Mein unnachahmlicher Kollege A.H. hatte uns vor der Reise nach Island mit zahlreichen Tipps versorgt. Einer davon: per Auto den Golden Circle entlang zu fahren. Auf dieser Tagesreise fährt man die allerberühmtesten Sehenswüridgkeiten Islands locker ab. Da ich immer auf A.H. höre, holte Micha morgens das Auto und los gings.
Schon nach kurzer Zeit kamen wir zu heißen Quellen. Oft sieht man zuerst die dicken Rohre, in denen das warme Wasser irgendwohin fließt. Dann steigt Dampf auf und von nahem sehen die Teiche verwunschen aus.
Das Wetter war wechselhaft und ich meine es, wie ich es hier aufschreibe. Sonne und Regen wechselten im Minutentakt. Hier ein Vulkanrest in der Sonne, die Lava erkaltete zu schwarzen Tuffsteinbrocken. Sie sind ganz leicht und löchrig.
Die erste Station auf dem Goldenen Kreis war Gullfoss.
Der "Goldene Fall" rauscht über mehrere Kaskaden herab und verschwindet in einer schmalen Schlucht. Das Wasser rauscht ohrenbetäubend laut und ohne Regenjacke sollte man gar nicht hinuntergehen. Auf den Felsvorsprung nahe am Fall sind wir nicht gegangen, Mattis ist zu verliebt in Wasser.
Micha war auch glücklich. Nicht erst seit den Horseshoe Falls liebt er Wasserfälle. Weiter ging die Fahrt durch diese irre Mondlanschaft. Viele Straßen sind nur Schotterpisten -- daher zählen sie beim Autoverleih jedes Lackloch ganz genau.
An der nächsten Station hatte sich der Regen wieder verzogen. Trotzdem sind wir erstmal Mittagessen und dann hinüber zu den Geysiren gegangen. Es ist wirklich prima, dass Parken und Eintritte immer frei sind. Die Shops und Restaurants sind dafür recht teuer. Schon bevor man die Geysire sehen kann, riecht man sie und sieht die Erde brodeln.
Über bunte Erde geht man zum eigentlichen Geysir, der aber langsam einschläft und nur noch unregelmäßig ausbricht.
Überall dampft und blubbert es. Das Wasser ist bis zu 100 Grad heiß und Warnschilder weisen darauf hin. Immer wenn die Geysire ausbrechen, wird es feucht.
Der Strokkur, nicht weit weg vom Geysir, bricht alle paar Minuten aus. Am Rande der Absperrung stehen die Kamerleute und warten auf die Wasserfontäne. Während ich Mattis davon abgehalten habe, wie ein kleines Ei gekocht zu werden, hat Micha natürlich die besten Fotos geschossen.
Alle Wege sind matschig und nass. Mattis hatte auch hier keine Angst und musste ständig bewacht werden.
Man kann eine kleinere und eine große Runde gehen. Die Große führt noch auf einem Wanderweg zu einem dritten großen Geysir. Das haben wir uns wegen der unsicheren Wetterlage und aus Zeitmangel gespart. Zum Glück, denn so wurden wir noch auf einen Goldschatz hingewiesen -- am Fuße des Regenbogens und nahe eines Elfenhügels.
Kein Wunder, dfass man in dieser Umgebung an Feen und Trolle glaubt -- wie übrigens fast die Hälfte aller Isländer.
Weiter ging es auf dem Goldenen Kreis in Richtung Pingvellir -- dem wahrscheinlich ältesten Parlamentsplatz der Welt.
Vor der gigantischen Mauer des Mittelatlantischen Rückens, da wo eurasische und nordamerikanische Kontinentalplatte zusammenstoßen und Vulkane und Erdbeben entstehen -- vor dieser Kulisse hielten die isländischen Clans schon seit etwa 700 v.C. ihre jährlichen Ratsversammlungen ab.
Da sie keine Schrift hatten, wurden alle Gesetze und gefassten Beschlüsse vorgetragen. Erst als christliche Missionare Island aufsuchten, kam die Schrift. In Pingvellir fassten die Isländer auch den schicksalhaften Entschluss, nahezu geschlossen zum Christentum zu konvertieren. Sie garantierten jedoch den Anhängern der alten Kulte Straffreiheit, wenn sie ihre Religion im Privaten ausübten. Direkt an der Kontinentalmauer campierten die Häuptlinge und Clan-Oberhäupter in Holzbuden, von denen man Reste gefunden hat.
Und auch hier hatten wir großes Glück, denn die Sonne schien solange wir zu Fuß unterwegs waren. Vom Gesetzesfelsen aus schaut man in ein wunderschönes Tal mit kleinen Wasserläufen und grünen Wiesen -- man stelle sich vor, das sah schon vor 1000 Jahren so aus!
Und überall Wasser, Wasser, Wasser.
Und grün, grün, grün.
Dann schlossen sich langsam die Kreise: der Tag ging zu Ende und wir fuhren heimwärts. Am Morgen hatte keiner von uns daran gedacht, einen mp3-Player für die Kinder mitzunehmen. Das bereuten wir nun bitter. Natürlich wäre es schöner, sie würden den ganzen Tag aus dem Fenster auf die Lava-Felder und Vulkankegel schauen und fragen und denken --- aber so ein Kinderhirn braucht eben auch Abwechslung und die fehlte jetzt. Zum Glück waren wir dann bald daheim, wo das Theater vom Vorabend weiterging: Mattis wollte nicht in seinem Reisebettchen schlafen, die Kinder waren noch zu wach in amerikanischer Zeit und Micha und ich waren einfach fertig von allem und vor allem von den wunderbaren Eindrücken des heutigen Tages.

