Nach dem, was man aus Deutschland so hört, hat die Schweinegrippe-Hysterie dort amerikanische Ausmaße angenommen. Hier gehört es ja zum Standard, in öffentlichen Toiletten durch Waschanleitungen schikaniert zu werden.
Und natürlich wird auch die Schweingerippe sehr ernst genommen. Das College hat einen Seuchenschutzbeauftragten ernannt, der täglich die Mitarbeiter und Studenten per E-Mail benachrichtigt, wieviele Mitglieder der Dartmouth-Family erkrankt sind. Allerdings ließ sich schon nach wenigen Wochen nicht mehr abschätzen, wer nun Schweinegrippe hat und wer einfach nur "Flu-like-Symptoms" aufweist. Die Mitarbeiter wurden gebeten, nicht mehr zum Betriebsarzt zum Impfen zu gehen, denn dort hätten Studenten quasi Zeltlager aufgeschlagen. Mundschutze gibt es geschenkt. Der Propaganda-Apparat arbeitet und seither tragen viele kleine Anhänger, dass sie geimpft worden sind und das Personal im Krankenhaus weist darauf hin, wie sehr ihnen unsere Gesundheit am Herzen liegt und dass sie daher alle geimpft seien.
Seit Oktober wird geimpft. Doch das läuft relativ chaotisch ab. Mir als werdender Mutter wurde nahegelegt, mich und meine Familie impfen zu lassen. Da hieß es noch, ich solle alle demnächst mitbringen, sie würden das gleich machen. Das ging wenige Tage später nicht mehr, da wurde der Impfstoff schon knapp und man sagte mir, ich solle am besten heute vorbeikommen, wenn ich noch was abbekommen möchte. Habe ich dann aber -- ich bin also geimpft und geschützt. Eine Woche später wurde Moritz ohne Probleme geimpft -- und zwar per Nasenspray. Ein Anruf am nächsten Tag ergab, dass Charlotte nicht geimpft würde, denn es würden ab jetzt nur noch chronisch kranke Kinder geimpft. Seither steht sie auf einer Warteliste -- seit nunmehr 3 Wochen.
Nun hat Charlottes Schule die Initiative ergriffen. Weil hier jede Schule eine Krankenschwester beschäftigt, kann auch geimpft werden. Man hat beim Gesundheitsministerium Impfdosen beantragt mit dem Hinweis, dass es sich um die größte Grundschule in der Gegend handele und ein Ausbruch hier die Grippe im ganzen Valley verbreiten würde. Nur Micha ist völlig gelassen. Er wird sich wohl nicht impfen lassen, denn er hat kaum Kontakt zu anderen Menschen und er meint, er hatte die Schweinegrippe schon als er im April aus Hawaii zurückgekommen ist. Und die wurde durchgestanden, schwer bejammert und war nach drei Tagen vorbei.

