Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Nun, da wir uns soweit eingelebt haben und der Alltag eingekehrt ist, wollte ich mich um einen Job kümmern. Mein Visum weist mich als "Abhängige" meines Mannes aus, der als Wissenschaftler quasi in die USA eingeladen wurde und dessen Fähigkeiten man hier gut gebrauchen kann. Trotzdem dürfte auch ich arbeiten. Meine Arbeitserlaubnis könnte ich durch Zahlung von 400 Dollar aktivieren und so eine Social-Security-Number erwerben, mit der ich eingestellt werden könnte.

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Ich habe mich jetzt bewusst gegen das Arbeiten entschieden, obwohl der Mensch ja eigentlich erst durch Arbeit zum Menschen wird (Marx). Und ich habe folgende Gründe:

Meine Bemühungen am Deutschen Institut des Colleges waren schon Anfang September gescheitert. Das Institut hat von Jahr zu Jahr weniger Studenten und dann so genannte "Undergraduates". Die kommen direkt von der Schule, können Schuldeutsch und müssen erstmal sprachlich fit gemacht werden. Dann lernen sie die Grundlagen deutscher Kultur und wenn sie bereit wären, mit mir übers deutsche Mediensystem zu sprechen, setzen sie ihr Studium in Deutschland fort. Einen Nachhilfe-Job will man mir nicht vermitteln, da ich keinerlei pädagogische Erfahrung nachzuweisen habe.

Obamas größtes Problem ist denn auch mein Problem: die Arbeitslosenquote in den USA liegt erstmals seit 23 Jahren bei etwa 10 Prozent. Sogar langjährige Angestellte verlieren ihre Jobs und sind auf Arbeitssuche. Ich als ungelernte Ausländerin stünde wohl an letzter Stelle jeder Auswahlliste -- selbst bei McDonalds oder WalMart.

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Charlotte kommt jeden Tag zwischen 14.30 und 15.30 Uhr aus der Schule. Moritz hat nur einen 3-Tages-Kindergartenplatz, länger haben sie nicht anzubieten und länger könnten wir auch nicht bezahlen, denn Kinderbetreuung ist sehr teuer. Ich würde vornehmlich arbeiten, um die zusätzliche Kinderbetreuung und einen Hortplatz für Charlotte zu bezahlen. Und ich würde als Single mit dem Höchstsatz besteuert werden, da die USA unsere Ehe nicht anerkennt, weil wir keine US-Staatsbürger sind. Michas Antrag auf nachträgliche Besteuerung in Deutschland wurde glücklicherweise anerkannt, so dass wir 2011 unsere Steuern zu Hause nachzahlen können -- dort wo wir durch Ehegattensplitting, Kinderfreibeträge und vor allem durch Abzug der Kinderbetreuungskosten hoffentlich weniger blechen müssen.

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Und: ich würde ab jetzt noch ca. drei Monate arbeiten, bevor unser kleiner Ami zur Welt kommt. Der Bauch rundet sich, was meine Einstellungschancen drastisch verringert und mich für viele Arbeiten unbrauchbar macht. Sind alles gute Gründe -- aber wenn es das letzte Argument nicht gäbe, hätte ich es wohl trotzdem versucht. Und wenn es mir nächstes Jahr mit Baby und allem doch zu langweilig ist, mache ich einfach einen Aushilfe-Aushang in der Universität. Doch es gibt einen Lichtblick: es fällt mir gar nicht so schwer, "sein" sauer verdientes Geld auszugeben und damit ist eine Voraussetzung für ein zeitlich begrenztes Leben als Hausfrau und Chef-Mutter doch wohl mehr als erfüllt.

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