Ich weiß, ich bin spät dran, aber bloggen hat momentan keine besonders hohe Priorität neben Kofferpacken, Autoverkaufen oder Versicherungenkündigen.
Aber natürlich will ich Euch diesen hier nicht vorenthalten, zumal dieser 4. Juli wirklich etwas Besonderes war. Nicht nur, dass sich die USA am 4. Juli vor genau 235 Jahren von England unabhängig erklärte, wir hatten auch noch Kristin und Thomas zu Besuch und in diesem Jahr feierte unser Städtchen Hanover seinen 250. Gründungstag.
Die traditionelle Parade wurde also die längste und bunteste und lauteste, die dieser idyllische Flecken Erde jemals erlebt hatte. Vor allem freiwilliges Engagement vieler Einwohner hat diesen 4.Juli zu einem Erlebnis gemacht.
Schon am Morgen brannte die Sonne. Wir versuchten uns alle in Red-White-Blue zu kleiden und staffierten uns mit Stars-and-Stripes-Devotionalien aus.
Wir erwischten einen guten Platz im Schatten an DER Straßenkreuzung Hanovers, die Menschenmassen hatten Platz genommen. Und dann ging es los. Ich überlasse euch den folgenden Bildern und kommentiere nicht weiter -- genießt es einfach.
Da hat sich wirklich die ganze Stadt in Szene gesetzt und nebenher haben wir erfahren, dass der Hanover Coop, also der Zusammenschluss von Konsumenten zu einer Lebensmittelkooperative, der älteste der ganzen USA ist! Nach der Parade stürmten alle das Fress-Zelt und wir den Luftballonstand.
Ich brauche nicht zu sagen, dass es keiner der drei Ballons bis nach Hause geschafft hat. Zwei schafften die Flucht, nachdem einer von Mattis zu Tode umarmt wurde. Die selbstgemachte Eiscreme mit Eis aus dem Occom-Pond, die unter Lebensgefahr dort im Winter herausgeholt worden war, schmeckte hervorragend. Lotti und Moritz ließen sich auch von unten kühlen.
So gestärkt gingen wir hinüber zum "Race against the Bells". Alle Veranstaltungen fanden mächtig gedrängt statt, denn am Tag zuvor war alles wegen Sturmgefahr abgesagt worden. Die Kinder reihten sich ein, im Rennen gegen die Glocken, die einmal "Happy Birthday" spielten und dann zwölf Mal schlugen.
Es war wirklich brütend heiß und die Stadt leerte sich zusehends. Aber wir wollten durchhalten, denn Charlotte wollte am frühen Nachmittag noch in einem kleinen Chor traditionelle amerikanische Volkslieder aus ganz alten Zeiten singen. Also stapften wir noch zum Webster Cottage, dem kleinen Haus, in dem Daniel Webster, seines Zeichens Dartmouth-Absolvent, Rechtsanwalt, Senator und Außenminister der USA als Student gelebt hat.
Von ihm selbst erfuhren wir viel über seine aufregende Lebensgeschichte, die ihn als Anwalt vor den Supreme Court im Dartmouth-Case führte und gewinnen ließ. Er ging drei Mal ins Rennen um die amerikanische Präsidentschaft -- die ersten beiden Male verlor er und schlug jeweils den Posten des Vizes aus, um dann zuzusehen, wie die gewählten Präsidenten im Amt starben und er wieder nicht Präsident wurde. Im dritten Wahkampf fiel er selbst vom Pferd und starb -- eine tragische, doch berühmte Gestalt der amerikanischen Geschichte!
Unsere amerikanische Geschichte spielte sich nun vor allem im Schatten ab. Kristin und Thomas hielten tapfer durch, verwahrten Luftballons, ließen sich bekrabbeln und waren geduldige Zuhörer.
Dann endlich Charlottes Auftritt vor wenig mehr Publikum als den anwesenden Eltern der kleinen Sänger. Sie trug ihre selbstgebastelte "Pig"-Mütze zu Ehren der Hanover-Maskottchen.
Die vier kleinen Lieder waren sehr unterhaltsam und lustig. Und es wurde immer heißer. Endlich daheim gabs Eis zum lecken und abkühlen und abends "Independence Dinner" -- ein großes Stück Rind vom Grill. Ein Tag wie fünf, so viel erlebt!

