Aus gegebenem Anlass: obwohl New Hampshire nach dem Bundesstaat Maine über die größten Waldgebiete der USA verfügt, scheint es hier keine Waldbrände zu geben. Es gibt einige Brandwachttürme auf den Berggipfeln, aber Brandschneisen, wie man sie früher auch in Thüringen geschlagen hat, um ein Übergreifen potentieller Brände zu verhindern, gibt es hier nicht.
Obwohl wir hier auch schon tagelang mehr als 34 Grad hatten, liegt am Morgen immer noch Tau auf den Wiesen und Bäumen. Im Wald selbst ist es immer feucht und die Wege sind oft matschig. Überall fließt Wasser, einmal natürlich der Connecticut River mit seinen vielen kleinen Zuflüssen und dann auch kleine Tümpel und Teiche mitten im Wald.
Vor etwa 100 Jahren war der Wald deutlich kleiner, weil es viele Farmen und Höfe gab. Als die Siedler aber mehr und mehr nach Westen und in die Industriestädte wanderten, lohnte sich der Anbau hier nicht mehr. Die Farmen wurden aufgegeben und der Wald eroberte sich die Flächen zurück. Manchmal findet man noch verfallene Häuschen mitten im Wald und man kann die Ränder alter Felder entdecken. Viele Waldbestände sind daher nicht älter als 80 bis 90 Jahre und es stehen Nadel- und Laubbäume einträchtig nebeneinander.
Der Wald ist sehr gesund. Das einzige sichtbare Problem ist ein Spinner-Schädling, der einzelne Äste einwebt und dem auch die eisigen Winter hier nichts anhaben können.
Es riecht intensiv nach Laub und Holz, viel intensiver als in Deutschland, meine ich. Man fühlt sich fast wie im Urwald und tatsächlich wird geraten, nur in den State Parks zu wandern und spazieren zu gehen, denn die riesigen Wälder sind kaum durch Wanderwege erschlossen und man kann verloren gehen.
Man kann Bären, Elchen und Kojoten begegnen. Außerdem leben hier Stachelschweine, die so groß wie Schäferhunde werden und einem ganz schön Angst einjagen, wenn sie mit ausgefahrenen Waffen auf der nächtlichen Straße stehen. Es gibt natürlich auch Rehe und Hasen, und es gibt Herden wilder Truthähne.
Sie gehen übrigens auch nicht freiwillig von der Straße, erst wenn der Hahn alle Hühner rübergebracht hat, darf man fahren. Stinktiere, Murmeltiere und Eichhörnchen werden jetzt wieder öfter überfahren und auch Schildkröten. Die Schnappschildkröten allerdings leben nahe Tümpeln und können einem Menschen den Finger abbeißen. Sie verteidigen sich, denn ihr Panzer bietet ihren langen Gliedmaßen zu wenig Schutz. Wir haben aber noch keine getroffen. Momentan erfreuen wir uns an dem satten Grün, das den Augen so gut tut. Ab Mitte September beginnt dann der Indian Summer mit seinem Farbenrausch.

