlaufen.
Nachdem alle Kinder ins Wasser gefallen waren, war es Zeit für den Heimweg. Und weil wir uns alle so gern haben, endete es mal wieder in einem ausgedehnten BBQ, diesmal bei Grischa und Vita, deren russische Eltern die Kinder mit russischen Cartoons unterhielten, so dass wir uns mit Mais und Würstchen vollhauen konnten. Da die Kinder mit dem Zuckerschock am Mittag genug Energie getankt hatten, hielten sie sogar noch bis um 8 durch. Dann war aber Schluss -- Montag ist schließlich auch noch ein Tag!
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Karo

