Eigentlich hatten wir ihn gar nicht auf dem Plan: zu weit weg, ungünstiges Wetter, im nächsten Leben; aber dann riet man uns zu: fahrt jetzt, sind doch nur drei Stunden und der Frühling ist schon da. Also buchten wir eine Übernachtung und düsten los: Richtung Yosemite Nationalpark.
Unser Mietschiff GMC mit seinen Riesenreifen brüllte nach Abenteuer, verbrauchte aber auch entsprechend Sprit: fast 30 l in der Stadt! Was wir durchs last-minute-mieten einsparen konnten, zahlten wir beim Tanken wieder drauf. Dafür hatten wir aber schön viel Platz und es fuhr sich sehr komfortabel. Doch auch in diesem Auto rückte Yosemite nicht näher und es waren natürlich nicht drei Stunden, sondern viereinhalb. Deshalb machten wir nach der Hälfte einen Zwischenstopp, den sich besonders Moritz sehr gewünscht hatte: in einer ehemaligen Goldgräberstadt.
Columbia war in den 1850ern eine der wichtigsten Städte im goldberauschten Kalifornien. Genau hier wurde Gold entdeckte, wurden Claims abgesteckt und in der Erde geschürft. Teile der Stadt liegen heute bis zu 10 m tiefer als ursprünglich, die ganze Erde wurde durchgesiebt und abtransportiert auf der Suche nach Gold. Wasser wurde aus der Sierra hierhergeleitet und so wurde vor allem die "water company" reich, denn die Goldsucher mussten für das Wasser bezahlen, das sie zum Waschen des Bodens brauchten. Nach zwölf Stunden Arbeit verdiente ein Goldsucher etwa 15 Dollar am Tag und bezahlte gut zwei Drittel dafür fürs Wasser!
Für uns war das Wasser viel billiger. An Holzrinnen konnten wir uns versuchen. Zuerst wurden wir in die Technik eingeweiht: shake & dip. Man nimmt viel Dreck in die Pfanne und lässt Wasser kreisen, schüttet ab, lässt es kreisen, schüttet ab und hält die Pfanne dabei immer ein wenig schräg. Das schwerere Gold wird beim Kreisen des Wassers auf den Boden der Pfanne gedrückt. Hat man nur noch wenig Dreck in der Pfanne, nimmt man etwas mehr Wasser und lässt es nur noch von einer Seite auf die andere laufen und es nimmt wieder die leichteren Teilchen mit und auf der anderen Seite bleibt das Gold liegen.
Eine schwere Arbeit, Rücken und Augen tun bald weh, aber auch wir konnten uns einer gewisse Faszination nicht entziehen und ließen Goldkrümchen um Goldblättchen in bereitstehende kleine Wasserphiolen tropfen.
Nach einer halben Stunde konnte man es immer noch kaum in der Phiole erkennen. Zum Vergleich: damals lag der Goldpreis bei ca. 30 Dollar pro Unze (ca. 31 g), heute bezahlt man 1400 Dollar! Wir wollten unser Gold aber behalten, im Saloon konnte man eh nur mit harten Dollarnoten bezahlen!
Nach dem zünftigen Cowboyessen bei Westernmusik schauten wir uns noch den Ort an. Die meisten anderen Goldstäde wurden nach dem Abklingen des Goldrausches in den späten 1850er Jahren verlassen und verfielen. Columbia aber wurde von seinen Bewohnern erhalten und 1945 zum State Park erklärt und besonders geschützt. Alle Gebäude sind original und jedes zweite Wochenende im Monat beleben sich die Straßen.
Man kann Postkutsche fahren, Gold waschen oder in den Läden einkaufen. Auch das alte Schulhaus oben am Friedhof ist zu besichtigen und auf Schiefertafeln kann man ausprobieren, wie die Schüler damals schrieben.
Auf dem Friedhof nebenan haben wir auch viele deutsche Namen gefunden und chinesische! In den Shops gibt es neben dem üblichen Krimskrams auch sehr schön nachgemachte Kleider und Kinderspielzeug von damals und auch das Zubehör, um seinen eigenen Saloon zu eröffnen, inklusive exklusiver Damen.
Weiter ging es auf dem Highway 49, an dem viele Pferdefarmen und alte Goldgräberstädte mit Museumsminen liegen. Wir dagegen fuhren nun hinauf in die Berge, die ersten Ausläufer der Rocky Mountains. Es wurde kälter und kälter.
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt, um Vorräte fürs Abendbrot einzukaufen, erreichten wir schließlich unser Hotel im hohen Schnee, nur zwei Meilen vom Südeingang des Parks entfernt.
Das Hotel war sehr teuer, wie viele Übernachtungsmöglichkeiten so nah am Park. Man übernachtet billiger und wahrscheinlich ebenso komfortabel in den umliegenden Bed&Breakfast-Herbergen. Aber wir wollten hier ja nur schlafen, um morgen so früh wie möglich im ersten Licht in den Yosemite-Park zu fahren.

