Als wir in Hanover angekommen sind, zog es mich gleich in den Book Store. Ich wurde Mitglied für 25 $ im Jahr, was mir einen Rabatt von 10 Prozent auf alle Artiel des Ladens gewährt. Micha hat noch rumgeflachst, dass ich ja gar keine englischen Bücher lesen würde und sich der Mitgliedsbeitrag nie rentieren würde. Das stimmte so nicht. Ich habe zwar bisher nur ein einziges Buch für mich gekauft, aber dafür die Kinderliteratur entdeckt. So gibt es eine tolle Reihe mit dem Namen "Classic starts". Darin sind Klassiker der Weltliteratur kindgerecht umgearbeitet und die Bücher mit Bildern und gutem Papier kosten nur 6 Dollar.
Die haben wir bisher auf allen Kindergeburtstagen von Charlotte verschenkt, denn sie sind bestens für Leseanfänger geeignet. Außerdem gibt es unheimlich viele Kinderbücher über amerikanische Geschichte, sogar schwere Kost wie die Zeit der Sklaverei wird in Bilderbüchern und Kinderromanen erklärt.
Dabei sind viele Geschichten sehr poetisch und mehrdeutig und auch für Erwachsene durchaus lesenswert. Die Bilderbücher sind ebenfalls eine Klasse für sich, so viele kunst- und liebevoll illustrierte Bände habe ich in Deutschland noch nicht gesehen. Bei der Riesenauswahl helfen Gütesiegel wie die "Newbery Medal" oder die "Caldecott Medal". Sie werden von der American Library Association vergeben, übrigens die größte und älteste Bibliothekenverbindung der Welt. Da kann man ziemlich sicher sein, dass jedes ausgezeichnete Buch etwas ganz Besonderes ist. Interessant ist auch, dass die Kinder durch Bilderbücher an das amerikanische Demokratieverständnis herangeführt werden. Es gibt Bücher über alle wichtigen amerikanischen Persönlichkeiten und zwar für jede Altersgruppe -- und alle sind sehr preiswert.
So lernen die Kids unterhaltsam etwas über Landesgeschichte. Es gibt ja auch schon Bilderbücher über Luther und bach, aber warum keine über Politiker? Wie wäre es mit Titeln wie "Angela, brave Mädchen kommen ins Kanzleramt" oder "Frank-Walter, man ist für nichts zu klein" ? Natürlich ist hier immer auch eine gehörige Portion Eigenlob dabei, woher soll sonst das Riesenselbstvertrauen der Amerikaner kommen? Man könnte es schon Propaganda nennen. Dabei sind vor allem amerikanische Politiker so von sich überzeugt, dass sie mal eben Kinderbücher über sich auf den Markt bringen. Zum Glück entscheiden meist die Eltern, was gekauft wird...
Achja, das Buch, das ich für mich gekauft habe heißt "Tuesday" und erzählt die Geschichte einer magischen Dienstagnacht, als sich die Seerosenblätter im Froschteich in die Luft erheben und die Frösche auf ihnen durch die Nacht und in eine kleine Stadt fliegen, wo sie Hunde erschrecken, Wäscheleinen verwirren und mit einer alten Dame Fernsehen schauen. Mittwoch morgen ist der Zauber vorbei, die Blätter fallen herab und die Frösche müssen zum Teich zurückhüpfen. Dafür sind am folgenden Dienstag die Schweine dran... Ist allerdings ein Bilderbuch, bin ja schon immer ein visueller Typ gewesen.

