Nach einem Tag Ruhepause daheim, fuhren wir Sonntag morgen los nach Maine.
Endlich war unser Meiner-Mobil mal ausgelastet mit vier Erwachsenen und drei
Kindern. Nach einer kurzen Strecke Autobahn ging es in die White Mountains am
Mount Washington vorbei (natürlich nicht der einzige Berg dieses Namens in den
USA). Wir machten Rast an der Silver Cascade.
Sogar Mattis ließ sich seine Füßchen im Wasser abkühlen.
Es wurde immer schwüler und nach etwa acht Stunden kamen wir endlich an. Trotz
Stillpausen und Film gucken war es eine anstrengende Fahrt bis Bass
Harbor/Maine. Umso mehr freuten wir uns über unser gemütliches Häuschen, das
innen geräumig und gut ausgestattet ist.
Wir haben in einem der kleinen Restaurants am Hafen zu Abend gegessen,
natürlich amerikanisch. Am Montag mussten wir erstmal den Regen abwarten, was
uns Gelegenheit gab, das sensationelle 4:1 gegen England zu geniessen. Dann
ging es gleich los, an die Südspitze von Mount Desert Island, der Hauptinsel des
Acadia-Nationalparkes. Dort steht einer der vielen Leuchttürme und man einen
schönen Blick auf die felsige Küste.
Ueber eine Holztreppe kommt man zu den Felsen und zur Brandung hinunter. Der
Atlantik begrüsste uns mit milden Wellen und einer frischen Brise.
Auf den grossen Steinen, die in der Eiszeit hier abgelegt wurden, erklärt der
Geo-Lehrer, liess es sich prima herumklettern. Auch wenn die Oma am liebsten
alle Kinder ganz ruhig bei sich sitzen hatte. Mit Mattis kein Problem, der
steckte fest im Tragetuch und atmete Seeluft.
Mount Desert Island ist durch eine tiefe Bucht fast zweigeteilt. Auf beiden
Teilen der Insel führen Rundwege zu den schönsten Plätzen. Auf kleinen
Parkplätzen kann man anhalten und zum Meer laufen. Einen Strand haben wir noch
besucht und Lotti konnte endlich wieder Muscheln und Steine sammeln.
Moritz und Micha wagten sich derweil ganz nah ans Wasser als der Nebel schon
immer näher driftete. Die vielen vorgelagerten kleinen Inseln waren gar nicht
zu sehen.
Stefan als alter Geologe wollte am liebsten jeden zweiten Stein mit nach Hause
nehmen.
Dann ging es einkaufen und Abendbrot essen. Micha führt Stefan in die Welt der
amerikanischen Biere ein und wir Grossen haben den Abend schön verquatscht. Es
geht auch darum die Premieren-Dichte für Stefan und Mechthild zu erhöhen,
nach Übersee-Flug und amerikanischem Dinner kommt morgen eine Felsen-Tour und
eine Hummer-Bootstour.
Michas Eltern sind gut angekommen. Sie haben Ihren ersten Flug überhaupt prima überstanden -- Geheimtipp von Mechthild: Quigong! Heute haben wir sie gleich mit zum BBQ geschleppt und sie haben sich an Hamburgern und Hotdogs und der englischen Sprache erfreut. Natürlich waren sie sehr müde, wie auch die Kinder, die unheimlich aufgeregt waren, ihren Großeltern alles zu zeigen.
Nun geht es eine Woche nach Maine, in den Acadia-Nationalpark. Dort haben wir ein Ferienhaus und freuen uns auf Natur pur am wohl schönsten Teil der nordamerikanischen Atlantikküste.
Heute war Moritz letzter Trainingstag und er endete mit zwei Toren für Deutschland gegen England. Das wärs doch! Eigentlich hat nur gelb gegen orange gespielt, aber Moritz meint, jedes Team für das er spielt, wäre Deutschland.
Damit ging eine sehr schöne Woche für Moritz zu Ende und sie ist wohl der Beginn einer wunderbaren Karriere: jeden Tag Fußball spielen. Seine Trainer waren regelrecht begeistert und haben mir ans Herz gelegt, ihn weiter trainieren zu lassen. Anfang der Woche hat er seinen ersten echten Fußball von den Trainern bekommen, ein Fußball Größe 3. Gestern haben sie von sich aus noch einen in Größe 4 mitgebracht, der ist etwas schwerer und größer und soll Moritz helfen noch stärker zu werden. Heute jedenfalls hat er noch ein T-Shirt, ein "Zeugnis" und ein Poster von Wayne Rooney bekommen. Sie sagten, sie haben selten so ein Talent gesehen.
Mal sehen, ob sie das nur gesagt haben, damit wir dieses Camp nochmal buchen. Aber ich muss sagen, wir sind sehr stolz. Auch auf unsere Lotti: sie hat heute sehr lieb geholfen, die ganze Bude aufzuräumen und zu putzen, denn heute Nacht kommen die Großeltern an. Und sie ist jeden Nachmittag brav mit zum Fußball gekommen, obwohl sie sich oft gelangweilt hat.
Zum Glück ist heute auch das Hundchen wieder gekommen und es gab einen ganz tollen Regenbogen.
Der bringt hoffentlich Glück für Deutschland am Sonntag. Unser kleines Abschiedsgeschenk für die netten Coaches Chris und John war ein Fußball-gucken-Komplettpaket: zwei Becks, eine Tüte Gummibärchen und eine Packung Taschentücher, damit sie sich die Tränen abwischen können, wenn England rausfliegt!
Ich weiß, es klingt unglaubwürdig, denn es muss doch einen Haken geben, aber:
das Schicksal hat es gut mit uns gemeint, als es Mattis zu uns sandte. Er ist
nun drei Monate alt, groß und schwer für sein Alter. Er schreit nicht und liebt
seine Geschwister. Er schläft jede Nacht mindestens acht Stunden. Tagsüber ist
sein Timing perfekt. Immer wenns passt, schläft er ein, so dass Mama beim
Colonial Day helfen oder zum Elternabend gehen kann, immer mit Klein-Mattis im
Schlafabteil.
Er muss mindestens aller vier Stunden trinken, nimmt aber auch gern eher was,
wenn die Familie etwas vorhat und trinkt immer aus, was auf ein gutes
Essverhalten hoffen lässt. Eine liebe Freundin hat sich nun seines Outfits
angenommen und das hat ihm seinen Spitznamen verpasst: Tigger, manchmal auch
Butzi oder einfach Matti.
In den letzten Tagen war er etwas unruhier als sonst, hat aber auch mehr
geschlafen: er brütet sein erstes Zähnchen aus. Unten rechts leuchtet ein
weißer Punkt. Ganz schön zeitig, aber Lotti hatte ja auch mit vier Monaten
ihren ersten Zahn. Und wenn er so einfach zahnt, kann auch hier nicht der Haken
liegen. Klopf auf Holz und hoffe, dass es nicht nochmal anders wird. Achja und
sprechen kann er natürlich auch schon:
Wow, das war spannend. Zwischenzeitlich war Micha ganz blass.
Aber dann das befreiende 1:0. Wir hatten schon am Vormittag das England-Spiel geschaut, mit unserer Freundin Elise, die heute Geburtstag hatte.
Und England hat ihr das Tor geschenkt, nun spielen beide Mannschaften am Sonntag gegeneinander. So können wir am Samstag noch ein nettes BBQ zusammen haben. Das Sonntagsspiel werden wir wohl verpassen, weil wir am Sonntag Richtung Maine fahren. Zusammen mit Michas Eltern, die Freitag Nacht anreisen.
Heute war auch wieder Fußballtraining für Moritz, der ein Traumtor geschossen hat.
Sein Team spielte heute prima zusammen. Man kann tatsächlich schon Fortschritte bei manchen Kindern erkennen. Jedenfalls war es wieder sehr heiß heute und noch dazu schwül, aber Moritz hält das aus.
Charlotte durfte derweil das Hundchen eines anderen Kindes betreuen und war selig.
Muss Moritz mal fragen, ob wir jetzt ein Özil-Shirt kaufen müssen. Sein Trainer meinte heute anerkennend: "He has a mean kick..." -- und das sagt ein Engländer.
Endlich in der 77. Minute des Trainings wurde das Spiel angepfiffen: Moritz ging sofort an den Ball, dribbelte sich im Alleingang mangels Abspielmöglichkeit bis zum gegnerischen Tor vor, das merkwürdigerweise von vier Keepern beschützt wurde. Diese waren aber viel zu sehr mit ihren ulkigen Leibchen beschäftigt, so dass Moritz den Ball butterweich in der linken Ecke versenken konnte...
Das Poldi-Shirt ist noch verschwitzt vom gestrigen Training, bei 28 Grad Hitze kein Wunder. Heute also ein anderes Shirt und sonst in voller Montur. Moritz liebt seinen neuen Ball, den er gestern zum Auftakt geschenkt bekam. Zwar sollten wir ihn für heute dekorieren und bemalen, aber Moritz wünschte sich nur seine Initialen drauf. Typisch deutsch: Schönheit spielt keine Rolle, nur effizient muss er sein.
Coach John und Coach Chris managen das Fußballtraining für zehn 4 -6jährige, deren Disziplin allerdings manchmal zu wünschen übrig lässt. Ein guter Zeitpunkt, mal kurz über amerikanische Erziehung zu sprechen. Diese läuft nämlich hyper-demokratisch ab, alles wird diskutiert und oft gewinnen die Kinder. Disziplinlosigkeit gilt oft als Originalität und wird belacht und jeder Mini-Erfolg wird über den grünen Klee gelobt -- Good Job, Buddy! -- weshalb die Kinder zwar ein riesiges Selbstbewusstsein haben, aber wenig können. So auch hier -- und deshalb spielt es fast keine Rolle, in welcher Mannschaft Moritz spielt, er muss sowieso alleine aufs Tor gehen.
Ansonsten ist das Training sehr schön, mit vielen Reaktionsspielen, Dribbeltraining und Mannschaftsspielen. Coach Chris machte sich anfangs noch kurz über Poldis verschossenen Elfmeter lustig, zeigte sich dann aber beeindruckt von Moritz Kunst und gab schließlich zu, sogar Geld auf den Sieg Deutschlands bei der WM gesetzt zu haben. Mittwoch nehmen wir wohl unsere Deutschlandflagge mit zum Training und vielleicht zwei heimliche Becks Biere für die Jungs. Wir wissen ja wie die Engländer so drauf sind...
Das Schönste an den Ferien ist das Ausschlafen, zumindest für vier von uns. Charlotte war wie immer ab 6 wach und geisterte durchs Haus. Moritz entpuppt sich mehr und mehr als Langschläfer und Mattis will nur gegen 5:30 Uhr trinken und schläft dann gerne wieder ein. Wir haben also gemütlich bis halb 9 gefrühstückt, dann ging Moritz in den Kindergarten -- schon voller Vorfreude auf sein Fußballtraining, das heute nachmittag begann. Lotti und ich sind dann mit Mattis in die Bibliothek gewandert.
Dort gab es heute das erste Ferien-Event: eine Zoo-Lehrerin war da und hatte eine Menge Tiere dabei. Das ist insofern schön, weil es hier im Umkreis keinen großen Zoo gibt. Dafür aber mehrere Natur-Häuser, die vornehmlich heimische Tiere haben, aber nicht nur. Tiffany hatte also für die Ferienkinder u.a. Frösche, Salamander, eine Tarantel-Spinne und auch einen Waran dabei.
Die Kinder durften die meisten Tiere anfassen und Fragen stellen. Dabei hatte Tiffany sichtlich Spaß daran, die gruseligen Details der Nahrungssuche und -aufnahme mancher Tiere zu beschreiben. So dass die Tarantel für den Menschen eigentlich nicht giftig ist, weil sie dafür zu wenig Gift hat. Unangenehm wird es eher, wenn sie sich einen Haufen Haare rausreißt und damit wirft, die lösen nämlich eine allergische Reaktion aus, mit Jucken und Brennen. Ihr Fressfeind, eine Art Ameisenbär wappnet sich dagegen, indem er sehr viel Schleim und Spucke produziert, um die Haare abzuwehren und dann frisst er sie von hinten auf. Reaktion der Kinder: Iiiiihhhhh!
Am niedlichsten war ein Chinchilla, der hat übrigens den dichtesten Pelz der Welt: 30.000 Haare auf einem Quadratzentimeter! Und ist sooo kuschelig.
Ganz aufmerksam war auch unser Mattis, der brav im Wagen saß und erzählte.
Der Hit unter den Kindern sind momentan die "Silly-Bandz" -- Gummibänder in der Form von Tieren oder Wörtern oder was immer, die man um den Arm trägt und die dann beim Abnehmen wieder in Form zurückschnipsen. Charlotte und Moritz wollten welche haben -- eine gute Möglichkeit, Taschengeld auszugeben. Weil sie aber einzeln noch nicht so viel hatten, haben sie zusammengelegt. Moritz hat Lotti seinen Dollar anvertraut. Sie ist damit verantwortungsvoll in den Laden gegangen. Leider haben immer noch 50 Cent gefehlt, die sie sich bei Mama geborgt hatte. Die zwölf Bänder wurden gerecht aufgeteilt.
Dann sind wir Pizza essen gegangen, wie Lotti es sich gewünscht hatte. Zu Hause hat Charlotte ihren Kredit zurückgezahlt, indem sie die Treppe gefegt hat. Dafür bekommt sie jede Woche (wenn sie es tut) 50 Cent Taschengeld. Moritz bekommt noch kein Taschengeld, er findet ständig Münzen oder bekommt Wechselgeld von Kassiererinnen in die Faust gedrückt, weshalb er genauso viel im Sparschwein hat wie Lotti. Die Schulden sind also bezahlt und die Kinder pleite.
Dann haben wir noch Deutsch und Mathe geübt, wir haben uns vorgenommen, jeden Tag zwei bis drei Seiten im Übungsbuch zu schaffen, auch wenn Mathe manchmal ziemlich wehtut, vor allem Minus.
Schließlich wurde Mattis wieder eingepackt, mit Picknick, Wasser und Schienbeinschützern und ab gings zum ersten Fußballtraining. Bis Freitag sind wir nun jeden Nachmittag auf dem Platz. Tja -- und dann hat die aufgeregte Mama den Fotoapparat vergessen. Ich sage nur soviel: beide Trainer stammen aus Großbritannien und halten auf Deutschland!
Den haben wir gestern begangen - und dabei in wunderschönen Erinnerungen an unsere grandiose Feier geschwelgt. Zum zünftigen BBQ haben wir mit unseren Freunden Fußball geschaut und dann Fotos angesehen. Wir haben "sparkling wine" kredenzt, der allerdings nicht im geringsten mit Rotkäpptschn zu vergleichen ist. Nuja, war trotzdem nett, denn wir haben viele Glückwünsche bekommen und ich denke, dass wir es wohl noch mindestens ein weiteres Jahr miteinander aushalten werden.
Oh Mann, kann ich da nur sagen, dieser fiese spanische Schiri... Wir hatten uns auf ein nettes Fußballfrühstück gefreut.
Aber als es drunter und drüber ging und dann Klose raus war, ließ Moritz sogar seinen Nutella-Toast liegen.
Auch das England-Spiel verlief miserabel. Kann mich aber nicht durchringen, mich auf die amerikanische Seite zu schlagen... Außerdem hat Micha jetzt eine Deutschlandflagge bestellt -- ich war dagegen. Dafür konnten wir beim amazon mal wieder die amerikanische Variante erfahren: "wer dieses Produkt kaufte, kaufte auch: Reichskriegsflagge, Hakenkreuzfahnen etc." -- alles inklusive "Kundenrezensionen": "meine Familie stammt aus Deutschland und diese Fahnen gehören zu unserem deutschen Erbe" oder "ich liebe diese Flagge, jetzt können meine Enkelkinder endlich richtig Krieg spielen"...
Wie gut, dass unsere Kinder sich lieber mit Wasserspielen beschäftigen. Heute waren es 30 Grad! Übrigens war heute auch Charlottes erster Ferientag. Sie hat ein Super-Zeugnis mitgebracht und jede Menge Bilder und Basteleien. Wir hatten einen ruhigen Tag, weil Moritz im Kindergarten war. Wir haben nochmal von dem wunderschönen skype-Anruf erzählt, den ich Mittwoch Nachmittag erhalten habe. Da haben ein paar aufrechte Kollegen im Schatten des Leipziger Fernsehturms ihr Sommerfest gefeiert und an mich gedacht. Ich bin wieder ein wenig ins Heimweh gerutscht und Charlotte - "Oh my God!" - wollte mich trösten, indem sie meinte, es wäre doch schön, einfach alle Omas und Opas herzuholen, dann müssten wir nie wieder zurück nach Deutschland. Als sie dann aber hinzusetzte, die Frauen könnten sich dann ums Haus kümmern, wusste ich endgültig, wo ich hingehöre. Und du auch, meine kleine Lotti!
Das Nationalbewusstsein der Amerikaner ist sprichwörtlich. Und natürlich wird das von Kindesbeinen an aufgebaut. Ich hatte schon von der Vielzahl "politischer" Bücher für Kinder geschrieben. Das Ganze wird bestärkt durch das ständige Vor-Augen-Haben der Flagge und jeder Menge nationaler Feiertage wie dem Flag Day, dem Memorial Day und natürlich dem 4. Juli.
Die Schule als staatliches Gebäude hat auch eine Flagge vor der Tür und in jedem Klassenraum! Ich fühle mich da ein wenig an die Kreuz-und-Kopftuch-Diskussion erinnert.
Die größten Flaggen haben übrigens die Supermärkte und Einkaufszentren. "Buy american" ist ein beliebter Werbespruch. In der Schule sagen die Kinder jeden Tag das Treuegelöbnis zur Flagge auf. Auch Charlotte hat es gleich vom ersten Tag an lernen müssen und natürlich mit aufgesagt. Erstmal hört es sich bei den Kindern wie ein heruntergeleiertes Gedicht an, da sie die Tragweite dieses Schwurs noch nicht ermessen können. Aber Propaganda wirkt.
"I pledge allegiance to the flag of the United States of America, and to the republic for which it stands, one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all."
Es existiert auch eine offizielle Übersetzung ins Deutsche:
"Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden."
Nunja. Die Nationalhymne "Star Spangled Banner" kann hier sowieso jeder auswendig, fehlt nur noch das Fahnenappell am Sonnabend. Auch der Sing-along, wo lustige Kinderlieder zum Besten gegeben werden, ist Hort der nationalen Erbauung, einige Beispiele konnte man im Blog schon hören. Damit ist nun aber Schluss: heute ist der letzte Schultag und es beginnen neun Wochen Sommerferien!
Hier gibt es nicht nur jede Menge Kirchen, manche haben sogar Orgeln. Die Church of Christ des Colleges scheint die älteste Kirche am Ort zu sein, ihre Orgel ist aber ziemlich neu. Erst vor fünf Jahren hat man das gute Stück mit mehr als 1600 Pfeifen eingebaut. Seitdem lädt der Kantor auch zu Kinderkonzerten ein.
Letzte Woche waren wir bei einem solchen. Hier im Wald greift man ja nach jedem kulturellem Strohhalm und das Konzert war nicht nur interessant, sondern auch lehrreich. Der Kantor hatte sechs kleine Musikstücke ausgewählt und erzählte vor jedem etwas über den Komponisten und sein Werk -- jaja, Bach kennen wir schon, meinte Charlotte... Auf einem großen Monitor konnten die Kinder sogar Hände und Füße des Kantors beim Orgelspielen beobachten.
Obwohl Charlotte schon einen Schultag hinter sich hatte und Moritz sowieso noch nicht so lange stillsitzen kann, waren beide wirklich die meiste Zeit aufmerksam. Bachs Toccata in d-moll erkannten sie sogar, denn das hört der Papa ja such so gerne. Und Mozarts "Ah, vous dirai-je, maman" hat doch nicht die gleiche Melodie wie "Twinkle, twinkle little star" -- das fanden sie erstaunlich.
Und am Ende durften sie sich sogar noch an die Orgel sezten und einen Höllenlärm veranstalten.
Die Einladung zum Kindergottesdienst haben wir dankend abgelehnt, aber zum nächsten Konzert werden wir bestimmt wieder gehen.
PS: Bitte nicht wundern, dass Moritz in den nächsten Blogeinträgen wahrscheinlich immer dasselbe T-Shirt trägt. Er kann jetzt nicht mehr ohne, also wird es nachts gewaschen und getrocknet und morgens wieder angezogen!
Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Begeisterung die Amerikaner
Feiertage setzen und begehen. Auch wenn heute nicht schulfrei ist und alle
Geschäfte geöffnet sind, ist heute doch ein nationaler Feiertag. Heute wird die
amerikanische Fahne geehrt. Leider gibt es dazu keine Glückwunschkarten, aber
die meisten öffentlichen Gebäude haben gehisst.
Der Flag Day hat allerdings keinen Einfluss auf das Wetter, hier ist es
grau. Angeblich hat die Schneiderin Betsy Ross aus Philadelphia auf Bitten von
General George Washington die jetzige amerikanische Flagge genäht. Die hatte
natürlich noch keine 50 Sterne, sondern nur dreizehn -- so wie die, die
Charlotte zu ihrem Colonial Day gebastelt hat.
Die berühmteste Flagge ist übrigens das "Star Spangled Banner". Sie ist im
National Museum of American History in Washington ausgestellt. Wir haben sie
dort gesehen. Diese fast 10 mal 10 Meter große Flagge wehte 1812 über dem
amerikanischen Fort McHenry, das schwer von den Briten bombardiert wurde. Es
gibt einige Lieder über "our flag", eines wurde auch beim Sing-along in
Charlottes Schule gesungen, allerdings nur der Refrain. Hier ist der Text, beim
Sing-along als lustiger Canon gesungen:
You're a grand old flag,
You're a high flying flag
And forever in peace may you wave.
You're the emblem of
The land I love.
The home of the free and the brave.
Ev'ry heart beats true
'neath the Red, White and Blue,
Where there's never a boast or brag.
But should auld acquaintance be forgot,
Keep your eye on the grand old flag.
Die Strophen des Liedes will ich Euch nicht vorenthalten, denn die zeigen mal
wieder, dass die meisten patriotischen Lieder entweder kitschig sind oder wie
dieses Stammtischniveau haben. Aber sonst wären sie wohl auch nicht so populär.
Wieder mal ein Beitrag zum Aufbau des Nationalbewusstseins junger Amerikaner.
There's a feeling comes a-stealing,
And it sets my brain a-reeling,
When I'm listening to the music of a military band.
Any tune like "Yankee Doodle"
Simply sets me off my noodle,
It's that patriotic something that no one can understand.
"Way down south, in the land of cotton,"
Melody untiring,
Ain't that inspiring?
Hurrah! Hurrah! We'll join the jubilee!
And that's going some, for the Yankees, by gum!
Red, white and blue, I am for you!
Honest, you're a grand old flag!
I'm no cranky hanky panky,
I'm a dead square, honest Yankee,
And I'm mighty proud of that old flag
That flies for Uncle Sam.
Though I don't believe in raving
Ev'ry time I see it waving,
There's a chill runs up my back that makes me glad I'm what I am.
Here's a land with a million soldiers,
That's if we should need 'em,
We'll fight for freedom!
Hurrah! Hurrah! For every Yankee tar
And old G.A.R.
Ev'ry stripe, ev'ry star.
Red, white and blue,
Hats off to you
Honest, you're a grand old flag!
Yessss! Aufgrund multinationalen Interesses an der Fußballweltmeisterschaft schmeißen wir unsere Ressourcen zusammen und veranstalten "public viewing". Elise und David steuern Fernsehanschluss, Verstärker und Carport als Überdachung bei. Yarik und Yulia brachten Grillgut und gute Laune. Wir unseren Monitor, Bier und Michas Expertenerklärungen. Und natürlich den größten Fan.
Moritz führt eine Tabelle und trägt gewissenhaft alle Ergebnisse ein. Beim Spiel England gegen USA ging es eher ruhig zu. Aber heute gegen Australien hielt es unseren Mittleren natürlich kaum noch auf seinem Stuhl.
Das Spiel war so wichtig, dass sogar Michas Boss Jim vorbeikam. Und gemeinsam machts noch viel mehr Spaß und das bei dem Auftakt.
Dann ging es Moritz leider nicht mehr so gut. Er scheint sich irgendetwas eingefangen zu haben und fühlte sich heiß an. Das hinderte ihn nicht daran, sich nach dem Spiel nochmal schnell zu verausgaben und mit Jim und den anderen Kindern alle wichtigen Szenen des Spiels nachzuspielen: "Also, I am Poldi now! See how he did it??"
Mit viel Bratwurst und Bier und Kuchen im Bauch gings nach Hause. Das nächste Deutschland-Spiel werden wir uns per Internet über espn.com ansehen, dann aber wahrscheinlich allein, denn Deutschland spielt gegen Serbien ja schon am frühen Morgen amerikanischer Zeit.
Am 10. Juni 2010 standen einige Jungen und Mädchen morgens auf, um ins Jahr
1776 zu reisen und dort ihr Tagewerk zu verrichten. Sie wussten, dieser Tag
würde voller Pflichten, aber auch voller Spaß sein. Zuerst musste das
Holzhaus ausgefegt und ein Feuer entzündet werden. Dann verteilten sich
die Kinder. Obwohl es bedeckt und kühl war, setzten sie sich draußen auf
eine Quiltdecke und begannen, Steckenpferde aus Socken zu nähen.
Charlotte hatte dazu ein paar der "heißgeliebten" Tennissocken ihres Vaters
mitgebracht.
Die Rohlinge für die Steckenpferde hatten die Kinder schon vorbereitet: die
Mähnen aus Wolle waren angenäht, aber Ohren und Knopfaugen fehlten noch. Die
Mädchen hatten ihre Hauben und Schürzen selbst gefertigt und passten auf, dass
sie nicht fleckig wurden, obwohl es ganz schön matschig war. Und es gab auch
schmutzige Arbeit zu tun: ein Schmied zeigte ihnen, wie man Haken schmiedet.
Okay, Jeans und Schutzbrillen gab es damals noch nicht, aber das Feuer brannte
schon genauso heiß! Heiß war auch das Wachs, aus dem Charlotte ihre eigene
Kerze zog.
Da hatte sich Lotti auch ihren Anorak übergezogen, um sich aufzuwärmen. Leider
kam die Sonne nicht ein einziges Mal raus, aber dafür regnete es wenigstens
nicht durch. Die Kinder hatten übrigens die Namen einiger alter Siedlerfamilien
aus Hanover erhalten: Charlotte hieß Harriet Smith, dann gab es noch die
Familien Webster und Wheelock. In der "Dame School" wurden die Kinder von zwei
"alten Jungfern" unterrichtet.
Sie mussten wiederholen, was ihnen vorgesagt wurde und sangen fromme Lieder.
Sie hatten auch verschiedene Tänze gelernt -- die wurden auf dem Tanzboden in
der Hütte vorgeführt, wie der "Sweets of May".
Dann hatten alle großen Hunger und setzten sich zu Tisch. Am Tag vorher hatten
alle Gemüse geschnippelt, das heute in einem großen Topf als Suppe über dem
Feuer blubberte. Allerdings schmeckte das vielen der neuzeitlichen
Spaghetti-Kinder nicht so sehr, obwohl die Suppe in ihren selbstgemachten
Tonschüsseln serviert wurde. Auch Lotti knusperte lieber am selbstgebackenen
Maisbrot.
Tatsächlich gab es kaum etwas, was die Kinder nicht selbstgemacht hatten. Sie
kennen sich jetzt im Leben der alten Siedler von Hanover ziemlich gut aus. Dann
ging es wieder raus an die Luft, zum Spielen. Die neuen Steckenpferde waren
schon ganz wild darauf, ausgeritten zu werden und man spielte zünftig "Briten
gegen Amerikaner".
Dann durften die Pferde und Reiter ausruhen.
Die Kinder mussten wieder an die Arbeit: nun wurden Strohbesen geknüpft. Der
wird hier sehr nützlich sein, um die Körner von der Vortreppe zu fegen, die die
Eichhörnchen immer aus dem Futterhäuschen rausschmeißen.
Die Kinder hatten auch Schachbretter und Damefiguren hergestellt, Kerzen-Lampen
aus Kupfer gehämmert und Landkarten der dreizehn Kolonien an der Ostküste
Amerikas gezeichnet. Die damalige Flagge hatte nur dreizehn Sterne.
Aber dann wurde nochmal gespielt: Fange, Stiefel werfen und einen Apfel aus
einem Wasserbecken herausfischen, aber nur mit den Zähnen (das kannte ich schon
vom Kindergeburtstag damals, kam gleich nach Würstchen schnappen und Schokolade
schneiden).
Am Abend saß eine müde Lotti im Wohnzimmer und konnte sich an ihren Schätzen
kaum sattsehen. Soviel hatte sie in den letzten Wochen geschafft und gelernt --
dieser Tag war zweifellos der Höhepunkt des ganzen Schuljahres.
Während Micha den Kindern "Harry Potter" vorliest, wobei Lotti auf jeder Seite einen Absatz liest, lasse ich diesen Tag Revue passieren. Denn heute ist viel passiert. Erstmal war das letzte Mal "Sing along" mit einem Best-of der Lieder, die wir das ganze Schuljahr über gesungen haben. Dann kam Mrs. Stone, Charlottes Klassenlehrerin und hochschwanger, mit Wehen im Krankenhaus. Ich habe derweil die Erwachsenenkostüme für den Colonial Day in Augenschein genommen, der morgen ist! Darauf arbeiten die Kinder seit Wochen hin: haben Schürzen und Kopftücher genäht, haben Suppenschüsselchen getöpfert, Landkarten gemalt und Steckenpferdchen aus Socken gebastelt. Sie werden ein kleines Theaterstück aufführen und einem Schmied zusehen, ihre eigenen Kerzen ziehen und Glaslaternen bauen und und und. Ich gehöre zum "Heer der Freiwilligen" und helfe überall, wobei Charlotte mir untersagt hat, Mattis im Wagen zu schieben "denn das hatten die damals noch nicht, Mama!". Also haben Mattis und ich heute eine Trageposition im Tuch ausprobiert, da kann er mehr sehen und macht hoffentlich fein mit. Dann bin ich mit Moritz nach Hause und sein neuer Schulrucksack ist angekommen!
Ich Schnäppchenjäger habe soviel Geld gespart, dass es sogar für ein Monogramm gereicht hat und ratet, wer jetzt furchtbar stolz ist und die ganze Zeit seinen Namen auf dem Rucksack buchstabiert hat. Und sich schon ganz doll auf die Schule freut.
Nach einer kurzen Still-Verschnaufpause ging es wieder in die Schule zum Gemüse schnippeln für die Suppe, die morgen über dem Feuer im Colonial-Haus köcheln soll. Dann sind wir gemeinsam zur Bibliothek und dann zum Farmers Market gefahren, um endlich mal die firschen Landeier von dort zu kaufen. Wir hielten einen kurzen Schnack mit Freunden und rasten dann zum Kindergarten. Dort fand heute der erste Grizzly-Elternabend statt. Das ist die Gruppe, in die Moritz bald gehört. Moritz wird ab Herbst die Vorschule besuchen, d.h. drei Stunden Unterricht am Morgen, danach geht es in die KiTa. Dort ist er bis zum Nachmittag ein Grizzly-Bär.
Und jetzt sind die drei da oben in der "Winkelgasse" unterwegs und Mattis schläft erschöpft und ich muss noch einen langen Rock raussuchen und ein Kopftuch bügeln. Denn morgen geht das Leben weiter!
Man kann sie nicht genug bewundern: nicht nur, dass sich Charlotte binnen weniger Monate auf das (Sprach-)Niveau einer amerikanischen Zweitklässlerin gearbeitet hat, nebenbei üben wir zu Hause noch Deutsch. Es geht ja auch darum, in welche Klassenstufe eingeschult wird, wenn wir nächsten Sommer wieder nach Hause kommen. Mit ein paar Knabbereien schreibt es sich leichter.
Wir haben jetzt angefangen, "Harry Potter" auf Deutsch zu lesen, denn Lotti findet es mittlerweile bequemer, englische Bücher zu lesen. Sie leiht sich jede Woche zwei Bücher aus der Schulbibliothek und liest zusätzlich in den Büchern, die ihre Englischlehrerin ihr mitgibt. Nun findet sie den "Harry" sehr spannend und liest auf jeder Seite einen längeren Absatz. Das Lesen deutscher Texte ist nun deutlich flüssiger geworden, fast so gut wie in Englisch. Wir haben die Arbeitsbücher und Übungshefte für die 2. und 3. Klasse aus Halle mitgebracht. Wenn Lotti keine Hausaufgaben auf hat, machen wir zwei bis drei Seiten. Immer, wenn sie ein oder zwei Themengebiete geschafft hat, lockt ein kleines Geschenk. Sie denkt dabei auch an ihren Moritz und so düsen beide jetzt auf neuen Rollern durch die Gegend. Ich hoffe, dass wir am Ende der Sommerferien die 2. Klasse geschafft haben.
Weil die Kinder hier immer noch in Druckschrift und mit Bleistift schreiben, übt Charlotte weiterhin mit ihrem Füller und schreibt richtig gut. Ich habe ihr nun neues Briefpapier gekauft, denn Briefe hat sie bisher nicht so gerne geschrieben. Das ändert sich jetzt hoffentlich -- und eine hat das Glück, bald einen Brief von Lotti zu bekommen, ganz allein ausgedacht und aufgeschrieben und fast alles richtig.
Die ganze Woche war es sehr heiß. Aber es ist ein bißchen wie daheim: es gibt einen Stichtag, wann der Teich öffnet und vorher ist nichts mit baden, egal wie heiß es ist. Also sind wir Dauergast auf dem Wasserspielplatz des Montshire-Museums, zu dem wir dank Mitgliedskarte freien Eintritt haben.
Hier können die Kinder nicht nur plantschen, sondern in Wasserspielen erkunden, wie Wasser fließt, dass es Strudel gibt und wie sich vernebeltes Wasser anfühlt.
Badesachen, Trinkflaschen und Kinderwagen -- wir haben ganz schön zu schleppen, ehe wir da sind. Und dann muss Moritz nach fünf Minuten aufs Klo. Da zeigt es sich, was ich für große Kinder habe: Charlotte nimmt ihn an der Hand und beide gehen alleine ins Museum zurück.
Ich kann bei Mattis bleiben, der die Hitze meistens im Wagen verschläft. Allerdings mit Baumwolltuch unterm Kopf, der Kunststoff-Sitzbezug bringt ihn ganz schön ins Schwitzen.
Und die Kinder spielen und spielen und ich sitze am Rand und schaue so rum -- und ärgere mich! Wieder das Buch vergessen...
Mattis liebt es, auf Papas Arm zu sitzen. Er schmiegt sein Köpfchen ganz dicht in eine geheime Senke an Paps Halso, so dass kein Blatt Papier mehr dazwischen passen würde. Außerdem sitzt der Papa mit dem Rücken zum Fenster und da gibt es immer viel zu sehen. So könnte er stundenlang sein.
Micha hat es sich dagegen zum Ziel gesetzt, Mattis "abzuhärten" (als ob der Kleine das nicht schon von seinen Geschwistern beigebracht bekommt). Mattis wird also laut abgeküsst und herumgeschwenkt.
Oft funktioniert das gut: nach anfänglichem Zögern und seltener "Schippe" (vorgeschobene Unterlippe und feuchte, schreckgeweitete Augen) lacht Mattis. Aber manchmal ist es auch zuviel -- und wie anders sollte sich der kleine Kerl erwehren? Also spuckt er alte Milch auf Papas Knie. Dem friert das Lachen ein, er entlässt das Kind in Mamas schützende Arme und verlangt nach Küchentüchern.
Jeder so wie er eben kann.
Im Frühsommer öffnen wieder die Bauernmärkte in den Städtchen der Umgebung.
Auch in Hanover ist wieder Farmers Market. Diese Märkte gibt es sogar in New
York City und sie sind eine gute Alternative zum Kühlgemüse und Reiseobst aus
den Supermärkten.
Wie eh und je trifft man sich hier auch um zu schwatzen, Popcorn zu knabbern
und Musik zu hören, denn oft spielt eine Band oder es gibt eine kleine
Ausstellung lokaler Künstler.
Außerdem gibt es natürlich Lebensmittel und Kleinkram zu kaufen. Die Farmer
bringen Gemüse, Eier, Honig und Käse zum Markt -- alles "organic" und preislich
ähnlich oder aber teurer als in den großen Kaufhallen. Allerdings ist es normal
und sogar erwünscht, eher "local" zu kaufen. Die Leute, die es sich leisten
können, kaufen lieber vom nahen Bauern als die Bio-Kartoffeln aus Idaho. Und wo
ich mich jetzt auskenne, was das Leben hier kostet, werde ich auch versuchen,
frische Dinge eher hier zu kaufen. Viele Familien treffen sich jede Woche auf
dem Farmers Market, treffen sich mit Freunden und picknicken da -- bei dem
herrlichen Wetter hier, ist das nächste Woche dran.
Außerdem gibt es geschnitzte Holzdinge, gefärbte Tücher oder selbstgenähte
Quilts. Und diesmal auch italienisches Eis, das aber schon alle war, als wir
kamen. Endlich mal was anderes als "Ben & Jerrys", das ich in seiner ganzen
Cremig- und Fettigkeit nicht ausstehen kann. Aber diesmal war es wie gesagt
alle, also kauften wir uns Kettle Corn, auch Popcorn genannt.
In den nächsten Wochen werden wir mal die Märkte der Umgebung abklappern. Wir
warten schon auf die frischen Erdbeeren, die bald reif sind und ich habe mir
schon eine Liste der Orte besorgt, wo man selbst pflücken kann und zwar
Erdbeeren, Blaubeeren und Himbeeren.
Jeder Bundessstaat der USA hat ein eigenes Lied. Meistens sind das recht
schwülstige Gesänge, die fast nur zu offiziellen Anlässen gesungen werden. New
Hampshire macht da keine Ausnahme. Außerdem gibt es auch noch Staatsbäume
und Staatsblumen. Die Staatsblume oder Pflanze New Hampshires ist übrigens
der Flieder, der "purple lilac". Und der blüht hier momentan überall und duftet
wie verrückt.
Passend dazu singt Lotti in der Schule gerade ein viel schöneres
New-Hampshire-Lied. Ein flottes Wanderlied, zu dem ich leider keine Noten
gefunden habe, fast so schön wie das Rennsteiglied.
Hier der Text:
I want to wake up, in the morning,
where the purple lilacs grow;
where the sun comes a peepin'
into where I'm a sleepin'
and the songbirds say, "hello!"
I want to wander, through the wild woods,
where the fragrant breezes blow,
and drift back, through New Hampshire,
where the purple lilacs grow.
Micha hat mal wieder seine Qualitäten als Multitalent bewiesen. Misstrauisch und sparsam wie er ist, hat er seine Brille selbst repariert, weil einer der filigranen Bügel gebrochen ist. Weil er nicht zum Optiker gehen wollte, hat er auf gut Glück an Fielmann geschrieben und den Garantiefall beschrieben. Und tatsächlich haben die flott reagiert und ihm sein Gestell nach Halle geliefert, wo seine Eltern es abholten und uns zuschicken konnten. Super-Service ist das!
Da er sein eigenes Präzisionswerkzeug nicht dabei hatte, half uns unsere Ingenieursfreundin Elise aus und borgte Mini-Schraubenzieher. Ein Problem konnte aber auch sie nicht lösen: die Brille musste ohne Brille repariert werden. Also schön im Licht und vorsichtig mit den Winzig-Schrauben!
Und so hat er gleich beide Bügel ausgewechselt und das an einer randlosen Brille -- ohne Kratzer und mit ruhiger Hand! Respekt -- und der Papa hat tatsächlich keinen Pfennig dazu bezahlt...