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Stimmen aus der Wildnis
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Wir frühstücken am liebsten privat. Nicht weil es zu teuer wäre oder weil die Kinder zu früh munter wären -- wir haben das "Continental Breakfast" der meisten Hotels einfach über. So kommen wir wenigsten zu unserer Portion Obst und der Apfelsaft schmeckt, auch wenn wir auf getoastetes Brot verzichten müssen. Dann werden Schnitten geschmiert -- ja, wie früher -- und los geht es zum Willis Tower, ehemals Sears Tower und bis vor einigen Jahren noch das höchste Gebäude der Welt.

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Auf dem Weg dahin zickzacken wir durch die Innenstadt , den so genannten Loop und kommen an vielen Gebäuden berühmter Architekten und Designer vorbei. So kam Ludwig Mies van der Rohe in den 1940er Jahren hierher, um an der Universität zu lehren und zu bauen. Dieses dreiteilige Gebäude, gruppiert um einen Hof, stammt von ihm.

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Ansonsten bestimmen vor allem Wolkenkratzer das Bild. Weil die Stadt zwischen 1880 und 1890 ihre Einwohnerzahl auf eine Million verdoppelte und sich die Grundstückspreise verneunfachten, mussten immer höhere Häuser gebaut werden, um die Flächen zu nutzen. Die ersten Wolkenkratzer mit Stahlskeletten wurden in Chicago gebaut und bis heute kann man sich am Detailreichtum mancher Häuser, vor allem aus der Art-Deco-Ära, kaum sattsehen.

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Kanäle und Arme des Chicago Rivers durchziehen die Stadt, öffnen den Blick und sorgen für frische Luft. Den Beinamen "windy city" bekam Chicago wahrscheinlich, weil starke Nordwestwinde und Seewinde vom Michigan-See her in die Stadt wehen und durch die hohen Häuser noch kanalisiert und verstärkt werden.

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Insgesamt macht die Stadt einen harmonischen Eindruck, alles wirkt luftig und sauber und vor allem fertig. Luft kann strömen, Sonnenlicht kommt durch, überall kann man sich niederlassen und die ganz unterschiedlichen Gebäude auf sich wirken lassen.

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Der Willis Tower kommt erst in Sicht, als man schon fast vor ihm steht -- er ist der höchste Wolkenkratzer der USA.

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Zuerst erzählt ein Film die Baugeschichte des Towers, der von der Firma Sears 1971 in Auftrag gegeben und in drei Jahren Bauzeit errichtet wurde. Schnelle Fahrstühle bringen uns dann in einer Minute aufs Skydeck im 103 Stock, von wo man einen 360 Grad Ausblick auf die Stadt genießen kann. Der Michigan-See funkelt und es ist kein Ufer zu sehen.

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Die kleine Ausstellung über Chicago ist sehenswert. Etwas Besonderes sind die Ledges, Glaswürfel, die man an die Fassade gebaut hat. Die Kinder sind natürlich todesmutig und gehen, ohne mit der Wimper zu zucken, da rein.

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Und ja, Mattis ist auch wieder dabei und sogar wach diesmal.

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Nach einer Still- und Essenspause im Hotel geht es zur Bootsanlegestelle. Chicago lässt sich am besten vom Schiff aus entdecken. Immerhin sind Fluss und See auch die Ursachen für die Gründung Chicagos. Der Kaufmann Jean-Baptiste Point du Sable, Sohn eines Franzosen und einer schwarzen Sklavin, baute um 1770 hier eine Handelsstation und kaufte Pelze von den Indianern. Noch 1830 lebten hier nur 100 Menschen, dreißig Jahre später war Chicago ein wichtiger Knotenpunkt des Handels und ist heute drittgrößte Stadt der USA.

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Auf der Tour wird uns aus der kurzen Geschichte der Stadt erzählt. Bei dem großen Brand von Chicago im Jahre 1871 wurde ein Großteil der Innenstadt, meistens Holzhäuser, zerstört. Dann kamen Architekten wie Frank Lloyd Wright hierher, denn große Flächen in der Innenstadt sollten neu und experimentell bebaut werden. Nach 1945 ging es mit der Stadt aber langsam bergab, viele Leute zogen in die Vororte, große Industrie- und Lagerflächen leerten sich. Aber die Innenstadt ist belebt und bewohnt, denn viele ehemalige Fabriken und Lagerhäuser sind heute Wohndomizile, Brachflächen sind bebaut.

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Das neueste Gebäude ist der gerade fertigggestellte Trump-Tower von 2009, zweitgrößtes Hochhaus Chicagos.

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Die Ufer müssen nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, Vermieter und Bauherren werden verpflichtet, kleine Spazierwege und Parks anzulegen.

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Übrigens musste die Fließrichtung des Chicago Rivers in den Michigan-See umgedreht werden. Schon nach kurzer Zeit hatten die Industrie und die Schlachthöfe der wuchernden Stadt den See dermaßen verdreckt, dass sich Seuchen ausbreiteten. Der Michigan-See ist das Trinkwasserreservoir der Stadt. Daher plante man ein System von Kanälen. Um 1900 begannen die Bauarbeiten und man kehrte den Fluss um und leitete ihn über den Sanitary and Ship Canal in den Mississippi River.

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Leider können die Kinder die Bootstour nicht so genießen. Sie sind wohl mittlerweile abgefüllt mit Informationen. Wir spazieren noch über die Magnificent Mile mit ihren teuren Läden zum Millenium Park, dem großen Erholungsgebiet am See. Hier gibt eine große Konzertbühne, auf der fast jeden Abend kostenlose Konzerte stattfinden. Auch für Kinder wird viel angeboten, wirklich spektakulär ist die Skulptur von Anish Kapoor aus dem Jahr 2006.

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In dem spiegelnden Körper kann man sich selbst vor der Kulisse der Wolkenkratzer sehen.

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Im Inneren braucht man einige Zeit, bis man sich gefunden hat.

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Beim netten Abendessen im italienischen Ristorante finden wir es schade, dass wir morgen diese senkrechte Stadt schon verlassen und weiterfahren.

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