Ich will nicht gotteslästerlich sein, aber unser Erretter wohnt nebenan. Er heißt Hakan, ist Professor für Altgriechisch und sein Fachgebiet ist die Soziologie griechischer Texte. Nebenbei ist er Kosmopolit und hat u.a. ein Jahr in Paris verbracht, auch um zu lernen, wie man Brot backt. Und dieses heilige Wissen hat er nun unter Beweis gestellt: er hat für uns Brot gebacken.
Es ist ein Sauerteig-Roggenbrot, aus Roggenmehl, Wasser und Salz. Der Sauerteig wurde gefüttert und gehegt, alle Zutaten vermischt und geknetet, dann ruhte es mehrere Stunden an einem warmen Ort bevor es auf einem heißen Stein gebacken wurde. Heißer Stein!! Das heißt, es hat eine richtige Kruste. Die Konsistenz ist grandios herzhaft und wer reinbeißt wird erleuchtet.
Und das Allerbeste: wir bekommen Sauerteig ab und einen Backkurs, um uns selbst aus unserem Elend zu erretten: zuletzt fürchtete ich mich vor dem Brotkauf, denn wir hatten nun zwar Roggenbrot gefunden, aber aus unerfindlichen Gründen muss da immer Kümmel drin sein. Ich weiß, die Hallenser lieben Kümmel vor allem in der Wurst -- aber nicht wir, das muss das ausländische Erbe unserer Vorfahren sein oder ein gewöhnlicher genetischer Defekt. Jedenfalls waren wir gerade dabei, zu resignieren und uns Toastlabberbrot reinzuekeln -- als heute das Glück an unsere Tür klopfte:
Also gehts jetzt los: Donnerstag abend ist das erste geheime Treffen, da werden die Zutaten gemischt, Freitag morgen wird geknetet und Micha meinte schon, er wird mit Freuden jedes Meeting absagen, um beim Backen dabei zu sein und bald, sehr bald werden wir unser eigenes Brot haben.
Hallelujah.

