Das Wochenende war mal wieder bunt. Nachdem Micha total kaputt in der Nacht zum Sonnabend nach Hause gekommen ist, wurde er von seinem Jünsten schon frühmorgens um 6 sehr zärtlich mit einem "Aaaiiii" begrüßt. Die Sonne lachte und Mattis war mit seinen Geschwistern zusammen draußen unterwegs.
Charlotte passt eigentlich sehr gut auf und Mattis will sowieso bei den Großen sein und rennt nicht weg. Nur wenn ein "Ganz Großer" kommt, dann rennt er weg, denn er möchte unabhängig sein. Ich habe mir angewöhnt, ihn aus der Ferne im Auge zu behalten, dann bleibt er in einem bestimmten Umkreis und haut nicht ständig ab, als wenn ich immer bei ihm bin.
Außerdem war wieder PowWow in Hanover: das 39. PowWow der Dartmouth-Studenten indianischer Herkunft, das immer am Muttertags-Wochenende stattfindet. Wieder wurden Tänzer prämiert und zwar Männer, Frauen und Kinder. Man durfte nicht alles fotografieren, denn jeder Tanz ist ein Gebet und bestimmte, sehr persönliche Gebete sollen auch diskret behandelt werden.
Diesmal konnte man sich über die vielen verschiedenen Indianersprachen informieren, die hier in Dartmouth gesprochen, aber nicht gelehrt werden. Die meisten scheinen ungeheuer kompliziert zu sein, werden aber durch viele Sprecher am Leben gehalten. Es gab Stände mit teils wunderschöner indianischer handarbeit, teil billigem Plunder aus China. Am schönsten waren aber wirklich die Tänzer der verschiedenen Stämme in ihrem Feder- und Fellschmuck vor der ach so kultivierten Neu-England-Kulisse.
Außerdem haben wir gegrillt mit neuen Freunden -- Familie Otto aus Deutschland und festgestellt, dass es doch sehr schön sein kann, mal wieder eine Weile Muttersprache zu sprechen. Im Gegenzug hat Micha ihnen ein Stück Beef gegrillt, dass ihnen Hören und Sehen verging. Wir haben übrigens beschlossen, jetzt jedes Wochenende amerikanisches Rind zu grillen, damit wir das in Deutschland nicht zu sehr vermissen.
Achja, vermissen, Muttertag. Ich sage nur eins: ich habe an diesem Tag vier Mal abgewaschen... Dafür habe ich meine Mitbringselsammlung um zwei schöne Stücke erweitert. Passend zu meinem Abalone- Ring aus Kalifornien habe ich mir noch ein paar Ohrringe gekauft. Abalone ist eine Muschel, deren Perlmutt in allen Farben schimmert und sie wird von den Indianern von Haiti und der Nordwest-Pazifikküste Amerikas in Schmuckstücken verarbeitet.
Soo schlimm war es also nicht, zumal ich von Moritz ein sehr hübsches, selbstgemaltes Mama-Buch bekommen habe, das meine Qualitäten als "Autofahrerin, Köchin, Künstlerin und Rennerin" hervorhebt. Endlich sagts mal einer... Außerdem: Lotti war fleißig und hat gelernt, Moritz wurde zum Baseballspielen eingeladen, das Kinderzimmer wurde entmint und Mattis hat zu den bestehenden mehrere neue Lieblingsessen hinzuaddiert: Erdbeeren, Thunfisch, Tomaten, Spam, Tsaziki und Räucherfisch. Guten Appetit.

