Am 10. Juni 2010 standen einige Jungen und Mädchen morgens auf, um ins Jahr 1776 zu reisen und dort ihr Tagewerk zu verrichten. Sie wussten, dieser Tag würde voller Pflichten, aber auch voller Spaß sein. Zuerst musste das Holzhaus ausgefegt und ein Feuer entzündet werden. Dann verteilten sich die Kinder. Obwohl es bedeckt und kühl war, setzten sie sich draußen auf eine Quiltdecke und begannen, Steckenpferde aus Socken zu nähen.
Charlotte hatte dazu ein paar der "heißgeliebten" Tennissocken ihres Vaters mitgebracht.
Die Rohlinge für die Steckenpferde hatten die Kinder schon vorbereitet: die Mähnen aus Wolle waren angenäht, aber Ohren und Knopfaugen fehlten noch. Die Mädchen hatten ihre Hauben und Schürzen selbst gefertigt und passten auf, dass sie nicht fleckig wurden, obwohl es ganz schön matschig war. Und es gab auch schmutzige Arbeit zu tun: ein Schmied zeigte ihnen, wie man Haken schmiedet.
Okay, Jeans und Schutzbrillen gab es damals noch nicht, aber das Feuer brannte schon genauso heiß! Heiß war auch das Wachs, aus dem Charlotte ihre eigene Kerze zog.
Da hatte sich Lotti auch ihren Anorak übergezogen, um sich aufzuwärmen. Leider kam die Sonne nicht ein einziges Mal raus, aber dafür regnete es wenigstens nicht durch. Die Kinder hatten übrigens die Namen einiger alter Siedlerfamilien aus Hanover erhalten: Charlotte hieß Harriet Smith, dann gab es noch die Familien Webster und Wheelock. In der "Dame School" wurden die Kinder von zwei "alten Jungfern" unterrichtet.
Sie mussten wiederholen, was ihnen vorgesagt wurde und sangen fromme Lieder. Sie hatten auch verschiedene Tänze gelernt -- die wurden auf dem Tanzboden in der Hütte vorgeführt, wie der "Sweets of May".
Dann hatten alle großen Hunger und setzten sich zu Tisch. Am Tag vorher hatten alle Gemüse geschnippelt, das heute in einem großen Topf als Suppe über dem Feuer blubberte. Allerdings schmeckte das vielen der neuzeitlichen Spaghetti-Kinder nicht so sehr, obwohl die Suppe in ihren selbstgemachten Tonschüsseln serviert wurde. Auch Lotti knusperte lieber am selbstgebackenen Maisbrot.
Tatsächlich gab es kaum etwas, was die Kinder nicht selbstgemacht hatten. Sie kennen sich jetzt im Leben der alten Siedler von Hanover ziemlich gut aus. Dann ging es wieder raus an die Luft, zum Spielen. Die neuen Steckenpferde waren schon ganz wild darauf, ausgeritten zu werden und man spielte zünftig "Briten gegen Amerikaner".
Dann durften die Pferde und Reiter ausruhen.
Die Kinder mussten wieder an die Arbeit: nun wurden Strohbesen geknüpft. Der wird hier sehr nützlich sein, um die Körner von der Vortreppe zu fegen, die die Eichhörnchen immer aus dem Futterhäuschen rausschmeißen.
Die Kinder hatten auch Schachbretter und Damefiguren hergestellt, Kerzen-Lampen aus Kupfer gehämmert und Landkarten der dreizehn Kolonien an der Ostküste Amerikas gezeichnet. Die damalige Flagge hatte nur dreizehn Sterne.
Aber dann wurde nochmal gespielt: Fange, Stiefel werfen und einen Apfel aus einem Wasserbecken herausfischen, aber nur mit den Zähnen (das kannte ich schon vom Kindergeburtstag damals, kam gleich nach Würstchen schnappen und Schokolade schneiden).
Am Abend saß eine müde Lotti im Wohnzimmer und konnte sich an ihren Schätzen kaum sattsehen. Soviel hatte sie in den letzten Wochen geschafft und gelernt -- dieser Tag war zweifellos der Höhepunkt des ganzen Schuljahres.

