San Francisco ist natürlich nicht in einem Tag zu erkunden und wahrscheinlich reichen auch zehn Tage nicht. Wir tun unser Bestes und Micha hat seine Angelegenheiten nun soweit erledigt, dass er mit uns zusammen sein kann. Er kennt Frisco schon und führte uns nun auf die Hügel oberhalb der Golden Gate Bridge mit atemberaubenden Aussichten.
Hier oben finden sich auch Reste alter Bunkeranlagen, die die amerikanische Armee während des Zweiten Weltkriegs gebaut hat, um eine eventuelle Invasion der Japaner abwehren zu können. Der Hafen von San Francisco war ein wichtiger Truppenumschlagplatz. Aber schon 1944 war ihnen klar, dass die Japaner wohl nicht kommen würden und sie ließen die zwei Raketenbasen unvollendet. Sie stehen heute als Ruinen in den grünen Hügeln, von denen ein großer Teil jetzt Naturreservat mit vielen schönen Wanderwegen ist.
Das Goldene Tor wurde übrigens von den Mexikanern entdeckt und sogleich als strategisch wichtiger Ort erkannt. 1844 wurde dieser Eingang zur Bucht offiziell "Golden Gate" genannt und 1846 annektierten die Amerikaner Kalifornien als Bundesstaat. Den besten Blick hat man zweifellos von den Hügeln hier -- und nicht nur auf die Brücke, sondern auch in den Himmel!
Dies ist SpaceShipTwo, ein Raumschiff, das hier in einem speziellen Trägerflugzeug transportiert wird. Das SpaceShip soll Touristen in den Weltraum bringen. Vielleicht wurden von dem begleitenden Verkehrsflugzeug aus Fotos des neuen Raumschiffes gemacht? Auf jeden Fall einzigartige Bilder, die Micha Adlerauge da gemacht hat. Unterhalb der Hügel liegt ein kleiner Kiesel-Strand, wo die Brandung an die Felsen kracht.
Auf einer engen Serpentinenstraße fuhren wir bergab, denn es zieht uns immer zum Meer. Hier unten wehten die kalten Böen und es war kalt, obwohl die Sonne knallte.
Den Kindern wurde streng verboten, zu nah an die Wellen zu gehen, die hätten sie glatt reingezogen. Aber Lotti war sowieso schon im Muschelsammelmodus. Ich konnte es mir aber nicht entgehen lassen, meine Füße zum ersten Mal im Pazifik zu baden. Und es war eiskalt.
Dann gings in die Stadt hinein, denn heute wollten wir endlich mit der historischen Cable Car fahren. Mit den Kindern allein und Mattis zum Festhalten habe ich mir das nicht getraut.
Aber mit vereinten Kräften kauften wir Roundtrip-Tickets, also hin und zurück für 10 Dollar und stiegen ein. Die Hälfte der Plätze sind in der Kabine, die andere Hälfte auf Bänken unter dem Vordach. Da kamen wir zum Sitzen. Der furchtlose Iggy wollte sogleich aufs Trittbrett, begnügte sich dann aber mit dem Platz direkt vorne, vom steilen Abgrund nur durch ein kleines Fenster getrennt.
Micha setzte sich zwischen Moritz und Lotti, um sie festzuhalten und ich tackerte Mattis an mir fest. Lotti war das Geschaukel nicht geheuer.
Die Fahrt ist einfach einzigartig. Auf den harten Holzbänken sitzt man total unbequem, immer in Gefahr bei allzu heftigem Rucken nach vorne oder auf den Nachbarn gedrückt zu werden. Die Fahrer sind hart, aber herzlich und stopfen die Bahnen so voll wie möglich. Dann geht es steil bergauf und man glaubt, der Wagen würde es nicht schaffen und wenn es bergab geht, wünscht man sich, er wäre vielleicht doch auf halber Strecke stehen geblieben. Und es rumpelt und klingelt und schnauft. Seht und hört selbst.
Erst steil bergauf, dann steil bergrunter zur Endstelle Market Street. Da kann man gut einkaufen, wir aber haben nur schnell was gegessen und wollten wieder aufsitzen. Aber zuerst muss der Cable Car per Drehscheibe wieder in die richtige Richtung gedreht werden.
Und dann geht es wieder bergauf und wieder bergab.
Also wer das in San Francisco nicht mitgemacht hat, hat wirklich was verpasst!
Und weil wir so gut in Stimmung waren, sind wir gleich noch San Franciscos Lombard Street "hinuntergebraust", aber gaaanz langsam. An der wohl krummsten Straße der Welt stehen die Touristenautos Schlange, um sich mal hinunter zu schlängeln.
Die Haarnadelkurven kommen auf dem Verkehrsschild nicht so richtig rüber, sind in Wirklichkeit aber sehr anspruchsvoll und ein Muss für jeden von sich überzeugten Autofahrer. Nach nur einer Minute ist man unten und hat ein Stück weltberühmter Straße hinter sich gebracht.
Mittwochs kommt man in viele Museen kostenlos rein. Weil so schönes Wetter war, haben wir uns aber nur eines gegönnt: die Cable Car Barn.
Hier werden die Straßenbahnen gewartet und repariert. Und hier drehen sich die riesigen Seilwinden, mit denen die Wagen durch die Stadt gezogen werden. Die Stahlseile liegen in Tunneln unter der Straße und mit einem großen Steuerknüppel koppelt der Fahrer die Wagen an und ab und bremst.
In den 40er Jahren sollten die Straßenbahnlinien endgültig elektrischen Bussen weichen, aber die Bürger von San Francisco wollten sie unbedingt erhalten. Hier im Museum werden alle möglichen Memorabilia gesammelt und es gibt auch Schaukästen, in denen man Fotos des großen Bebens von 1906 ansehen kann, bei dem auch die Straßenbahnlinien schlimm beschädigt wurden.
Übrigens genießen wir auch Kalforniens Supermarktangebot. Auf vielfache Empfehlung kaufen wir in "Trader Joe's" -- nur bio und fair gehandelt und tatsächlich nicht viel teurer als bei uns in NH. Ein bißchen gewöhnungsbedürftig ist, dass man Äpfel und Bananen pro Stück bezahlt, erstaunlich, dass der Schinken und Salami so fettarm und lecker sind. Mattis mumpelt kalifornische Erdbeeren und Mandarinen und es gibt sogar "unser" Brot! Natürlich getarnt als französisches, aber wer fragt schon nach dem Namen.
Das war heute wieder ein verkehrsreicher Tag und morgen geht es hinaus in die "woods".

