Seaworld ist der einzige Vergnügungspark, den wir hier besuchen wollten, und das eigentlich auch nur auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder, die bekannterweise große Fisch- und Meeressäuger-Freunde sind. Zuerst wollte ich mir Sorgen machen, dass sie nicht nach Disneyworld wollten, aber als ich die Eintrittspreise miteinander verglich, atmete ich auf. Obwohl wir auch in SeaWorld noch ordentlich Geld gelassen haben und man dort alles daran setzt, noch mehr zu verdienen. So ist es untersagt, Essen und Trinken mitzubringen, was wir geflissentlich ignoriert haben. Ganz früh, kurz nach Öffnung waren wir da.
Der Tag muss sorgfältig geplant werden, um so viele Attraktionen wie möglich zu erleben. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, wie das in der Hochsaison funktionieren soll, wenn tausende Besucher da sind. So wurde uns geraten, möglichst 20 bis 30 Minuten vor Beginn einer Show da zu sein, um gute Plätze zu erhaschen. Die vorderen Sitzreihen sind übrigens mit "soak zone" gekennzeichnet -- wer nass werden möchte, setzt sich bitte da hin. Zuerst rannten wir also zur Seelöwen-Show. Und die war wirklich witzig und fantasievoll: eine Piratengeschichte, an der menschliche und tierische Darsteller Spaß hatten.
Zu SeaWorld gehören natürlich auch Karussels und Wasserspielzeug. Micha und die Kinder fuhren mit der Wasserbahn, das erste Mal für die Kinder und entsprechend feucht.
Bei 25 Grad im Schatten ist das aber kein Problem.
Es gibt ein großes Pinguingehege, das auf ein Grad heruntergekühlt wird und eine ganze Arktis-Landschaft mit Eisbären und Belugawalen. Und natürlich Aquarien mit tropischen Fischen, die man aus besonderer Perspektive beobachten kann.
Dann ging es weiter mit der Delfin-Show, leider nicht so tier-fokussiert wie gedacht. Viel Wasserartistik, kitschige Kostüme und Musik, aber zum Glück auch genug Flossenpower.
Der Park ist so vollgestopft mit Fahrgeschäften, Ständen und Jahrmarkt, dass er mit den Menschenmassen darin sehr eng erscheint. Überall stauten sich die Leute an den Toiletten und die Kinderwagen durften nicht mit in die Theater, so dass auf dem Parkplatz die Plätze knapp wurden. Dazu wurde es richtig heiß, aber gerade als wir Erwachsenen langsam grantig wurden, fanden wir den Delfinspielplatz. Wir konnten ganz nah an die Tiere heran und sogar welche streicheln.
Sie fühlen sich sehr glatt an, das Erlebnis war auch für die Kinder ganz toll. Man muss auch erwähnen, dass SeaWorld sich dem Artenschutz widmet und z.B. eine Seekuh-Rettungsstation hat. Diese Manatees leben in den Süßwasserseen Floridas und sind bedroht. Außerdem werden kranke Schildkröten gepflegt und andere verletzte Meerestiere betreut und dann wieder ausgewildert. Trotzdem ist das Ganze auch eine Gelddruckmaschine. Vor allem der Bohei um das Wappentier Shamu springt einen überall an: Orca-Plüschtiere, Karten, Zähne, Ketten, Poster usw. usf. Bis zur großen Shamu-Show vertrieben wir uns die Zeit und versuchten, so wenig extra Geld wie möglich auszugeben.
Das Hai-Aquarium war nicht so spektakulär und einen Mini-Zoo haben wir uns wegen Überreizung und großer Hitze gespart. Der Rummel für kleinere Kinder war dagegen sehr nett, hübsch angelegt und stressfrei. Auch für Mattis gab es etwas: eine große Sandkiste mit extraweichem Babysand (auch zum kosten) -- sein erstes Buddelkasten-Abenteuer.
Dann ging es endlich zur großen Shamu-Show in das Stadion. SeaWorld hat übrigens die erfolgreichste Killerwal-Zucht der Welt, sagen sie. Schon 18 Orca-Babies kamen hier zur Welt, sie wurden an andere SeaWorld-Parks verteilt. Und die Tiere sind ja auch sehr eindrucksvoll und gefährlich.
Dann begann die Show mit einer eigentlich peinlich-pathetischen Ehrung der amerikanischen Truppen und Veteranen. Das wirkte irgendwie komisch, wie da die Killerwal-Trainer in ihren Schwimmanzügen modelhaft lächelnd die Soldaten lobten. Aber es sollte schlimmer werden. Die Show heißt nämlich "Believe", also "Glaube daran". Aber zuerst die Orcas.
Richtig viel haben die Trainer nicht mit den Tieren gezeigt, aber das kann ja Gründe haben. Es war schon schön, sie so nah zu sehen, denn das Becken hatte Glaswände und man konnte sehen, wie schnell und elegant sie schwimmen. Dann kam ein Trainer ins Publikum und griff sich einen dicken, schielenden Jungen heraus, der offensichtlich mehr vor dem Fernseher hockte als sonstirgendwas und besprach ihn in pathetischem Ton, während auf den großen Bildschirmen das Schulterklopfen in SlowMotion wiederholt wurde. Anscheinend sollte für den Jungen ein Traum wahr werden, der guckte aber ziemlich unbeeindruckt und der Trainer musste sich wirklich anstrengend, um ihm glaubhaft zu versichern, dass er einmal wunschgemäß ein großer Rennfahrer werden würde: Believe!! Für uns abgebrühte Europäer ist das einfach zu viel Pathos...
Zum Glück spritzten die Orcas daraufhin alle Leute in der Soak Zone richtig nass -- sehr lustig für uns abgebrühte Europäer.
Dann wars vorbei und wir schüttelten kurz darüber den Kopf, darauf so lange gewartet zu haben. Zumal wir uns dann doch noch vor Hunger diese fürchterlichen amerikanischen Sandwiches und Chicken Fingers für die Kinder reindrängeln mussten. Sehr müde ging es heim, noch nicht genau wissend, womit wir uns den nächsten Tag versüßen sollten -- aber schon, wie diesen Abend. Mit echten Florida-Orangen nämlich, frisch vom Straßenrand gekauft. Sehr preiswert, allerdings auch nicht schälbar, denn die Schale ist so dünn und die Orangen so saftig. Da musste man einfach aufschneiden und reinbeßen.
Also morgen gehts auf jeden Fall in keinen Vergnügungspark mehr...

