Nach endlosen Wochen der Vorbereitung und Herbeisehnen konnten wir heute das Japanese Festival der 3. Klassen der Ray School begehen. Nach den traurigen Ereignissen der letzten Wochen stand das Fest natürlich ganz im Zeichen von Hilfe und Unterstützung für die Erdbeben- und Tsunami-Opfer. Mit einem Kuchenbasar wurde Geld gesammelt und viele Leute gaben Geld in bereitstehende Sammelbüchsen. Die Kinder widmeten ihr Fest schließlich den japanischen Kindern.
Zu Beginn gab es eine Aufführung im Musiksaal mit Liedern in japanischer Sprache. Alle Kinder waren in Kimonos oder Karate-Anzügen oder was immer Fernöstliches sie gefunden hatten. Mit großem Ernst formten sie die fremden Laute in den Liedern und konzentrierten sich ganz auf die fremdartigen Melodien. Jede Klasse führte dann noch ein Lied mit Xylophon-Spiel vor, was vor den vielen Zuschauern und in der ganzen Aufregung wirklich schwer war.
Anschließend wurden die Stände geöffnet. Durch ein rotes Tor strömten die Eltern und Freunde zu den Projekt-Tischen. Und dort wurde alles präsentiert, wmomit sich die Kinder in den letzten Wochen intensiv beschäftigt hatten.
Sie haben Papier geschöpft und Daruma-Puppen gebastelt, die zu Neujahr als Glücksbringer aufgestellt werden, sie haben japanische Gedichte, Haikus in selbstgemachte Drachenbücher geschrieben. Sie haben mit Wasserfarben die berühmten "36 Ansichten des Fuji-jama" des japanischen Künstlers Hokusai kopiert, Lotti hat sich natürlich ein Bild mit Pferden ausgesucht.
Charlotte und ihre Freundin Annabelle hatten sich das Mädchen-Fest ausgesucht. Anfang März stellen die japanischen Familien zu Ehren ihrer Töchter kleine Puppen auf und stellen ihnen auch Speisen hin. Damit wünschen sie ihren Mädchen Gesundheit und Glück. Lotti und Annabelle erklärten ihren Standbesuchern das Fest und bastelten kleine Stabpuppen mit ihnen aus Holzstab und Papier.
Lottis Kimono zeigt übrigens Bilder der Tee-Zeremonie. Auch dazu gab es einen Stand, außerdem zu eigentlich allem, was über Japan zu wissen gibt (zumindest fällt mir nichts ein, was fehlte): Samuraikrieger, Kalligraphie und Fächerkunst, Kirigami, Origami und Ikebana-Blumenkunst.
Es gab Stände zu den Kampfkünsten und Tabletts mit japanischem Essen zum Kosten. Überall konnte man selber basteln oder malen oder kalligraphieren oder lesen. Die Kinder haben japanische Sen-Gärten angelegt und Drachen gebastelt.
Lotti hat Karten gezeichnet, die Städtenamen gelernt und im Unterricht über japanische Autos gesprochen. Sogar der Atombombenabwurf auf Hiroshima wurde angesprochen, aber nicht vertieft. Auf dem Fest gab es eine große selbstgebastelte Karte der japanischen Inseln zu sehen und sogar einen ausbrechenden Vulkan.
Ich muss sagen, ich selbst habe in den letzten Wochen viel Neues über Japan dazugelernt und es ist beeindruckend, wie sehr sich die Kinder in die Materie eingearbeitet und dabei so viele verschiedene Fähigkeiten erworben haben. Sie können nun sogar die erste Strophe der japanischen Nationalhymne auf Japanisch! Außerdem waren auch Japanerinnen, von denen es hier am Dartmouth-College einige gibt, zu Besuch und haben die Namen der Kinder in japanischen Schriftzeichen geschrieben und sich mit ihnen über die Höflichkeit und das Familienleben der Japaner unterhalten und auch über die vielen Hausheiligen und mythischen Gestalten.
Mit dem Japan-Fest geht eine sehr vielfältige und tiefgründige Lernperiode zu Ende, die den Kindern viel abgefordert hat. Am Ende standen viele mit roten Wangen immer noch aufgeregt und glücklich, aber auch sehr erleichert und verabschiedeten sich von ihrem Publikum: Sayonara.
Und hier natürlich noch eine Kostprobe der musikalischen Japan-Reise -- sehet und staunet:

