Man muss Ziele haben im Leben und manchmal dauert es Wochen, bis man sie erreicht hat. Jeden Tag haben Micha und die Kinder getestet, ob der Schnee rundherum endlich geeignet sein würde, um damit richtig zu bauen.
Endlich war es soweit. Anscheinend hat der Schnee bei etwa -4 Grad die richtige Konsistenz und Festigkeit, um in den eigens dafür angeschafften Schneebausteinformen zu halten und in Blöcken verbaut zu werden. Ist es kälter, ist der Schnee zu pulverig, da die Kristalle nicht aneinander haften. Ist es zu warm, klebt und matscht alles wie Zement mit zuviel Bieranteil. Eifrige Handwerker waren also eines Vormittags im Sonnenschein am Werk, um eine Probemauer zu bauen -- Vor- und Entwurfsarbeiten für ein Schneehaus.
Allerdings gab es Kommunikationsschwierigkeiten auf der Baustelle. Denn während es Micha erstmal nur ums bauen und testen ging, wollte Charlotte nicht die Dreckarbeit machen, sondern die Steine entpulvern und verschönern, was fast zum Einsturz des Bauwerks geführt hätte. Daher musste sie für eine Weile vom Ort des Geschehens entfernt und Kurzarbeitergeld für sie beantragt werden.
Der andere kleine Zauberlehrling hat sich dagegen den Anweisungen des Bauherrn gefügt und kam so ganz gut zurecht. Dann stand die Mauer soweit, Schnee war noch genug da, aber die Kraft war verbraucht.
Und so steht sie auch nach Tagen noch vor unserem Haus. Einziger Nachteil bisher: die Hunde der Nachbarschaft haben sie als neue "Ecke" entdeckt und das kann man jeden Morgen aufs Neue sehen... Glücklicherweise wird hier kein Putz beschädigt, im Gegenteil, ein Schneeball an die richtige Stelle geworfen, lässt das Problem sofort verschwinden.

