Fünf Märchenbücher haben uns hierher begleitet, einige Lesebücher für Lotti sind dazugekommen und wir sind begeisterte Nutzer der hiesigen Bibliothek. Ich denke, ich kenne mich sehr gut in deutscher Kinderliteratur und Märchen aus, aber ich habe keine Ahnung, welches die beliebtesten amerikanischen Geschichten und Reime ud Fingerspiele sind, Stories, mit denen alle Kinder hier groß werden. Da fügte es sich, dass der Kindergarten einen zweiteiligen Lese-Workshop organisiert hat.
Eine professionelle Geschichtenerzählerin erzählte uns interessierten Eltern, wie man Kinder an Bücher heranführt, interessant und spannend vorliest und wie man gute von weniger guten Kinderbüchern unterscheidet (ganz wichtig: passende, sorgfältig arrangierte Illustrationen). Anhand von vielen Beispielen erklärte sie die Bedeutung von Gute-Nacht-Geschichten, welche Stories zu welcher Tageszeit und Laune passen und mit welchen kleinen Anregungen wir unsere Kinder begeistern können. Zwar habe ich vieles davon schon intuitiv angewandt und meine Kinder sind wirkliche Bücher-Fans, aber es war mal richtig schön, über das Alltägliche nachzudenken und darüber zu reflektieren. Am besten fand ich die Tipps, dass man Bücher nicht immer nur vorlesen soll, sondern auch einfach mal nur die Bilder anschauen und sehen, welche anderen Geschichten sich entwickeln können. Und wie man prima über Bücher reden kann, wenn man einen Satz mit "Ich frage mich, ob..." beginnen lässt. Richtig toll war, dass wir alle vorgestellten Bücher -- kostenlos -- auch mit nach Hause nehmen konnten! So haben wir nun endlich eine kleine Auswahl klassischer amerikanischer Kinderliteratur -- bestens geeignet zum Selberlesen und Englisch-lernen.
So kann ich gleich mal anwenden, was ich Neues gelernt habe. Lustigerweise wollte ich mit dem Buch "Big Red Barn" beginnen, ein Klassiker über die verschiedenen Tiere, die in einer Scheune zusammenleben und wie deren Tag abläuft -- und das kannten die beiden schon, aus der Schule und aus dem Kindergarten. Sehr schön sind auch die Bücher mit Abzählreimen, Fingerspielen und Kinderliedern, die dabei waren, denn wir kennen ja "nur" die deutschen Versionen. Und hier noch einmal zusammengefasst, die wichtigsten Tipps zum vorlesen:
- jeden Tag lesen, auch wenns nur ein paar Minuten sind
- immer auch über die Bilder sprechen und sie erkunden, die meisten Kinder lesen ja nicht mit
- das Kind Teil der Geschichte werden lassen, sie Stimmen nachmachen lassen, fragen, wie sie wohl selbst reagiert hätten
- immer wieder Fragen zur Geschichte stellen und zulassen, dass sie eine andere Richtung nimmt oder auch mal eher zu Ende ist
- Kinder erzählen die Geschichte nach
- versuchen, das Buch aus Sicht des Kindes zu sehen und fragen, was es am besten findet
Und dieses Buch ist ein Knaller:
"Story stretching" beschreibt, welche zusätzlichen Aktionen man sich zu Geschichten einfallen lassen kann, wie man aus Reimen Lieder macht, wie man im Buch genannte Gerichte nachkocht etc. pp. -- es listet viele der bekanntesten amerikanischen Kinderbücher auf und macht Vorschläge. Also, wenn es sowas noch nicht fürs Deutsche gibt, dann schreibe ich dieses Buch. Ist das nicht eine tolle Idee??

