Nach deutscher Zeit ist Mattis fast 24 Stunden alt, hier ist immer noch sein Geburtstag und gerade ist die Sonne untergegangen -- es war ein ausnehmend schöner Tag für uns alle. Hier liegt er jetzt neben mir, satt und zufrieden wie es scheint. Nach kurzer Zeit hatte er den Dreh mit dem Brusttrinken raus, ist eben ein richtiger Kerl. Er ist sehr kräftig, konnte schon alles leer trinken und war danach immer noch wach, um mit seinen blauen Augen in die Welt zu schauen. Außerdem war er sehr damit beschäftigt, seine Windeln zu füllen, was ihm neben seiner ausgesprochenen Niedlichkeit einen großen Respekt bei den Krankenschwestern einbringt.
Wir haben ein großes Zimmer für uns mit Morgensonne und Blick auf eine Wand. Aber ich habe die Augen sowieso immer woanders. Mir geht es gut. Ich kann aufstehen, essen und schlafen ohne größere Schmerzen. Kein Riss, kein Stich -- alles prima. Unglücklicherweise habe ich aber wieder viel Blut verloren, was leider längere Untersuchungen direkt nach der Geburt nach sich zog. Aber sie wissen nicht, woher es kommt und vermuten nun einfach eine Besonderheit meiner Blutbeschaffenheit während der Schwangerschaft und der Gebärmutter. Wie gut, das alle Kanülen schon raus waren, als heute nachmittag die Kinder kamen. Übrigens wurden nun alle an einem Dienstag geboren -- was das wohl bedeutet?
Die aufmerksame Charlotte hat natürlich sofort die vielen kleinen geplatzten Äderchen an meinen Schultern bemerkt und sich gleich gesorgt. Und Moritz fand den schlafenden Mattis erstmal langweilig. Mattis hat tatsächlich sehr hartnäckig geschnarcht und die erste Begegnung mit seinen Geschwistern verschlafen. Es deutet sich jedoch schon an, dass seine prächtige körperliche Konstitution ein großer Vorteil sein wird -- die "kleinen Bäckchen und Öhrchen und Händchen" mussten ausführlich gestreichelt und geknuddelt werden. Hoffen wir, dass auch er so in sich ruht, dass er den Wirbel einer großen Familie gut verträgt.
Noch bis Donnerstag bleiben wir hier im Krankenhaus. Mattis wird noch einen Hörtest machen und eine Hepatitis-B-Impfung bekommen. Außerdem gibt es auch hier ein staatsweites Screening auf Stoffwechselkrankheiten, für das ihm noch Blut abgenommen wird. Zwei Tage nach der Entlassung haben wir schon einen Kinderarzttermin, wo es vor allem um seine Zunahme und das Stillen gehen wird. Jetzt ruhen wir uns erstmal richtig aus -- gebettet auf das weiche Polster so vieler guter Wünsche, Dankeschön.

