Nach etwa zwanzig Minuten legte die "Maid of the Mist" wieder an und unsere Plastik-Ponchos waren noch erstaunlich intakt. Und wir brauchten sie auch gleich wieder, denn nahe am Anlegeplatz führen Treppen ganz nahe an die American Falls heran.
Micha und ich finden die American Falls übrigens interessanter als die größeren Horseshoe-Falls. Die schon fortgeschrittene Erosion hat hier mehr Klippen und Vorsprünge geschaffen, so dass das Wasser nicht einfach hinabsprudelt. Wer auf dem Boot noch nicht nass geworden ist; hier wird man es auf jeden Fall. Die Winde wechseln so schnell ihre Richtung, dass man auf einmal in der Dusche steht. Trotzdem wagten wir den Aufstieg, aber ohne Mattis. Und das bin ich:
Und wer es nun noch nicht gemerkt hatte: ja, der Weg ist glitschig.
Es war schon fast Mittag und wir machten uns auf den Weg zur nächsten Attraktion: dem "Cave of the Winds". Die Cave-Besucher in ihren gelben Capes hatten wir schon vom Boot aus gesehen und auf den ersten Blick sah es nur wie ein weiterer Pfad nah an die Fälle aus. Aber es ist ein Weg in die Fälle! Zuerst tauschten wir unsere mittlerweile zerfetzten blauen Capes gegen fesche Gelbe, auch Matti wollte nun was sehen.
Außerdem gab es diesmal Schuhe, denn nasse Füsse wurden garantiert.
Nach einer Weile Wartezeit ging es zuerst mit dem Fahrstuhl hinab. 1928 wurde der installiert, davor kletterten die Leute eine windschiefe Holztreppe hinunter. Ursprünglich führte dieser Weg zu einer Kammer hinter den Bridal Falls -- daher der Name. Aber die Erosion hat dieser Sehenswürdigkeit mitlerweile ein Ende gemacht. Geblieben ist nur der Name.
Endlich da, fiel zuerst das Hurrican-Deck ins Auge.
Uns war klar, hier wartete das Abenteuer. Die Holzplattformen und Treppen des Weges waren genau in den Wasserfall gebaut. Auf dem Hurrican-Deck schließlich konnte man sich genau unter den Wasserfall stellen -- klarer Fall, dass Lotti da drunter musste. Wir spazierten also direkt durch die Fälle und wurden nass, wie es dem Wasser gefiel.
Matti hatte sich zwischenzeitlich komplett in den Poncho zurückgezogen und überlebte mit nassem Pony.
Und so sieht der "Cave of the Winds"-Pfad von oben aus.
Hier rauschen die Wasserfälle:
Dann hatten wir uns wirklich ein Eis verdient. Wir bestellten ein kleines Waffeleis und die Kinder bekamen insgesamt sechs Kugeln! Da hieß es langsam gehen und so wählten wir noch den Weg nach Luna-Island auf eine kleinere Plattform direkt zwischen Bridal und American Falls.
Kaum zu glauben, dass hier eigentlich doppelt so viel Wasser herunterkommen müsste. Doch schon vor den Fällen wird sehr viel Wasser des Niagara Rivers in Wasserkraftwerke gelenkt. Die ganze Region wird so mit Strom versorgt und die schnell fortschreitende Erosion verlangsamt. Immerhin ist seit den fünfziger Jahren nichts mehr abgerutscht, aber wer weiß, wie lange man noch auf diesen Plattformen stehen kann.
Zum Glück hatten wir herrliche 26 Grad und klare Luft und konnten so unseren Tag an den Niagara-Fällen in vollen Zügen genießen. Der Niagara State Park wurde übrigens vor 125 Jahren begründet und ist der Älteste der USA. Zurück ging es im antiken Trolley-Bus, denn keiner von uns wollte mehr laufen.
Dabei kamen Lotti und Moritz mit einem netten Herrn ins Gespräch und erzählten, aus welchem Teil Deutschlands wir kämen.
Lotti: "We come from the Eastern Part of Germany."
Moritz: "Yes, where the Easter Bunnies come from too!"
Nach einem sehr amerikanisch-dramatischen Film im Visitors Center, der zeigte, welche Abenteurer die Fälle entdeckt, wer sich schon hinuntergestürzt und wer schon gerettet wurde, waren wir wirklich müde. Aber noch in den Hotelbetten erzählten wir uns von unseren Erlebnisse, die wirklich unvergesslich sind.

