Mittlerweile ist das Einkaufen zur Routine geworden. Anfangs war ich durchaus überfordert vom Angebot und den Tücken der Lebensmittel, die sich sehr kleingedruckt in der Zutatenliste verbergen. Denn wer möchte schon Kakaopulver aus Maissirupstärke oder Toast mit Erdnussresten haben? Jede Woche fahre ich etwa 15 Minuten nach West-Lebanon, das aus elf Häusern und acht Shopping-Centern besteht. Die liegen alle an einer Straße, von der man auf große Parkplätze abbiegen kann. Es gibt eigentlich alles hier -- von der Kaufhalle, über Kleiderkaufhäusern zu Baumarkt und Technikladen, Drogerien und Handarbeitsbuden und natürlich die unvermeidlichen Schnellrestaurants. Lebensmittel kaufe ich im PriceChopper -- das sind die "Preiszerhacker".
Der ist vergleichbar mit unserem Lidl, nur das Angebot ist größer. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Preise alle anders ausgezeichnet ist: man findet immer den Produktpreis und daneben einen Unit-Preis. Der kann sich aber auf den Preis eines Pfundes, einer Gallone oder manchmal auch einer Viertelgallone oder eines Halbpfundes beziehen. Dazu kommt eine unübersichtlich große Zahl von Angebots-Angeboten: heute billiger, kauf eine -- krieg eine umsonst, Bonuspunkte, kauf das und du bekommst einen Coupon für etwas ganz anderes... Ganz Ausgefuchste halten eine große Menschenmenge an der Kasse in Atem, indem sie Coupons aus Zeitungen, von Tankstellen oder Cornflakesschachteln abrechnen lassen und dann noch mit einem Scheck bezahlen. Kaufen kann man außerdem auch Medikamente: 100 Pills only 10 Dollar!. Um herauszufinden, was die Amerikaner tagtäglich so essen, läuft man einfach die Regale ab, denn auch hier gilt: die Nachfrage regelt das Angebot. So gibt es ca. 100 Sorten Erdnussbutter -- obwohl die Zahl der Allergiker steigt.
Und natürlich bestätigen sich auch die Vorurteile. So gibt es z.B. keinen Multivitaminsaft zu kaufen und 100%igen Saft, wirklich ohne Zucker, muss man erstmal suchen. Dafür gibt es fast eine ganze Regalreihe nur Kartoffelchips.
Man kann aber nicht sagen, dass es nur Ungesundes zu kaufen gibt. Eine Frisch-Fischtheke gehört hier in jeden Supermarkt, auch wenn man suchen muss, wenn man nix Wildgefangenes oder vom Aussterben Bedrohtes haben will.
Der Obst- und Gemüsebereich ist auch sehr groß, doch Sellerie-Wurzeln gibt es nur wenige und ich bin bisher jedes einzelne Mal an der Kasse gefragt worden, was das sei bzw. was man daraus herstellen könne. Dafür gibt es alle Arten Fleisch in jeder erdenklichen Form.
Wer es exotisch mag, nimmt noch LemonTea to go, Stangenkäse, GoGhurt (Joghurt in Plastikpäckchen zum Schlürfen) oder ein abgepacktes Frühstück bestehend aus DauerCookie mit 3 Schinkenscheibchen und 2 Salamischeibchen. Für die ganz Harten bleibt noch:
Da muss man wahrscheinlich gar nichts mehr essen... Vielleicht ist das was für Michas Büro-Snack, anstatt jeden Tag zwei Snickers.

