Die letzten Tage waren erfüllt von Gesprächen über das Auto, unter dem Auto und mit dem Auto -- denn es ist ein bisschen kaputt:
Micha und Yarik bauen spaßenshalber ein Rad ab, denn es macht komische Geräusche. Das Geräusch verschwindet nicht. Sie einigen sich darauf, am nächsten Tag das Radlager zu wechseln. Man ist guter Dinge, trinkt ein Bier, die Mückenstiche sind noch zählbar.
Micha kauft ein Radlager und verspricht, bald zurück zu sein. Irgendwann mitten in der Nacht klingeln mein Handy: Micha ist dran und meint, sie hätten nach zwei Stunden Einsatz roher gewalt, das alte Radlager abgekriegt. Nun müssen sie nur noch das neue anbauen. Sie arbeiten in der Dunkelheit weiter, das Licht zieht alle Moskitos der Umgebung an -- Micha in kurzen Hosen wird ihr Abendessen. Sie wechseln das Radlager. Die Biervorräte sind aufgebraucht.
Micha entdeckt nach einer Probefahrt, dass die Bremse des betreffenden Rades heiß wird. Man verabredet sich zu Bier und erneuter Reparatur. Es ist Yariks Geburtstag. Der Nachmittag geht vorbei. Die Kinder und ich lernen ständig neue Kinder und Mütter aus der Umgebung kennen. Vorsichtig schauen wir immer wieder, ob die beiden Jungs noch am Auto schrauben. Diesmal gibt es Becks Bier. Schließlich lassen sich die Moskitos auch durch Geranien-Öl-haltige Geheimtränke nicht mehr im Zaum halten. Beide Jungs sind voll Öl und verschwitzt -- doch schließlich ist das Werk vollbracht. Das Bier ist alle, das Auto scheint ganz, die Bremse bremst, das Rad dreht sich. Das muss gefeiert werden: es gibt Makkaroni und russische Torte zum Geburtstag. Die Kinder werden mit russischen Cartoons (Nu Pagadi!!!) beruhigt. Die Papas testen, wieviel Vodka sie nach einem solchen Tag noch vertragen. Ähm... genug.
Die Kinder und ich kutschen durch West-Lebanon, wo es mehr Shopping Malls als Wohnhäuser gibt. Wir sind mobil. Im K-Mart kaufen wir einen Kindersitz für Lotti. Ich schließe per Fernbedieung das Auto ab -- Moritz öffnet trotzdem die Schiebetür. Wir beschließen, es Micha erst am Abend zu erzählen. Die Kinder schlafen, die Sonne geht unter. Ich schreibe den Blog -- Micha bastelt am Türschloß... und morgen gehts an die Küste und sei es mit zugeschweißter Tür -- Yarik kann auch schweißen.
Kleiner Einschub: für alle, die Yarik nicht kennen. Er ist Michas Kollege am College. Beide haben sich vor einigen Jahren online kennengelernt, als sie in verschiedenen neurowissenschaftlichen Mailinglisten alles besser wussten. Natürlich mochten sie sich sofort. Sie trafen sich daraufhin in Princeton, wo sie Vodka zusammen tranken. Dann fuhren sie auf ein Hacker-Treffen in Paris, sozusagen der Honeymoon -- wo sie vornehmlich armenischen Cognac tranken. Uhnd nun haben wir beschlossen, zusammenzuziehen. Yarik hat eine Stelle in Michas Arbeitsgruppe und sie teilen sich ein Büro, wo sie planen, die Weltherrschaft an sich zu reißen ... oder was auch immer. Yarik hat viel für uns organisiert, bevor wir hierher kamen und er ist ein unermesslicher Quell guter Witze und großer Hilfsbereitschaft. Der Rest seiner Familie besteht aus vier Mädchen: Yulia, Alissia, Zabahwa und Wassilissa -- achja, Yarik stammt aus der Ukraine.
Druschba.
Karo

