Nach einer anstrengenden Anreise in zwei Flugzeugen mit Zwischenstopp in Phoenix, Arizona kamen wir um 21.30 Uhr Ortszeit in Oakland an. Das ist einer der vielen kleinen Flughäfen in der Bay Area. Die Kinder schliefen sofort im Mietwagen ein, war es doch zu Hause in New Hampshire schon halb eins in de Nacht. Wie schön war es da, dass Matthew in seiner kleinen gemütlichen Wohnung in den Hügeln von Berkeley auf uns wartete, mit frisch bezogenen Betten und Frühstück im Kühlschrank. Die Nacht verlief eher unruhig, da alle erschöpft und aufgeregt zugleich waren. San Francisco wartete auf uns.
Micha wollte schon früh zu seiner Konferenz in einem Hotel nahe der Bucht. Die Kinder waren immer noch müde, aber auch gespannt. Mal sehen, wann dieser euphorische Zustand in Gejammer umschlagen würde. Und es fing schon schwierig an: eigentlich wollten wir gleich in die Cable Car, die berühmte Straßenbahn einsteigen, um San Franciscos höchsten Hügel Nob Hill zu erklimmen -- aber die Straße wurde gebaut. Da hieß es also laufen.
Unsere erste Station war Chinatown, das große Chinesenviertel, wo heute fast 30.000 Menschen chinesischer Herkunft leben. Es gibt Läden mit Kleidern, Schirmen, Schnitzereien, die aber fast alle Touristen anlocken sollen.
Erst in den Lebensmittelgeschäften und Bäckereien wird es richtig chinesisch, denn da kann man nicht mehr lesen, was so verkauft wird.
Ich musste auch lernen, dass sich die Chinesen hier in keine Schlange stellen, sondern, mit Dollarscheinen wedelnd, den Verkäuferinnen zurufen, was sie sofort haben wollen. Da dauerte es also etwas, bis Wir uns ein zweites Frühstück in Form von chinesischen Küchlein und leckeren Milchbrötchen genehmigen konnten.
Weiter und steiler ging es hinauf bis auf die Hügelkuppe und es war mit 18 Grad richtig schön warm. Hier oben auf Nob Hill steht eine Notre-Dame-de-Paris-nachempfundene Kirche. Doch auch sie wurde wie fast alle Gebäude hier bei dem großen Erdbeben von 1906 fast völlig zerstört. Einzig eine Fabrikantenvilla blieb inmitten der Trümmer stehen.
Die Kinder lebten richtig auf in dem warmen Sonnenschein, zumal s i e nun endlich an uns vorbeirasselte.
Die beiden anderen Linien der historischen Straßenbahn fuhren nämlich die Hügel zur anderen Seite hinauf und hinab. Aber wir stiegen nicht mehr ein, denn wir wollten uns mit Micha zum Mittagessen treffen. Andy, Michas Kollege, kam auch mit und wir aßen sehr lecker thailändisch und zwar in Little Italy -- alles sehr kosmopolitisch in San Francisco. Zusammen ging es wieder bergauf, diesmal auf Telegraph Hill.
Hier dürfen die Autos nur quer parken, so steil sind die Straßen. Hier oben steht der Coit Tower, den eine reiche Bürgerin zur Verschönerung der Stadt in den 1930er Jahren hat bauen lassen.
Es duftet nach Eukalyptusbäumen und man hat einen tollen Blick über die Stadt und die Bucht bis hin zur Gefängnisinsel Alcatraz.
Von weitem sieht man auch die "crookest street", die berühmte Lombard Street, an die wir uns an einem anderen Tag noch näher heranpirschen wollen.
Jetzt bauten die Kräfte doch merklich ab und wir Nicht-Konferenzteilnehmer entschieden uns, eine Stadtrundfahrt mit einem Doppeldeckerbus zu machen.
Das schont die Füße und die Kinder verstehen so gut Englisch, dass sie den Erzählungen der Führer folgen können. Es ging erst durch den Finanzdistrikt dann Richtung Haight Ashbury, dem berühmt-berüchtigten Hippie-Viertel mit den herrlichen Art-Deco-Häusern.
Im Haight-Park spielten Jimi Hendrix und Grateful Dead vor tausenden junger Menschen, die sich in den 60er Jahren in den damals heruntergekommenen Häusern einquartierten. Wirklich viel ist von damals nicht mehr zu sehen.
Dann ging es durch den Science Park mit japanischem Teegarten und Museen. Dort steht sogar eine kleine Kopie des Goethe-Schiller-Denkmals aus Weimar! Aber mit Mattis auf meinen Knien balancierend gelangen mir keine Fotos. Umso fröhlicher wurden wir je näher wir der Golden Gate Bridge kamen.
"Mama", sagte Charlotte, "ich glaube erst, dass die Brücke echt ist, wenn wir drüber gehen. Selbst von so nah sieht sie aus wie eine Postkarte."
Also haben wir uns überzeugt, dass sie echt ist und so rot wie auf den Bildern. Alles ist wahr! Moritz hat schon so lange von der Brücke geträumt, dass er in diesem Moment sprachlos war. Und über die baumstarken Drahtseilbündel, die die Brücke halten, hat er gestaunt.
Eine wunderbare Eigenschaft unserer Kinder ist, dass sie so begeisterungsfähig und interessiert sind. Sie fragen so viel und lassen sich viel erzählen und tatsächlich gab es kein Gejammer, obwohl wir am Ende mehr als vier Stunden gelaufen und zwei Stunden mit dem Bus gefahren sind. Auch Mattis hat nicht geschlafen und war trotzdem guter Dinge.
Michas Poster kam auf der Konferenz sehr gut an. Wir fuhren noch schnell zum Einkaufen, aber da schliefen schon drei von uns im Auto ud fielen dann zu Hause in wohlverdiente Träume von einer wirklich schönen Stadt an der Bucht.

