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Stimmen aus der Wildnis

Der Goldene Kreis

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Mi, 31 Aug 2011

Mein unnachahmlicher Kollege A.H. hatte uns vor der Reise nach Island mit zahlreichen Tipps versorgt. Einer davon: per Auto den Golden Circle entlang zu fahren. Auf dieser Tagesreise fährt man die allerberühmtesten Sehenswüridgkeiten Islands locker ab. Da ich immer auf A.H. höre, holte Micha morgens das Auto und los gings.

Schon nach kurzer Zeit kamen wir zu heißen Quellen. Oft sieht man zuerst die dicken Rohre, in denen das warme Wasser irgendwohin fließt. Dann steigt Dampf auf und von nahem sehen die Teiche verwunschen aus.

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Das Wetter war wechselhaft und ich meine es, wie ich es hier aufschreibe. Sonne und Regen wechselten im Minutentakt. Hier ein Vulkanrest in der Sonne, die Lava erkaltete zu schwarzen Tuffsteinbrocken. Sie sind ganz leicht und löchrig.

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Die erste Station auf dem Goldenen Kreis war Gullfoss.

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Der "Goldene Fall" rauscht über mehrere Kaskaden herab und verschwindet in einer schmalen Schlucht. Das Wasser rauscht ohrenbetäubend laut und ohne Regenjacke sollte man gar nicht hinuntergehen. Auf den Felsvorsprung nahe am Fall sind wir nicht gegangen, Mattis ist zu verliebt in Wasser.

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Micha war auch glücklich. Nicht erst seit den Horseshoe Falls liebt er Wasserfälle. Weiter ging die Fahrt durch diese irre Mondlanschaft. Viele Straßen sind nur Schotterpisten -- daher zählen sie beim Autoverleih jedes Lackloch ganz genau.

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An der nächsten Station hatte sich der Regen wieder verzogen. Trotzdem sind wir erstmal Mittagessen und dann hinüber zu den Geysiren gegangen. Es ist wirklich prima, dass Parken und Eintritte immer frei sind. Die Shops und Restaurants sind dafür recht teuer. Schon bevor man die Geysire sehen kann, riecht man sie und sieht die Erde brodeln.

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Über bunte Erde geht man zum eigentlichen Geysir, der aber langsam einschläft und nur noch unregelmäßig ausbricht.

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Überall dampft und blubbert es. Das Wasser ist bis zu 100 Grad heiß und Warnschilder weisen darauf hin. Immer wenn die Geysire ausbrechen, wird es feucht.

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Der Strokkur, nicht weit weg vom Geysir, bricht alle paar Minuten aus. Am Rande der Absperrung stehen die Kamerleute und warten auf die Wasserfontäne. Während ich Mattis davon abgehalten habe, wie ein kleines Ei gekocht zu werden, hat Micha natürlich die besten Fotos geschossen.

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Alle Wege sind matschig und nass. Mattis hatte auch hier keine Angst und musste ständig bewacht werden.

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Man kann eine kleinere und eine große Runde gehen. Die Große führt noch auf einem Wanderweg zu einem dritten großen Geysir. Das haben wir uns wegen der unsicheren Wetterlage und aus Zeitmangel gespart. Zum Glück, denn so wurden wir noch auf einen Goldschatz hingewiesen -- am Fuße des Regenbogens und nahe eines Elfenhügels.

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Kein Wunder, dfass man in dieser Umgebung an Feen und Trolle glaubt -- wie übrigens fast die Hälfte aller Isländer.

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Weiter ging es auf dem Goldenen Kreis in Richtung Pingvellir -- dem wahrscheinlich ältesten Parlamentsplatz der Welt.

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Vor der gigantischen Mauer des Mittelatlantischen Rückens, da wo eurasische und nordamerikanische Kontinentalplatte zusammenstoßen und Vulkane und Erdbeben entstehen -- vor dieser Kulisse hielten die isländischen Clans schon seit etwa 700 v.C. ihre jährlichen Ratsversammlungen ab.

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Da sie keine Schrift hatten, wurden alle Gesetze und gefassten Beschlüsse vorgetragen. Erst als christliche Missionare Island aufsuchten, kam die Schrift. In Pingvellir fassten die Isländer auch den schicksalhaften Entschluss, nahezu geschlossen zum Christentum zu konvertieren. Sie garantierten jedoch den Anhängern der alten Kulte Straffreiheit, wenn sie ihre Religion im Privaten ausübten. Direkt an der Kontinentalmauer campierten die Häuptlinge und Clan-Oberhäupter in Holzbuden, von denen man Reste gefunden hat.

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Und auch hier hatten wir großes Glück, denn die Sonne schien solange wir zu Fuß unterwegs waren. Vom Gesetzesfelsen aus schaut man in ein wunderschönes Tal mit kleinen Wasserläufen und grünen Wiesen -- man stelle sich vor, das sah schon vor 1000 Jahren so aus!

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Und überall Wasser, Wasser, Wasser.

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Und grün, grün, grün.

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Dann schlossen sich langsam die Kreise: der Tag ging zu Ende und wir fuhren heimwärts. Am Morgen hatte keiner von uns daran gedacht, einen mp3-Player für die Kinder mitzunehmen. Das bereuten wir nun bitter. Natürlich wäre es schöner, sie würden den ganzen Tag aus dem Fenster auf die Lava-Felder und Vulkankegel schauen und fragen und denken --- aber so ein Kinderhirn braucht eben auch Abwechslung und die fehlte jetzt. Zum Glück waren wir dann bald daheim, wo das Theater vom Vorabend weiterging: Mattis wollte nicht in seinem Reisebettchen schlafen, die Kinder waren noch zu wach in amerikanischer Zeit und Micha und ich waren einfach fertig von allem und vor allem von den wunderbaren Eindrücken des heutigen Tages.

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Island

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Sa, 20 Aug 2011

Multitasking heißt das Zauberwort, Rückkehr nach Deutschland über Urlaub in Island, zwei Jahre Amerika und drittes Kind bekommen, das dann bei Heimkehr kita-fähig ist -- und selbst im Kleinen sind wir die Meister der Effizienz: auf der Reise von Hanover zum Flughafen in Boston haben wir gleich noch einen von Moritz' sehnlichsten Wünschen erfüllt: wir sind mit dem Dartmouth Coach gefahren. Der nahezu stündliche Bus von Hanover nach Boston oder New York ist so oft an uns vorbeigefahren und nun saßen wir drin.

Als an den großen Fenstern die nun so vertrauten Häuser und Wälder vorbeiflogen, war uns schon traurig zumute: zum letzten Mal am Green vorbei, am Gym, am Coop... wer weiß, wann wir wiederkommen? Nach zweieinhalb Stunden kamen wir auf dem Flughafen Boston an und konnten ohne Probleme einchecken. Der Flug mit Iceland Air war wirklich gut, stressig, weil Mattis nicht schlafen wollte, aber sehr komfortabel. Sehr spät in der Nacht kamen wir an mit allen Koffern. Die Kinder waren noch so wach, dass sie nicht quengelten - und dann kam der große Schreck: Mattis war weg. Er hatte sich mal wieder selbständig gemacht und war schon bis fast zur Passkontrolle vorgedrungen, als wir noch auf seinen Kinderwagen warteten. Da waren meine Nerven endgültig hinüber, ich wollte nur noch ins Bett.

Im Gasthaus angekommen, bezogen wir unser kleines Zimmer, Dusche und Klo eine Treppe tiefer, dafür billig. Im Sommer kommen so viele Touristen nach Island, dass die Übernachtungspreise horrend sind. Dafür gabs ein okayes Frühstück und wir wollten ja sowieso tagsüber unterwegs sein.

Den ersten Tag ging das erstmal kaum: wir hätten fast das Frühstück verpennt, es regnete und alle waren knautschig. Mit ein paar Wikingergeschichten aus dem Schatz unserer guten humanistischen Bildung konnten wir die Kinder zu einem Spaziergang ans Meer überreden und das rauschte richtig wikingermäßig.

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Mattis war sehr wehleidig und wollte alles und nichts. Moritz und Lotti zeigten sich interessiert und überrascht, dass sie mit ihrer so begeistert erworbenen Lesekompetenz hier überhaupt nicht weiterkamen.

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Kevlavik, der Ort am Flughafen, wo wir wohnten, ist nicht besonders aufregend. Dafür fahren die Busse kostenlos und so machten wir eine kleine Stadtrundfahrt und sobald die kleinen Beine nicht mehr laufen musste, war Energie für Faxen da.

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Immer noch im Regen kamen wir in einen Supermarkt. Für trockenen Fisch oder sonst eine landestypische Spezialität fühlten wir uns noch zu schwach. Also nahmen wir ein Brathähnchen mit und ließen es uns in der Gemeinschaftsküche schmecken.

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Dann zogen wir uns wieder in unser Zimmerchen zurück und probierten die Fernsehprogramme durch. Obwohl es später wurde, war keiner richtig müde, nur erschöpft und der Jetlag machte uns allen zu schaffen.

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Am nächsten Tag hatten wir das Auto, da sollte es besser werden.

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Auf vielfachen Wunsch der Kinder sind wir an unserem letzten Abend in Hanover nochmal zu Molly's gegangen. Da hatten wir oft gut und viel gegessen und so sollte es auch diesmal sein. Molly's ist bis über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für seinen $2 Margarita -- davon hatten wir auch einige. Jeder durfte nochmal sein Lieblingsgericht bestellen. Für die beiden großen Kinder war das natürlich Pizza. Der Kleine hat aber eine Vorliebe für Süßkartoffel-Fritten mit Honig-Senf-Soße.

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Karo konnte nicht anders als nochmal den Lachs mit Erbsenschoten in Ahornsirup zu geniessen. Ich hatte das Vergnügen mit einem exzellenten Bistrosteak.

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Am Ende gaben wir uns den Rest mit einem Vanille-Brownie-Sundae mit literweise Hot Fudge.

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Gut gefüllt sind wir dann zurück in unser fast leeres Haus, schnell in's Bett, um die letzte Nacht im stillen Hanover nicht zu verpassen.

Am Morgen darauf sind wir um 9 Uhr in der Früh zum Bus, der uns nach Boston zum Flughafen brachte. Wir haben erfolgreich unsere 200 kg Gepäck aufgegeben und dann ging's nach Island. Moritz meinte dann: "Wir können eigentlich jederzeit nochmal zwei Jahre in Amerika bleiben."

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Di, 02 Aug 2011

Ohne der Chronologie der Ereignisse vorgreifen zu wollen: Wir sind wieder in Halle. Wie es genau zugegangen ist, liefern wir noch nach, wenn alle Kisten ausgepackt sind -- und die Bilder von Island natürlich auch.

Jetzt erstmal zurück zu den Koffern...

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