... so eine Art amerikanischer Volkstrauertag war heute. Tatsächlich waren die meisten Geschäfte geschlossen, auch die KiTa und die Schule waren zu, damit wir in aller Ruhe der Toten (Soldaten) aller Kriege gedenken konnten. Und davon haben die hier ja jede Menge.
Wir haben den Tag dazu genutzt, uns von einem Marathongrillen zu erholen, das die letzten beiden Tage quasi durchlief. Micha verlor dabei den Knopf seiner Hose und die anderen Jungs haben am zweiten Abend nur noch Bier getrunken, weil sie sich am ersten Abend wie die Teenager überschätzt hatten. Charlotte hat mit Eis, Schokolade und Marshmallows eine Überdosis Zucker abbekommen und Moritz hat es geschaffft, mehrere Stunden durchgängig Fußball zu spielen, weil sich immer irgendeiner bereit erklärt hat. Außerdem haben wir eine Investmentmaklerin aus NY kennengelernt, die Firmen und Länder bewertet (!) und einen Paläontogen, der Bass spielt. Achso und Horst Köhler ist heute zurückgetreten. Morgen ist hoffentlich wieder ein normaler Tag. Das wird auch mal wieder schön.
Ein Gewitter hat die Hitze weggewaschen. Die Sonne scheint und sticht nicht mehr und ein Waldwind riecht nach Meer. Ich habe Schätze aus der Bücherburg geholt und lese auf dem Green. Dann gehe ich diagonal über die Kreuzung nach Hause, denn alle Ampeln zeigen hier gleichzeitig "weiß". Der Dienstwagen eines Schädlingsbekämpfers fährt vorbei. Nummernschild: DeadAnt.
Seit Tagen ist es hier sehr heiß. Glücklicherweise ist unser Holzhaus dank ausgeklügelter Lüftungstaktik trotzdem noch schön kühl. Ich lüfte nämlich nachts, wenn ich Mattis stille. Obwohl der Gute jetzt acht Stunden schläft und ich ihn nur mal so umgewöhnen müsste, dass er von 9 bis 5 ruht. Werde ich jetzt auch angehen, wo Micha wieder da ist. Trotzdem es hier also kühl ist, kann man ja nicht die ganze Zeit im Haus sitzen. Und so gehen wir ca. 200 Meter weit und sind mitten im Wald.
Unterm grünen Blätterdach ist es erstaunlich angenehm. Und so sind wir Mamas mit unserer achtköpfigen Kinderschar durch den Pines Park gewandert. Obwohl das Bächlein leider trocken war, hatten wir viel Spaß. Elise weiß so viele Reime und Lieder, da tanzten die Kids durch den Wald.
Es ist hier so grün, dass es eine Wohltat für die Augen ist. Man kann sich sozusagen sattsehen. Durch die Bäume glitzerte der Connecticut River so schön, dass wir uns gleich mal die Füße erfrischt haben. Das Wasser ist eiskalt.
Und da wo im Herbst noch überall unbekannte amerikanische Pilze sprossen, kletterte Moritz jetzt auf umgekippten Baumstämmen herum.
Nach zwei Stunden kamen wir wieder in die Sonne und waren total kaputt. Nächstes Mal werde ich Mattis auch ins Tragetuch nehmen, der Wagen wurde immer schwerer an den teils steilen Hängen. Aber auf jeden Fall ist es eine echte Alternative zum sonnenverbrannten Spielplatz.
Moritz und seine Wollie-Bären beschäftigen sich zur Zeit ganz viel mit Märchen, Rittern und Burgen. Dabei ist Moritz ganz entscheidend im Vorteil, weil er schon mal auf einer echten Burg war. Wenn wir erzählen würden, auf wievielen Burger er war, würden die Kinder hier neidisch werden. Die haben hier nur noch ein paar Festungen aus dem Unabhängigkeitskrieg, also maximal 300 Jahre alt und Papierschlösser.
Und Moritz hat ja sogar seine eigene Burg! Das wollte man hier kaum glauben. Dank Internet haben sich die Kinder aber jetzt alle Hallenser Burgen -- immerhin die älteste und die jüngste an der Saale -- angeschaut und sogar im Gruppenraum aufgehängt. Da war jemand mächtig stolz!
Letzte Woche haben Moritz und ich den Kinder vom Aschenputtel erzählt. Natürlich kannten sie alle die Geschichte von Cinderella, aber Moritz hatte da gleich angemerkt, dass er das Märchen anders kennt. Also haben wir von den Brüdern Grimm und das Märchen in Englisch erzählt. Moritz hat dabei die Märchenreime auf Deutsch und ich habe sie auf Englisch aufgesagt. Danach haben die Kinder über die Unterschiede gesprochen. Selbstverständlich haben wir auch den abgeschnittenen Zeh und die Ferse nicht verschwiegen, obwohl ich bei den Disney-verseuchten Amis nicht so sicher war, wie sie das verkraften würden. Lustigerweise haben die Kinder über den goldenen Schuh statt dem gläsernen gesprochen, über die Tauben statt einer Fee und über die Reime, aber keinem war es wirklich wichtig, dass die bösen Schwestern bedeutende Teile ihrer Füße eingebüßt hatten. Gestern schließlich war Märchen-Snack und es rannten große und kleine Prinzessinnen und Feen durch die KiTa.
Nur Moritz war wieder zu etepetete, um sich zu verkleiden.
Dafür hatte ich aber eine wunderschöne Prinzessin mitgebracht und wir haben gemeinsam die Hefekringel und den Blueberry-Pie genossen, den die Kinder selbst gebacken hatten.
Und der König ist sicher gelandet: Micha ist wieder zurück auf dem Schlösserland Italien, schwärmt von Salami und ist hundemüde.
Die Saison ist sozusagen eröffnet und jedes Wochenende gibt es irgendwo etwas zu erleben. Diesen Sonnabend gab es Fußball auf Sachem Field und Moritz hat sich schon die ganze Woche darauf gefreut. Das hat ihn etwas getröstet, denn sein Papa ist am Dienstag ja nach Italien zu Salami und Vino entfleucht. Schon die letzten Tage war herrlichstes Wetter und Sonnabend potenzierte es sich auf 30 Grad im Schatten. Trotzdem kamen geschätzte 100 Kinder zum Fußballfest.
Das Fest wurde von einem Fußballclub veranstaltet, der vor allem die kleineren Kinder für sich interessieren möchte. Es sollte zwei Stunden dauern, ausgerechnet in der Mittagshitze von 13 bis 15 Uhr. Die Trainer mussten viel Geduld haben und vor allem gut bei Stimme sein. Charlotte kam zur älteren Gruppe und machte die "Erwärmung" mit großer Begeisterung mit. Zumal sich auch noch ein paar Freundinnen aus der Schule einfanden.
Aber dann meldete sich ein Rückenleiden. Lotti ist vor einigen Tagen aus dem Hochbett gefallen. Sie muss schlaftrunken die Seiten verwechselt haben und ist dann über die Brüstung gestiegen und abgestürzt. Äußerlich hat sie sich nichts getan und glücklicherweise lag auch kein Spielzeug herum, auf das sie hätte stürzen können. Aber sie hat sich den Rücken geprellt und der tat ihr nun weh beim Hüpfen und Springen. Sie musste also zu uns auf die Bank. Dafür hat sie sich ganz lieb um Mattis gekümmert, der schon vom Herumliegen ganz schön ins Schwitzen kam.
Währenddessen war Moritz am Rennen und erkundete, wie so ein Fußballtraining abläuft.
Es waren kaum genug Bälle da, aber zum Glück traf er Andrew aus dem Kindergarten, der nicht nur über Knieschützer, sondern auch über einen eigenen Ball verfügte. Da zeigte Moritz all sein Können.
Er dribbelte, passte und schoß, zwei Stunden lang, bei 30 Grad nur unterbrochen von zwei Trinkpausen. Moritz war nicht zu bremsen und jetzt freut er sich noch mehr auf die beiden Wochen Training im Sommer, die ich für ihn gebucht habe.
Noch vier Wochen Schule, dann sind hier Sommerferien. Und zwar wahnsinnige neun Wochen lang. Zum Glück besuchen uns die Großeltern für zwei Wochen und wir werden ganz viel unternehmen und wegfahren und die Sonne genießen. Dann planen wir nochmal zwei Wochen Urlaub im August -- bleiben noch fünf Wochen zu füllen, fünf Wochen für eine schnell gelangweilte Lotti.
Da es hier keine Ferienspiele gibt, werden viele Kinder zu den Verwandten verschickt. Denn natürlich bekommt hier auch niemand so lange Urlaub vom Job. Oder es gibt die summercamps. Da gibt es einmal die Ferienlager, wo die Kinder hinfahren können. Und es gibt die residential summercamps, eine Art Ganztagsbetreuung. Museen, Kunstwerkstätten oder Sportclubs bieten summercamps an, allerdings ist das kein billiges Unternehmen. Fünf Tage von 9 bis 4 Uhr kosten da schnell mal 300 Dollar.
Aber unsere goldige Charlotte ist das natürlich alles wert und so haben wir erstmal einen Herzenswunsch erfüllt und eine Woche Reiten gebucht. Dann werden wir noch eine Woche was Sportliches suchen.
Moritz dagegen kann weiter in die KiTa gehen, aber der Gerechtigkeit wegen und weil es Zeit wird, haben wir für ihn zwei Fußballtrainingswochen gebucht -- jeweils zwei Stunden am Tag, um endlich mal zu sehen, ob er nicht nur rumkicken, sondern wirklich trainieren will. Und jetzt, wo Ballack nicht mitmachen kann, brauchen die vielleicht bald Ersatz. Tja und dann werden wir ausgiebig unsere Mitgliedschaft im Montshire Museum nutzen und eine Dauerkarte für den Storrs Pond, den hiesigen Badeteich, erwerben. Die Ferien können kommen!
Das ist Rekord, selbst für uns. Mattis ist jetzt also 62 cm groß und wiegt stattliche 6,15 kg.
Außerdem hat er heldenhaft die vielen Impfungen überstanden und nun harre ich des Fiebers, das hoffentlich ausbleibt. Wurde aber schon darauf aufmerksam gemacht, die Dosis der eventuell nötigen Medizin nach Gewicht und nicht nach Alter abzumessen. Denn Mattis ist groß und schwer für seine zwei Monate.
Micha ist abgeflogen und landet hoffentlich bald glücklich in Italien. Sein Flieger ging trotz Aschewarnung pünktlich los. In einer Woche ist er wieder bei uns, wird aber schon schmerzlich vermisst. Moritz: Warum kommt Papa nicht heute nacht wieder? -- Lotti: Ich wollte schon ein bißchen weinen, so sehr vermisse ich den Papa!
Die Sonne scheint, aber der Wind weht und zwar dolle! Gutes Wetter zum Drachensteigen und weil wir nicht zuviel Geld in die Luft gehen lassen wollten, wurden beim PriceChopper Drachen für zwei Dollar das Stück gekauft. Der "Fletcher Hill" ohne Bäume und nahezu ohne Stromleitungen wurde zum Drachenplatz auserkoren.
Leider war der Wind jedoch so unzuverlässig, dass wir viel herumrennen mussten. Das führte dazu, dass sich Charlottes Drache nach nur fünf Minuten unserer Kontrolle entzog, nicht ohne kräftige Mithilfe von Charlotte (Pass auf die Leitungen auf!! -- Wooo??).
Charlottes Motiv habt ihr nun gesehen. Moritz entschied sich wider Erwarten gegen Piratenflagge oder Superheld -- nein, ein Spaceshuttle musste es sein, das allerdings erstmal am Boden blieb.
Charlotte durfte dann Davids Drachen lenken -- der hatte Geburtstag und von uns einen Flaggendrachen geschenkt bekommen.
Sich selbst hatte David ein tolles Instrument gebaut: eine Zigarrenbox-Gitarre wie sie vor etwa 120 Jahren in den Südstaaten der USA unter den armen Schwarzen verbreitet war. Er hat sogar ganz traditionell eine Türangel als Saitenhalter und Rohrabschlüsse als "Lautsprecher" eingebaut. Das Instrument hat nur drei Saiten und hört sich an wie eine indische Sitar.
Für Yariks Töchter gab es dagegen einen Hündchen-Drachen und Alisa gab sich alle Mühe.
Aber erst Papa Yarik brachte das Ding dann zum Fliegen.
Mattis konnte da bloß staunen...
Ein schöner Nachmittag mit BBQ und Drachensteigen ging zu Ende. Zu erwähnen wäre noch das wunderbare Licht: fast herbstlich golden, eine Verheißung für eine Schönwetterwoche? Vielleicht sogar mit Micha. Der wollte eigentlich am Dienstag nach Italien fliegen, aber nun dräut die Aschewolke...
Als wir Mattis heute morgen baden wollten, bekamen wir alle einen großen Schreck. Er war schon die Nacht vorher sehr unruhig und weinerlich gewesen und Charlotte hatte nun den Grund gefunden: ein Haar hatte sich dermaßen eng um Mattis linken Zeige-Zeh gewickelt, dass dieser abgeschnürt und schon angeschwollen war.
Als sich das Haar auch beim Baden nicht löste und Mattis sehr weinte, als ich versuchte, es zu lösen, sah ich uns schon ins Krankenhaus fahren. Die Unterseite hatte auch angefangen zu bluten, doch das Haar selbst war kaum zu sehen, so tief hatte es schon ins Fleisch geschnitten.
Wir entschieden uns zur OP. Mattis war schließlich erschöpft eingeschlafen und mittels Kuschel-Windel wurde er im "künstlichen Koma" gehalten.
Micha sterilisierte eine Nadel mit Feuer und konnte ganz vorsichtig das Haar und sogar die Schlinge lösen. Mit einer Pinzette hat er es herausgezupft, in der Hoffnung, alles erwischt zu haben. Dies war unser OP-Besteck.
Mattis ist dann aufgewacht und war deutlich entspannter. Jetzt, Stunden später, schwillt der Zeh langsam ab und der Adrenalinspiegel ist gesunken. Mattis geht es viel besser und uns auch.
Es gibt schon so Sachen, die gibts eigentlich gar nicht.
Ich war letzte Woche zum zweiten Elterngespräch mit Barbara, Moritz Erzieherin eingeladen. Es ging vor allem darum, ob Moritz soweit ist, im September in die Vorschule zu gehen. Die wird hier übrigens Kindergarden genannt, während die Kinderbetreuung davor einfach Daycare heißt. Sie stellte ihm ein sehr gutes "Zeugnis" aus.
Moritz Englisch wäre geradezu explodiert in den letzten Wochen. So hat er zum Beispiel die Großeltern einer Freundin, die zum Lunch eingeladen waren, sehr lustig unterhalten. Er ist sowieso kein großer Esser, umso mehr Zeit hatte er für seine Späße. Er ist richtig aufgeblüht und Barbara zeigte sich sehr froh, dass er sich nun auch so fröhlich gibt wie er ist. Er ist also bereit, im September in den Kindergarden zu gehen. Das heißt, er wird jeden Morgen mit Charlotte zusammen im Schulbus zur Schule fahren und hat dort drei Stunden Unterricht. Dann fährt er mit dem Schulbus über die Straße in seine KiTa und bleibt dort bis zum Nachmittag. Die Vorschule ist kostenlos, die Betreuung danach müssen wir bezahlen, sie ist allerdings sehr viel billiger als jetzt. Die großen Kinder sind übrigens in der Grizzly-Gruppe. Bis dahin bleibt er bei seinen Wollies.
Übrigens veranstalten Moritz und ich nächste Woche eine Märchenstunde. Momentan dreht sich nämlich alles um Märchen, es wird viel gelesen und gespielt und verkleidet und wir Eltern sind sogar zum Märchen-Snack eingeladen, wo die Kinder in Kostümen selbstgebackene Küchlein servieren werden. Moritz musste allerdings neulich anmerken, dass er das Märchen von "Cinderella" ganz anders kennt, worauf die neugierigen Wollies gleich wissen wollten, wieso Aschenputtels Schuh golden wäre und es keine gute Fee gäbe. Und so werden Moritz und ich (und natürlich Mattis) das aufklären, nur die abgehackte Ferse und Zehe werden wir vielleicht weglassen müssen, bei den zartbesaiteten Amis...
Babies sind ja sowieso niedlich, aber natürlich ist Mattis besonders "cute". Hier beflirtet er unsere Freundin Elise, die prompt über ein Baby nachdenkt, obwohl sie schon zwei süße Jungs hat.
Mattis wiegt mittlerweile ca. 5,5 kg und ist stattliche 56 cm groß. Nachts schläft er etwa sechs Stunden und hat tagsüber alle vier Stunden Hunger. Er ist ein zuverlässiges Baby und lacht viel. Am meisten liebt ihn aber wohl seine Lotti, die kann ihn gar nicht in Ruhe lassen, denn Puppe Rosalie ist einfach kein nicht so knuddelig wie Mattis.
Aber auch Moritz hat sich mit ihm angefreundet und ist stolzer großer Bruder.
Nächste Woche ist großes Impfen angesagt. Mattis bekommt die Sechsfach-Impfung, die hier in drei statt in eine Spritze verpackt ist. Hoffentlich vergeht uns da nicht das Lachen, zumal Micha weit weg auf einer Konferenz ist. Aber jetzt kommt erstmal das Wochenende mit gutem Wetter hoffentlich.
Sie kamen ganz plötzlich: furchtbare Bauchschmerzen, direkt nach dem Frühstück. Die arme Lotti wusste weder aus noch ein, sogar die ganze Minute Ruhe, die sie sich auf dem Sofa gönnte, half nicht. Papa machte eine Bauchmassage, Mama verabreichte Bauchtropfen. Sie wurde zur Schule gebracht, erzählte ihrer Lehrerin sofort vom Bauchweh, ging zur Schulschwester und diese sinnvolle Einrichtung rief wiederum die Mama an, damit diese das Lotten-Kind wieder abholen möge. Die Mama fand das Lottchen schließlich auf dem Bauch liegend und ein Bilderbuch studierend vor und brachte sie nach Hause. Wundersamerweise ging es Charlotte dort wieder besser, sie wollte sich gar nicht mehr ausruhen und Kamillentee schon gar nicht. Daraufhin brachte ihr die Mama bei, was es heißt, krank zu sein: sie musste sich aufs Sofa legen und durfte auch bei ihrem Lieblingslied "Mamma Mia" nicht herumhüpfen. Süßigkeiten gab es nicht, wegen dem Bauch. Krankheit hieß: Lotti langweilte sich liegend. Am nächsten Tag war sie wieder gesund.
Dass sie wirklich krank war, bewies sie wie folgt:
Lotti: "Mama, ich habe auch gebrochen in der Schule. Das habe ich auch der Lehrerin gesagt."
Mama: "Und wie hast du das gesagt?"
Lotti: "Ich habe gesagt: I spit jucky stuff."
Sowas denkt man sich nicht aus, das fällt einem nur in der passenden Situation ein. Und nach diesem Kassen-Tag wird Lotti hoffentlich auch nie auf die Idee kommen, krank zu feiern.
An diesem Wochenende fand das jährliche Pow-Wow der Dartmouth
Gemeinschaft statt. Seit den 1970er Jahren ist es eine von sechs
Großveranstaltungen, die das College-Jahr begleiten. Indianisch-stämmige
Studenten, College-Mtarbeiter und Angehörige der hiesigen Stämme treffen
sich zum Tanzen und Singen und um die Ihren zu feiern, es sind alle
eingeladen.
Als Dartmouth College im Jahre 1769 gegründet wurde, stand ausdrücklich
in den Gründungsdokumenten, dass junge Indianer hier lernen sollten (und
nebenbei missioniert). Dafür gab auch der englische König Geld.
Allerdings haben in den ersten 200 Jahren seines Bestehens ganze 19 junge
Indianer einen College-Abschluss hier gemacht. Seit 1970 wird daher mit
der Organisation der "Native Americans at Dartmouth" die höhere
Bildung junger Indianer gefördert. Es gibt ein eigenes Haus, mehrere
Professuren, eine Bibliothek und Förderprogramme -- und mittlerweile hat
Dartmouth eine der größten und eine der vielfältigsten Studentenschaft
indianischer Herkunft. Und sie alle treffen sich einmal im Jahr, auch um
die besten Tänzer zu küren.
Weil es an diesem Wochenende unfreundlich kalt war, wurde das Pow-Wow in
einer großen Sport-Arena abgehalten. Man konnte auch indianisch essen und
es gab Bücher, Mokassins, Souvenirs, Medizin und Trödel zu kaufen. Zum
Beispiel ein echtes Old-Shatterhand-Hemd, allerdings made in China.
Und auch viele Felle -- ich bin meinem Büffel-Fell ein Stück näher
gekommen und habe mich mit einem Händler unterhalten. Winterfelle sind
kuscheliger, klar, aber auch teurer -- ab 800 Dollar muss man rechnen und
sie sind gar nicht so groß und schwer wie angenommen. Fast hätte ich aber
was ganz anderes mitgenommen -- man stelle sich diesen hier auf einer
deutschen Balkonbrüstung vor:
Jedenfalls haben wir zum ersten Mal viele Indianer auf einem Haufen
gesehen, manche in voller Bemalung, andere in Jeans. Im Programmheft
standen die Namen der Tänzer und ihre Stameszugehörigkeit, die meisten
gehören mittlerweile mehreren Stämmen an, denn sie haben Vorfahren
überall. Und das sah man auch an den farbenprächtigen Kostümen. Zum
Schluss gibt es noch einen audiovisuellen Eindruck vom Pow-Wow.
Zum heutigen "Teachers Appreciation Day" bedanken wir uns bei allen Lehrern, nicht nur den vielen in unserer Familie, nein, vor allem den hiesigen. Seit Wochen laufen in Kindergarten und Schule die Vorbereitungen. Ja, auch Moritz' Erzieher heißen hier Lehrer, was ihren ohnehin hohen Status noch weiter aufwertet. Natürlich werden die lieben Lehrenden von uns mit Selbstgebasteltem beschenkt.
Charlotte bringt außerdem für jede ihrer Lehrerinnen eine Blume mit. Alle anderen Kinder auch und so ergeben die vielen unterschiedlichen Blumen zwei große Sträuße für die beiden engagierten Damen.
Ach und weil es so schön ist, in der Vergangenheit zu schwelgen, werden wir uns am morgigen Subbotnik beteiligen. Der heißt hier zwar nicht so, es ist aber ein ebenso freiwilliger Arbeitseinsatz am entstehenden Schulgarten erwünscht. Ein Stück Rasen wurde gerade umgepflügt und die ersten Kartoffeln sollen schon nächste Woche ausgepflanzt werden, damit die Kinder die bedeutung gesunder Nahrung und das Wachsen der Pflanzen beobachten können. Wieder so eine Lehrer-Idee...
Nur einem ist das noch alles egal. Gute Nacht, Mattis.
Streifen- und Eichhörnchen sind jetzt wieder unterwegs. Unsere hiesigen Streifenhörnchen, Chipmunks, wohnen unter dem Haus. Sie sonnen sich gern auf unserer Treppe und räumen nur widerwillig das Feld, wenn ein Mensch vorbeikommt. Außerdem vermuten wir, dass sie dem CIA zuarbeiten, denn manchmal sitzen sie auf einem Busch und starren ins Fenster rein. Die Eichhörnchen, hier Squirrel genannt, buddeln immer noch versteckte Vorräte aus der Wiese und sind schon fast so fett wie vor dem Winter. Einer ist besonders clever und räubert unser Futterhäuschen aus, indem er sich dranhängt und die Körner hinausschüttelt.
Dieser ist auch frech genug, so lange sitzenzubleiben, bis man ihm fast auf den buschigen Schwanz tritt. Und das wäre Micha tatsächlich fast passiert. Als er dann reinkam und die Tür hinter sich schloß, schlug drei Sekunden später der Problem-Squirrel ein und kletterte die Tür hoch, um uns noch einen verächtlichen Blick durchs Fensterglas zu werfen. Wenn das so weiter geht, ergeht es ihm noch wie Bruno.
Dann müssen wir die Cops von Safety&Security rufen, damit sie das Problem für uns lösen. Oder die Kinder müssen sich mit Nüssen auf die Lauer legen. Oder das Futterhäuschen bleibt leer. Da gibt es viele Möglichkeiten-- wenn er nur nicht so süß wäre.
Als wir in Hanover angekommen sind, zog es mich gleich in den Book Store. Ich wurde Mitglied für 25 $ im Jahr, was mir einen Rabatt von 10 Prozent auf alle Artiel des Ladens gewährt. Micha hat noch rumgeflachst, dass ich ja gar keine englischen Bücher lesen würde und sich der Mitgliedsbeitrag nie rentieren würde. Das stimmte so nicht. Ich habe zwar bisher nur ein einziges Buch für mich gekauft, aber dafür die Kinderliteratur entdeckt.
So gibt es eine tolle Reihe mit dem Namen "Classic starts". Darin sind Klassiker der Weltliteratur kindgerecht umgearbeitet und die Bücher mit Bildern und gutem Papier kosten nur 6 Dollar.
Die haben wir bisher auf allen Kindergeburtstagen von Charlotte verschenkt, denn sie sind bestens für Leseanfänger geeignet. Außerdem gibt es unheimlich viele Kinderbücher über amerikanische Geschichte, sogar schwere Kost wie die Zeit der Sklaverei wird in Bilderbüchern und Kinderromanen erklärt.
Dabei sind viele Geschichten sehr poetisch und mehrdeutig und auch für Erwachsene durchaus lesenswert. Die Bilderbücher sind ebenfalls eine Klasse für sich, so viele kunst- und liebevoll illustrierte Bände habe ich in Deutschland noch nicht gesehen. Bei der Riesenauswahl helfen Gütesiegel wie die "Newbery Medal" oder die "Caldecott Medal". Sie werden von der American Library Association vergeben, übrigens die größte und älteste Bibliothekenverbindung der Welt. Da kann man ziemlich sicher sein, dass jedes ausgezeichnete Buch etwas ganz Besonderes ist. Interessant ist auch, dass die Kinder durch Bilderbücher an das amerikanische Demokratieverständnis herangeführt werden. Es gibt Bücher über alle wichtigen amerikanischen Persönlichkeiten und zwar für jede Altersgruppe -- und alle sind sehr preiswert.
So lernen die Kids unterhaltsam etwas über Landesgeschichte. Es gibt ja auch schon Bilderbücher über Luther und bach, aber warum keine über Politiker? Wie wäre es mit Titeln wie "Angela, brave Mädchen kommen ins Kanzleramt" oder "Frank-Walter, man ist für nichts zu klein" ? Natürlich ist hier immer auch eine gehörige Portion Eigenlob dabei, woher soll sonst das Riesenselbstvertrauen der Amerikaner kommen? Man könnte es schon Propaganda nennen. Dabei sind vor allem amerikanische Politiker so von sich überzeugt, dass sie mal eben Kinderbücher über sich auf den Markt bringen. Zum Glück entscheiden meist die Eltern, was gekauft wird...
Achja, das Buch, das ich für mich gekauft habe heißt "Tuesday" und erzählt die Geschichte einer magischen Dienstagnacht, als sich die Seerosenblätter im Froschteich in die Luft erheben und die Frösche auf ihnen durch die Nacht und in eine kleine Stadt fliegen, wo sie Hunde erschrecken, Wäscheleinen verwirren und mit einer alten Dame Fernsehen schauen. Mittwoch morgen ist der Zauber vorbei, die Blätter fallen herab und die Frösche müssen zum Teich zurückhüpfen. Dafür sind am folgenden Dienstag die Schweine dran... Ist allerdings ein Bilderbuch, bin ja schon immer ein visueller Typ gewesen.
Ja, manche mögen sich fragen, wie ich es noch schaffe, ständig Blogs zu
verfassen, wo doch meine Tage ausgefüllt sein sollten mit stillen und waschen
und schlafen und vor allem: Windeln wechseln. Tatsächlich verfügt Mattis über
einen erstaunlichen Metabolismus, der es ihm erlaubt, seine Windeln
überdurchschnittlich häufig nicht nur mit Flüssigkeit zu füllen. Und die
Füllmenge übersteigt oft genug die Kapazität der Windelgröße 1. Mal ganz
abgesehen von dem kleinen Konzert, das er jedesmal dabei aufführt und der
Geruchsbelästigung. Damit der Baby-Po wieder schön rosig wird, muss also
gewickelt werden -- Charlottes Lieblingsmomente am Tag, gleich nach kuscheln
mit Mattis, singen für Mattis, Mattis kitzeln, Mattis herumschieben und Moritz
ärgern. Und sie hat es sich nicht nehmen lassen, ihren ersten Film diesem Thema
zu widmen. Viel Spaß!
Am Sonntag war es heiß und wir zu einer Cinco de Mayo-Feier eingeladen. Eine Nachbarin unserer Freunde hat mexikanische Wurzeln und alle drumherum zum Essen eingeladen. Interessant ist, dass sie selbst kaum Spanisch sprechen kann. Ihre Eltern sind vor Jahren in die USA eingewandert und da galt es noch als Makel, Mexikaner zu sein und Spanisch zu sprechen, also haben viele ihren Kindern gar kein Spanisch mehr beigebracht. Schade eigentlich. Aber kochen hat sie gelernt und trotz der Hitze gab es natürlich Margaritas...
Jeder hatte etwas zum Essen mitgebracht. Eigentlich sollte es was Mexikanisches sein, aber wir haben doch keine Ahnung. Also haben wir deutschen Kartoffelsalat mitgebracht und Yarik russische Blinis -- hihi, fiel gar nicht auf. Aber es gab natürlich auch Burritos und Chili con Carne und Guacamole und allerhand scharfes Zeug.
Draußen gab es derweil jede Menge Kinderspaß -- inklusive einer Piñata, dem verkloppbaren Papp-Koloss mit Süßigkeiten drin.
Micha und Yarik haben sich derweil schon wieder auf ihr klimatisiertes Büro gefreut. Die Schädelwindel musste von Mattis ausgeliehen werden, der schlief wie immer in seinem Wagen.
So genau konnte uns Orelia übrigens auch nicht sagen, was am Cinco de Mayo, also am 5. Mai gefeiert wird. Sie meinte, die Mexikaner würden einfach jede Möglichkeit wahrnehmen, eine Party zu feiern. Sehr sympathisch!
Also irgendwas ist komisch: wieso sind wir eigentlich viel weiter südlich als ihr und haben es immer noch kalt? Gestern morgen hat es geschneit und es gab eine Schneesturmwarnung. Zum Glück haben wir ein Bärenkostüm für Mattis, nein nicht aus dem Oméga-Park.
Also sind wir öfter zu Hause geblieben, die Kamera im griffbereit, denn: Mattis lacht jetzt!
Leider hat er sofort aufgehört, wenn er in eine Linse lachen sollte, er ist ein vorsichtiger kleiner Kerl. In Zusammenarbeit zwischen Lächel-Mama und Foto-Papa können wir aber nun folgende Bilder erstmals veröffentlichen:
Na, wenn da nicht trotzdem die Sonne scheint!