Bei uns kann Lotti zur Goldmarie werden, denn unser riesiger Truthahn-Whirlpoolherd hat sich in einen Brotbackofen verwandelt. Nach der Backlehrstunde beim Nachbarn, kam Micha mit d-e-m Brotrezept nach Hause und jetzt wurde jeden Tag gebacken. Der Analytiker hat den Bäcker ausgefragt und minutiös die Zutaten, zeitliche Abfolge und alle Tricks notiert. Das Ziel war, das Brot erstmal nur nachzubacken. Den Sauerteig-Starter haben wir von Hakan geschenkt bekommen -- er wird behütet wie ein Baby, jeden Tag gefüttert und beginnt nun auch, sich hier bei uns wohlzufühlen, so dass wir immer genug haben, um zu backen und wieder neu zu züchten.
Zuerst also alle Zutaten mischen und den Teig kneten. Wir backen hier Mischbrot aus Weizen- und Roggenmehl. Roggenbrot ist zwar haltbarer, aber der Teig ist auch noch klebriger als bei dem Mischbrot. Selbst die glatte Arbeitsfläche ist zu rauh, immer pappt was an.
Beim Kneten muss der Teig immer in Bewegung sein. Micha wird bald Popeyes Unterarme haben!
Dann ruht die Teigkugel für acht Stunden in einem warmen Nestchen. Micha hat ihn anfangs sogar herumgetragen, damit er es immer schön warm hatte. So stand die Schüssel mal mit auf dem Herd, mal auf dem Kamin -- und nein, unser Bett war tabu. Nun wird er nochmal geknetet und zu einem "Boule" geformt -- der Brotlaib sollte keine Falten haben, sondern muss vollkommen rund und glatt sein. Er wird so geformt, dass die Oberfläche quasi unter Spannung steht -- die wird dann im Ofen zu einer schönen knusprigen Kruste.
Eigentlich muss er nun in ein Gärkörbchen unnd hier wieder so ein Bonmot: Hakan hat das luftdurchlässige Gärkörbchen aus Stroh hier in einer Luxusbäckerei gekauft, für 30 Dollar. Es stellte sich nun heraus, dass die diese Körbe aus Deutschland importieren und zwar von einer Firma aus Riesa -- die Kollegen da verkaufen es für 2,50 Euro... Nun unser Brot schläft in seiner Schüssel und kommt nun in den Ofen, auf unseren heißen Stein, der nichts anderes als eine Bodenkachel aus dem Baumarkt ist.
Und nun muss es eine Stunde backen und verwandelt sich dabei.
Und jetzt schaut mal her -- das isses nun, so ein Brot mit vier Kanten, wie der Meister zu sagen pflegt. So ein Brot, das man eigentlich nur mit Butter und Salz zu essen braucht. So ein Brot wie früher -- Michas Opa konnte uns noch erzählen, dass sie es vor 70 Jahren auf seinem Hof fast genauso gebacken haben. So ein Brot haben wir jetzt und ich sag Euch, es schmeckt noch besser, wenn man bedenkt, dass es SELBST gemacht ist.
Guten Appetit.

