Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Wir wohnen in einem wohl typisch amerikanischen Holzhaus. Die Wände sind aus Holzlatten, aufgesetzt auf Spanplatten, und somit recht dünn -- was uns hier im Norden schon verwundert hat. Viele Einfamilienhäuser dagegen scheinen ganz gut gedämmt zu sein oder haben sogar Steinwände. Nun ist Holz als Baustoff hier wahrscheinlich am billigsten, dank der ausgdehnten Wälder und Brennholz gibt es ja auch genug, warum also aus Stein bauen oder dämmen?

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Das Haus scheint etwa 40 Jahre alt zu sein, denn es ist außen noch mit Bleifarbe gestrichen, was heute verboten ist. Darauf wurden wir im Mietvertrag hingewiesen: "Bitte essen Sie nicht die Farbe der Wände, da ist giftiges Blei drin." -- eine wichtige Information, denn wir haben zwei eher oral-orientierte Kinder, die außerdem ein Faible für abblätternde Farbe haben. Die Fenster sind typische Schiebefenster mit Doppelglas und halten im Winter einiges ab -- die Schwachstelle der Konstruktion ist allerdings deutlich zu erkennen: das ist Eis.

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Unser Haus hat zwei Geschosse: ein Erdgeschoss und ein Obergeschoss, dazu noch einen Keller in der Größe der Grundfläche und eine ebenso große Dachkammer. Beide sind nur eingeschränkt zu benutzen, denn der eine ist nass und die andere unterliegt extremen klimatischen Bedingungen. Wir bewohnen hier etwa 90 qm insgesamt und haben außerdem eine kleine Terrasse vorn. Der Rasen vor dem Haus darf nicht "bebaut" werden, auch nicht mit Schaukel oder Sandkiste, denn dann kämen im Sommer die wöchentliche Rasenmäher nicht mehr durch. Hinter dem Haus ist unser Parkplatz und ebenfalls noch eine kleine Rasenfläche -- genug Platz zum Spielen, auch ohne Sandkiste.

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Unser Haus ist übrigens eine Doppelhaushälfte. Der "Haupteingang" wird nicht benutzt, da jede Wohnung zwei separate Eingänge hat. Das Haus gehört, so wie die meisten in der Straße, zum Dartmouth College Housing Department. Hier wohnen vornehmlich College-Angestellte und die andere Hälfte unseres Hauses ist immer nur zeitweise vermietet. Vermutlich ist das auch ein Grund, warum hier kaum modernisiert wird -- die meisten Mieter bleiben nicht lange, vielleicht stehen manche Wohnungen länger leer und bringen nichts ein und da muss man sich eben mit nassen Kellern und Bleifarbe arrangieren. Die Mietverträge sind auch so angelegt, dass man nicht so lange hier wohnt: nach einem Jahr erhöht sich die Miete automatisch um 10 Prozent. der Platz wird gebraucht für hunderte Gast-Wissenschaftler und als Erstwohnung für Angestellte, die sich dann hier ein Haus kaufen wollen -- gehört ja auch zum American Dream.

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Wir träumen ja keinen american dream, daher ist es für uns genau richtig: nahe am Stadtzentrum, Micha kann zum Büro laufen, es sind 10 min mit dem Auto zu Schule und KiTa. Das Haus haben wir möbliert gemietet, alle Räume eingerichtet, elektrische Geräte da, sogar Grundausstattung Handtücher und Bettwäsche -- sehr praktisch, als wir nach 12 Stunden aus Deutschland hier ankamen und die Kinder gleich in frisch bezogene Betten gesteckt werden konnten. Auch wenn die Miete dadurch etwas höher ist, hätten wir für das Geld niemals eine komplette Wohnung einrichten können und nach den zwei Jahren hier stellt sich nicht die Frage nach dem "wohin damit?".

Morgen steigen wir mit Euch ins Obergeschoss mit Schlaf- und Kinderzimmer, Mini-Bad und geheimnisvoller Dachkammer!

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