Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Nicht nur im Wilden Westen auf den großen Prairieweiden gibt es Cowboys. Kissimmee, eine kleinere Stadt in der Nähe von Orlando galt und gilt bis heute als "Vieh-Haupstadt" des Staates Florida. Vor noch einhundert Jahren liefen hier die Kühe sogar frei auf den Straßen herum. Die Farmer der Umgebung hatten ja sogar extra Gras für die großen Viehherden gesät, das dann nach und nach die heimische Pflanzenwelt verdrängte. Heute gibt es nicht mehr ganz so viele Kühe hier, aber Florida gehört noch immer zu den Rodeo-Staaten. Die "Silver-Spurs-Arena" (Silberne Sporen) ist eine der größten und hält mindestens zwei Mal im Jahr Rodeos ab und nie ohne bereitstehenden Krankenwagen.

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Die Rodeo-Staaten haben also diese Cowboy-Tradition und damit diese Wettbewerbe, auf denen meist echte Cowboys ihr Können in den klassischen Disziplinen des Pferde-Zureitens, Stier-Ringens und Kalb-Fangens zeigen. So ein Rodeo ist aber auch immer eine sehr patriotische, weil ja typisch US-amerikanische Sache. Also werden zuerst die Flaggen der Rodeo-Staaten präsentiert und die Nationalhymne gesungen.

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Dann wurde kräftig Werbung gemacht und eine etwas ungewöhnliche Partnerschaft vorgestellt: die Nationale Rodeo-Vereinigung engagiert sich für die bessere Diagnose von Brustkrebs. Das wurde nicht nur verlautet, sondern auf einem Truck kamen nun mehrere Damen hereingefahren, die aus Anlass des Rodeos ihr langes Haar für Echthaar-Perücken für krebskranke Frauen spenden wollten. Und so wurden ihnen publikumswirksam die Zöpfe abgeschnitten.

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Auf uns Europäer mag das befremdlich wirken, die Amerikaner lieben ja jede Art von Schau und applaudierten kräftig und tatsächlich sammelte die Brustkrebshilfe jede Menge Spenden ein an diesem Abend. Dann kamen noch ein paar Reiterkunststücke bevor endlich die "Gladiatoren" in die Arena kamen und sich zuerst darin maßen, wie lange und mit welchen Kunststückchen sie sich auf einem bockenden jungen Pferd halten konnten.

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Also da möchte man keine Bandscheibe sein und selbst Zuschauer bekamen doch einen leichte Scheu vor den Tieren, die so außer Rand und Band gerieten.

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Die Kinder genossen das Schauspiel in der Arena und bewunderten die echten Cowboys. Es herrschte Volksfeststimmung und es waren wohl tausende Besucher gekommen und nicht nur Touristen. Viele Cowboys haben ihre eigene Fan-Gemeinde. Und es fühlte sich wirlklich authentisch an, nicht als bloße Touristenattraktion. Bei echten Männern wirken sogar Cowboyhüte ziemlich cool.

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Nach den wilden Pferden kam das Steer-Wrestling, das war nicht ganz so spektakulär anzusehen. Vielleicht, weil man kaum ahnen kann, wieviel Kraft ein Mann aufwenden muss, um einen Stier an den Hörnern zu Boden zu ringen. Im nächsten Wettkampf ging es da mehr um Geschicklichkeit.

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Ein Kalb musste mit dem Lasso eingefangen und dann blitzschnell zu einem Bündel verschnürt werden. Eine Fähigkeit, die jeder Cowboy, der auf den großen Viehweiden mit den halbwilden Kühen zu tun hatte, können muss. Wie sonst können die Kälber gezählt, untersucht und schließlich gebrandzeichnet werden. Manche waren aber auch cleverer als die Cowboys.

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Hier zählten die Sekunden und der Beste schaffte es in weniger als 11 Sekunden. Unser sensibler Moritz, der bisher mitgefiebert hatte, wollte nun gar nicht mehr zusehen und bemerkte ganz richtig, ob das den Kälbchen nicht wehtun würde. Da musste ich einige Zeit (und Notlügen) aufwenden, um das Kind zu beruhigen. Auch die Pferde werden ja mit einem Riemen gequält, damit sie bocken. Meiner Meinung nach, wird es nicht mehr so lange dauern, bis sich die Stierkampf- und Fuchsjagdgegner auch gegen die Rodeos wenden. Aber an diesem Abend blieb alles wildwest-romantisch. Wir sind nicht ganz bis zum Schluss geblieben, weil dann alle müde waren und wir ja am nächsten Morgen nach Hause fliegen würden. Aber so ein zünftiges Rodeo war ein toller Abschluss unserer Florida-Reise. Haben wir das auch mal gesehen...

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