Neben einer Stelle zum Schlafen ist das wohl wichtigste Utensil ein Auto, denn schon der nächste Baumarkt ist eine Viertelstunde Fahrt entfernt. Meine Bemühungen, den amerikanischen Automarkt und seine Eigenarten (VIN, Carfax, Cash for Clunker, MPG) zu verstehen, hatten zur Folge, dass fast eine ganze Woche mehr oder minder sinnlos verpufft ist. Es dauert keine 20 Minuten bis man sich sehnlichst die 6 Monate Gewährleistung zurückwünscht - gesegnet sei die EU!
Auf der Suche nach einem bezahlbaren Auto wird schnell klar, dass alles 'importierte' kaum bezahlbar ist. Da wir auch in Deutschland unter den sechs vorherigen nie ein deutsches Auto hatten, fiel es nicht schwer, die Preise dafür zu ignorieren. Jedoch sahen zum Beispiel Japaner im 'Alter' immer deutlich besser aus, als ihre amerikanischen Kollegen. Unabhängig von ihrer ursprünglichen Farbe streben diese, so mit 6-7 Jahren, immer mehr der Farbe braun zu -- und drunter schaut man besser gar nicht.
Durch beständiges Forschen fand ich schließlich auf craigslist.com einige vielversprechende Kandidaten, alles wahre Amis. Bewaffnet mit Yarik und seiner langjährigen Erfahrung, kam ich dann in den Genuss der Lebengeschichte einer Vielzahl von Gebrauchtwagenhändlern (teils in ihren Garagen), die aus irgendeinem Grund von der Idee besessen waren, mein Vertrauen zu gewinnen, wenn sie mir die Geschichte der 'Menschen hinter dem Auto' erzählten.
Nach zwei weiteren Tagen voller Probefahrten wurden wir dann ca 1.5 Autostunden von Hanover fündig: ein Dodge -- immaculate!
Das Ding heisst Grand Caravan. Das bezieht sich auf die Anzahl der Dosenhalter, gefühlte 40 Stück. Es war nicht rauszufinden, wieviel PS das Teil hat, aber es hat mehr Hubraum als alle meine vorherigen sechs Autos zusammen. Jedenfalls beschleunigt es die geschätzten 4 Tonnen Stahl ziemlich flott und man kann dabei den Strudel im Tank (knappe 100 Liter gehen rein) formlich hören.
Jedenfalls hat das Auto mit jetzt 77000 Meilen noch ein bisschen vor sich und wird uns hoffentlich einiges von diesem Land zeigen. Morgen bekommt es aber erstmal ein neues Radlager. Das Geräusch war auf dem Highway einfach nicht zu ignorieren. Wie so oft ist es wieder einmal Yarik (der einzige neurowissenschaftliche Informatik-Automechaniker), der uns aus der Patsche hilft.
Überhaupt sind die Leute hier unglaublich grosszügig, wir bekommen soviele Sachen geliehen oder geschenkt oder angeboten (Kindersitze, Treppengitter, Knoblauchpressen...), dass wir wohl bald eine Party geben müssen, um uns richtig zu bedanken.
Michael

