Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Nach einer etwas anstrengenden Nacht im Hotelzimmer wachten wir früh auf. Das passte prima, wollten wir doch so zeitig wie möglich in den Park hineinfahren. Nach einem kargen Frühstück aus dem Brotbeutel wollten wir los, aber das Auto war zugefroren. Wir in Kalifornien-Klamotten klapperten ein bißchen, bis es aufgetaut war. Dann ging es durch tiefverschneiten Wald zum Parkeingang. In allen National-Parks der USA kostet der Eintritt 20 Dollar pro Auto und man kann mehrere Tage mit dem Pass in den Park hinein, das haben wir schon in Maine, im Acadia-Park so gemacht. Nach Serpentinen hinauf und hinab öffnete sich das Yosemite-Valley im Sonnenschein.

Hier kann man in etwa nachempfinden, was die "Entdecker" gefühlt haben müssen. Die ersten Weißen, die nach ewiger Bergkraxelei ein liebliches Tal erblickten, umgeben von einzigartigen Felsformationen mit Wasserfällen, die zu jeder Tageszeit in anderen Farben leuchten. Das Tal liegt richtig versteckt, denn zuerst muss man von allen Seiten mehrere Kilometer durch die Berge fahren, um es zu erreichen. Wir kamen aus Süden und erlebten den ersten Blick vom "Tunnel View".

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Zu jeder Jahreszeit kann der Besucher anderes erleben. Im Sommer wandern durch die Wildblumenwiesen, im Winter Schneeschuhtouren. Gerade taut der Schnee und die Herbergen im Park empfangen Frühlingsbesucher, die die vielen Wasserfälle aus Schmelzwasser bewundern. Wir hielten auch gleich an, am Bridal Fall -- dem Brautschleier-Fall, der im Herbst sogar austrocknet, jetzt aber eisig und voll herunterkracht.

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Der Park ist mehr als 3000 qkm groß und wurde 1890 unter Schutz gestellt. Eigentlich Heimat der Miwok und Paiute Indianer wurden diese bald vertrieben und das Tal im späten 19. Jahrhundert schon touristisch erschlossen. Heute gibt es Unterkünfte vom teuren Luxus-Hotel bis hin zu Zeltstädten, es gibt Restaurants und Museen, eine Buslinie zu den wichtigsten, per Straße erreichbaren Naturschönheiten. Im Sommer muss es furchtbar voll hier sein, jetzt im Frühling geht es. Dafür sind aber auch noch viele Pässe und Wanderwege verschneit und geschlossen. Wir konnten auch keinen der drei Sequoia-Groves erreichen, wo die größten und ältesten Mammutbäume der Welt stehen, auch sie sind noch im Schnee versteckt. Im Tal selbst aber ist es mehr als 10 Grad wärmer, was im Sonnenschein den Eindruck eines Garten Eden noch verstärkt. Zumal man sich auf dem Grund des Tales der Wucht der umgebenden Felsen erst richtig bewusst wird. "El Capitan" zum Beispiel, der größte einzeln stehende Granitblock der Welt.

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Wir aber mussten erstmal was zu Essen suchen und wurden da leider nicht so angenehm überrascht. Wenigstens war das Futter erschwinglich. Weiter ging es zu den Yosemite Falls, den fünftgrößten Wasserfällen der Welt. Dabei ist es bemerkenswert, wie weise die Wanderwege angelegt sind und dabei wirklich so gut wie möglich ausgebaut für Rollstuhlfahrer und Kinderwagenschieber wie uns -- Yosemite für alle. Der Wasserfall ist zweigeteilt, in den lower und den upper fall und er ist wunderschön.

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Die Kinder mussten nun noch einige der herumliegenden Findlinge erklettern. Die Sonne knallte zwar, aber es war sehr kühl.

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Mattis schlief im Wagen, überhaupt ist der kleine Mann sehr flexibel, was seinen Mittagsschlaf angeht und schläft eben, wenn er Lust hat, ohne dass es dann abends Theater gibt. Sehr angenehm auch, dass er quasi alles isst und am liebsten von Mamas oder Papas Teller.

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Alle Bergspitzen sind noch verschneit gewesen und manche versteckten sich in den Wolken und waren vom Tal aus kaum zu sehen. Viele Gipfel kann man im Sommer erwandern. Die Hälfte der Spitze dieses Berges wurde in der Eiszeit abgesprengt, daher heißt der Berg auch "Half Dome".

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Als nächstes ging es zu den "Happy Isles", diesmal mit dem Bus. Der Weg entlang am Fluss ist sehr schön und man erreicht die "Glücklichen Inselchen" in der Mitte des kleinen Stroms über eine Holzbrücke. Ihr Entdecker benannte sie übrigens so, weil er meinte, dass niemand bei ihrem Anblick etwas anderes als Glück empfinden könne. Poesie und Idylle pur und im Sommer gibt es auf dem Naturlehrpfad noch mehr zu entdecken.

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Die Museen haben wir uns komplett gespart. Man kann einige Tage hier im Park zubringen, aber wenn man nur einen hat und die Sonne scheint, besucht man keine Ausstellung, da bleibt man life. Weiter gings, diesmal ein bißchen zu Fuß bergauf zum Mirrorlake. Hier war es ziemlich voll und alle erhofften sich doppelt schöne Ausblicke. Micha machte sich die Mühe, noch ein paar Schritte weiter zu gehen - und wurde belohnt.

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Da war es dann doch ziemlich warm geworden, aber das täuschte nicht darüber hinweg, dass wir uns auf den Heimweg machen mussten. Vom Park aus wollten wir direkt nach Berkeley zurück und das war ein langer Weg. Auf dem Weg hinaus nochmal eine andere Perspektive des Yosemite Valley.

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Kaum ging es wieder bergauf, wurde es merklich kälter und dunkler. Es war fast, als hätten wir das Paradies verlassen, das in der Ferne grüßte.

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Auf dem Heimweg ging es flott, die Kinder hingen ihren Gedanken nach und auch wir fühlten, dass das wohl eines dieser herausragenden Lebenserlebnisse gewesen war. Vor uns lagen noch zwei Ausruhtage, bevor es wieder zurück nach Hause gehen sollte.

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