Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Die Wirtschaftskrise geht an einem privaten College, das von Studiengebühren, Stiftungsvermögen und Spenden lebt, natürlich nicht spurlos vorüber. Man munkelt, dass die Einnahmen aus Stiftungsvermögen in diesem Jahr so um die 50 Millionen Dollar niedriger als sonst. Ja, reibt euch nur die Augen -- 50 Millionen hat die Uni Halle mit 20.000 Studenten im Jahr nicht zur Verfügung, und hier sind es wohl 50 Millionen w e n i g e r. Jedenfalls summieren sich die Ausfälle und das College ist gezwungen zu sparen. Sparen kennen wir in Deutschland ja auch, aber hier -- ohne Gewerkschaften -- geht das anders.

/pics/CollegekriseHaupthausDec10.jpg

Mit "Save the Dartmouth Experience"-Plakaten wurde dagegen protestiert.

Aber dann wurden doch viele Reinigungskräfte entlassen. Die Mülleimer werden in größeren Abständen geleert oder es gibt kaum noch welche -- was als ökologischer Durchbruch verkauft wird. Kreativ. Sekretärinnen, Techniker, Hausmeister verloren ihre Jobs. Auch Immobilien wurden verkauft oder unter fremdes Management gestellt, so zum Beispiel das Hanover Inn. Das einzige größere Hotel am Ort gehörte zum College und konnte so schon kaum die vielen Konferenzteilnehmer, Vortragende und andere Gäste beherbergen. Nun wird es von einer Firma gemanagt, u.a. haben die erstmal das komplette Stammpersonal entlassen, um es dann für geringeren Lohn wieder einzustellen.

Wir haben unter alldem bisher wenig zu leiden. Im Gegenteil, um die Mieter der college-eigenen Immobilien zu unterstützen (oder zu halten, wer weiss), wurde die diesjährige Mieterhöhung ausgesetzt. Nun aber bekommen auch wir die Sparzwänge zu spüren. In den letzten Monaten wurde college-weit darüber nachgedacht, wie man die bisher beispielhafte, aber teure Krankenversicherung der Mitarbeiter beschneiden könnte. Bisher leistete das College einen vergleichsweise hohen Beitrag zur Versicherung, das wird sich nun ändern.

/pics/CollegekriseDMLogoDec10.jpg

Ab Januar müssen wir uns an allen Arztrechnungen mit 10-15% beteiligen, bis zu einem Betrag von etwa 3000 Dollar im Jahr. Dazu kommen natürlich noch die normalen Praxisgebühren und Medikamentenkosten. Bei einer Familie geht das schnell und wird echt teuer. Der Prozess, der zur gemeinschaftlichen Selbstopferung der Krankenversicherung zum Wohle des Colleges geführt hat, war an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Am Ende zahlt das College weniger und alle anderen mehr -- natürlich gestaffelt: je weniger Gehalt umso mehr Versicherungsbeitrag.

Wenn das vor zwei Jahren schon so gewesen wäre, dann hätte es wenig einladend gewirkt. Die gute Absicherung der Angestellten war ein wesentlicher Grund nach Dartmouth zu gehen. Vorbei. Der Fairness halber muss man jedoch sagen, dass das College auch mit der "neuen" Versicherung immer noch ganz gut da steht -- für amerikanische Verhältnisse. Sozusagen der Einäugige unter den Blinden.

Ich habe jetzt schnell noch die Check-Up-Termine der Kinder vom Januar auf den 30. Dezember legen lassen und wir hoffen mal, dass wir den Winter hier ohne weitere Arztbesuche überstehen. Hauptsache, es rutscht keiner aus und bricht sich ein Bein...

[]
Für Kommentare hier entlang. Alternativ freuen wir uns über Eure Kommentare an blog@voxindeserto.de.
blog comments powered by Disqus