Dieses Wochenende ist Vollmond und an diesem Wochenende wird in Hanover
traditionell der Mond angeheult.
Dabei bieten alle möglichen Restaurants der Umgebung Leckereien an, die
man an verschiedenen Ständen auf dem Golfplatz verkosten kann. Dabei
spaziert man eigentlich durch den Schnee und wärmt sich an Feuerschalen
und Fackeln. Da wir aber Schneemangel und Schlammprobleme haben, wurde der
Parcours dieses Jahr drastisch verkleinert und verlegt.
Nur am Occom Pond und rund ums Dartmouth Ski House standen die Fressbuden.
Und es gab ein paar Amusements.
Dafür gab es Lagerfeuer und zünftige Musik -- super Stimmung und das
obwohl keinerlei Alkohol verfügbar war!
Von Pizza und Pasta...
... bis hin zu Chicken Cheddar Chowder Soup, von Chilli bis hin zu
Eis-Creme und Pralinen gab es alles. Und dann standen noch ein paar Reste
der Schnee- und Eisskulpturen vom Occom Pond Fest
Für den Heimweg gabs dann noch eine heiße Schokolade mit -- so satt waren
wir lange nicht!
Seit wir wieder da sind, ist es warm. Obwohl es fast jeden Tag schneit und am Mittwoch richtig viel gefallen ist, taut es immer gleich wieder weg. Eigentlich wird im jedes Jahr im Februar auf dem Green eine Schneeskulptur gebaut. Dieses Jahr sollte es das römische Kollosseum sein -- wohl auch, weil es kompakt ist und sich bei den Temperaturen länger halten würde als eine filigrane Figur. Die Bauarbeiten ziehen sich hin.
Dafür das bißchen Schnee schnell zusammengeschoben und abtransportiert. Besonders in den Ortschaften und Einkaufspark liegt gar nichts mehr.
Und wir merken jetzt, was uns bei Winterende erwarten wird: die Mud-Season. Schlamm, Schlamm, Schlamm. Die vielen unbefestigten Wege hier werden nicht mehr begehbar sein. Schon jetzt kann die Erde das Schmelzwasser kaum mehr aufnehmen.
Der Tennisplatz vor dem Gym sieht aus wie ein Teich.
Und das sind die traurigen Reste einer ehemals stolzen, amerikanischen Schneemann-Familie.
Der letzte Höhepunkt unserer Ostküstentour war das Adventure Aquarium in Camden/New Jersey -- ein riesiger Bau mit 4D-Kino, einer der größten "Hai-Sammlungen" der Welt und dem wohl ebenfalls größten Souvenirladen, den ein Aquarium haben kann.
Früh an einem Freitagmorgen stand niemand Schlange und wir kamen schnell hinein -- genau rechtzeitig zu einer wirklich guten Vorstellung am größten Becken des Aquariums.
Fast 2000 Meerestiere leben in diesem riesigen Becken, darunter Rochen, Haie und Schildkröten. Eine witzige Einlage war das Auftauchen zweier Taucher, die das Becken putzen und die Tiere teilweise füttern.
Und dann geschah etwas wirklich Tolles: unser Moritz traute sich, vor all den Leuten eine Frage auf Englisch zu stellen! Er wollte wissen, warum die Haie in dem Becken nicht die anderen Fische auffressen. Ist das nicht weise? Das Mutterherz schlug höher und die Vaterbrust schwoll vor Stolz. Die haie werden einfach dreimal die Woche gefüttert, obwohl sie in freier Wildbahn nur dreimal im Monat fressen. Sie sind also fett und zufrieden und greifen die anderen Fische nicht an. Dann ging es zum Haie-Streicheln -- in einem flachen Becken schwammen "Carpet-Sharks" und natürlich traute sich nur unsere Lotte, die Fische zu tätscheln.
Auf dem Außengelände gab es noch langweilige Pinguine und Robben. Drinnen war einfach mehr los, zum Beispiel am Becken, das die Küstengewässer des Atlantiks und ihre Bewohner zeigte, da schwamm nämlich ein lustiger Kugelfisch mit.
In einem besonderen Saal konnte man sonst kaum sichtbare Kreaturen der Tiefsee anschauen. Besonders die fragilen Quallen hatten es uns angetan.
Aber da war Moritz schon "verliebt" -- in den Hammer-Hai. Der schwamm einsam in dem Riesenbecken und sah einfach so irre aus, dass Moritz nur noch von ihm sprach.
Lotti liebte eigentlich alle Tiere und fand alles spannend, sie war kaum zu bändigen und machte überall mit, wo es was anzuschauen oder anzufassen gab. Wir konnten sie gerade noch davon abhalten, tauchen zu gehen
Schließlich kamen wir zum größten Abenteuer -- für die Erwachsenen. Im Souvenirladen lagen alle Meerestiere als kuschelige Plüschtiere herum und wollten mit nach Hause genommen werden. Nach einem kurzen, bühnenreifen Zusammenbruch unserer Prinzessin, die keinen lebensgroßen Kuschel-Delfin haben durfte, entschieden wir uns zur Adoption zweier anderer Meerestiere. Lotti nahm Kati, den Königspinguin in ihre Arme (und hat ihn bisher selten losgelassen) und Moritz -- einen Hammerhai!
Und dann machten wir uns an die letzte Autofahrt: einen Sechs-Stunden-Ritt nach New Hampshire. Je weiter nördlich wir kamen, desto mehr Schnee sahen wir, bis er am Südrand Vermonts plötzlich verschwand. Abends um zehn waren wir daheim. Das Haus stand noch, die Heizung sprang gleich an und wir hatten noch zwei Tage, bis der Alltag wieder beginnen sollte.
Wieder dreieinhalb Stunden Autofahrt -- diesmal haben wir unseren mp3-Player
"leergehört" und mal wieder einige Klassiker hervorgekramt, sehr zur Freude der
Kinder.
Wir sind prima durchgekommen und waren schon am Nachmittag in
Philadelphia/Pennsylvania. Übernachtet haben wir auf der anderen Seite des
Delaware-Rivers, in Camden/New Jersey, das war einfach billiger. Aber wir
fuhren nochmal in die Stadt hinein, die eine der ältesten der USA und sehr
geschichtsträchtig ist. Es gibt auch ein Germantown hier, denn einige der
ersten Bewohner waren Angehörige der Religionsgemeinschaft der Quäker aus
Krefeld. Hier in Philadelphia wurden die Unabhängigkeitserklärung von Thomas
Jefferson und auch die Verfassung der USA unterschrieben. Im Zentrum haben die
Amerikaner diesmal einige Original-Bauten stehengelassen. Dies ist die
Indepence-Hall, in der sich die Amerikaner am 4. Juli 1776 für unabhängig von
den Briten erklärten.
George Washington, der erste Präsident der USA war natürlich auch hier, um 1787
die Verfassung der neuen USA zu unterzeichnen.
Alle historischen Bauten sind im so genannten "Independence National Historic
Park" zusammengefasst. Hier ist auch die Liberty Bell zu sehen, die geläutet
wurde, als die Unabhängigkeitserklärung öffentlich verlesen wurde. Sie hat
einen großen Riss und kann nicht mehr läuten, aber sie gehört zum
Weltkulturerbe der UNESCO. Und auch Benjamin Franklin lebte und arbeitete
hier, den Franklin Court kann man ebenfalls besichtigen. Leider nicht mehr an
diesem Nachmittag, da war alles schon zu. Nur die Geschäfte in der Jewellers
Row gleich nebenan waren alle noch geöffnet.
Und wieder liegen Kommerz und Politik so nah beieinander... Dann haben wir
Abendessen gesucht und sind wieder in so einem Diner gelandet -- ich konnte es
nicht mehr sehen. Immer nur Chicken wings/tenders/nuggets, Pommes, Pizza -- nur
Micha kann ja an kaum einem Burger vorübergehen (Anm.d.Rd: Der war aber auch
wirklich lecker und unvernünftig groß.). Nach einer grausamen Nacht im Hotel
direkt an der Interstate mit entsprechendem Hintergrundgeräusch, dafür aber mit
einem prima Frühstück -- packten wir zusammen und fuhren ab zum Aquarium. Am
Flußufer erhaschten wir noch einen tollen Blick auf die Skyline von
Philadelphia.
Und dann tauchten wir ab.
Schon die Fahrt nordwärts nach Maryland war etwas Besonderes, denn Micha hat
eine tolle Route über Inseln und Brücken und durch Tunnel herausgesucht. Eine
Brücke ist 20 Meilen lang und führt über eine Bucht.
Die Brücke wird unterbrochen von Tunneln, die unter dem Meer hindurchführen,
manche sind mehrere Kilometer lang.
Die Stadt Norfolk ist ein wichtiger Arbeitgeber in dieser sonst recht
armen Region der USA. Unter anderem werden hier riesige Flugzeugträger gebaut
-- der neueste heißt übrigens "George Bush".
Die Küste ist malerisch, doch nur wenig später beginnt die Armut in
Süd-Virginia. Deutlich sichtbar an den vielen Trailer-Parks. Dort wohnen die
Leute in so genannten Mobile Homes.
Die Häuschen sind ziemlich klein, haben aber den Vorteil, dass sie einfach auf
einen Truck verladen und an eine andere Stelle transportiert werden können.
Wir sind durch Virginia und Maryland gefahren, haben viele schon heimkehrende
Zugvögel gesehen und sind mal wieder an Berlin vorbeigekommen.
In Ocean City angekommen, erwartete uns ein anderer Eindruck: das Städtchen
lebt nur vom Tourismus und im Winter sind nur wenige Hotels noch offen. Die
vielen Mini-Golf-Anlagen und Spielhallen sind alle geschlossen -- ein bißchen
surreal.
Dafür hatten wir für wenig Geld eine echte Suite in einem großen Hotelbunker
direkt am Strand. Mit zwei Schlafzimmern, einer kleinen Küche und einem ganz
speziellen Extra:
Mit Schokoladeneis im Whirlpool sitzen -- das haben wir den Rest des
Nachmittages gemacht!
Weil wir eine eigene Küche hatten, konnten wir uns endlich mal wieder
ein gutes Frühstück machen. Es gab Cornflakes und Obst (!), darauf hatten wir
die letzten Tage fast verzichten müssen. Und dann ging es an den Strand des
Atlantischen Ozeans. Moritz Kommentar: "Mama, der Atlantik ist doch sehr
breit!"
Natürlich haben wir noch mehr Muscheln gefunden und gleich welche für unsere
daheimgebliebenen Freunde mitgesucht.
Dann kam auch noch die Sonne raus und so spazierten wir fast drei Stunden ganz
allein den Sandstrand entlang, der im Sommer hoffnungslos überfüllt sein muss.
Jetzt waren wir ganz für uns.
Und schon lag die letzte Etappe vor uns: nordwärts nach Philadelphia, wo wir
übernachten und am nächsten Tag ein Meeresmuseum besuchen wollten.
Jamestown liegt in Virginia, der ersten Kolonie Nordamerikas. Zuerst wurden
Kolonien gegründet, dreizehn insgesamt, bevor diese dreizehn dann die ersten
Bundesstaaten der Vereinigten Staaten wurden. Virginia wurde interessanterweise
von einer englischen Handelsgesellschaft gegründet. Um den Tag nicht komplett
zu verfahren, sind wir früh von Washington aufgebrochen. Nach anderthalb
Stunden wurde es waldiger und wir fuhren an beschrankten Interstate-Abfahrten
vorbei, denn hier an der Küste befinden sich einige Militärbasen. Außerdem ist
das auch Wirbelsturm-Gebiet -- und so standen immer mal solche Schilder am
Straßenrand.
Gegen Mittag erreichten wir das Jamestown-Settlement, das große
Besucherzentrum mit Museum an der Stelle, wo 1607 die drei englischen
Kolonistenschiffe gelandet sind. Im Sommer ist hier natürlich viel mehr los.
Auf dem großen Außengelände kann man sich auch ein nachgebautes Indianerdorf
aus der Zeit anschauen und sehen, wie die Ureinwohner damals Kanus gebaut und
Felle gegerbt haben. Alles zum Mitmachen, das war natürlich was für die Kinder.
Im kleinen Hafen liegen Nachbauten der Kolonistenschiffe. Die sind winzig,
jedes brachte etwa 30 Männer hierher, die die ganzen vier Monate Reisezeit
unter Deck verbringen mussten.
Auch das englische Fort wurde wieder aufgebaut. Dreieckig mit Palisadenzaun und
Häusern steht es fast direkt an der Küste. Anfangs gab es noch keine richtigen
Wohnhäuser, denn das Fort sollte vornehmlich Handelsstation sein.
Die Kolonisten wurden auch militärisch gedrillt, schon um sich gegen die
Indianer zu verteidigen, die natürlich nicht sehr begeistert von den neuen
Nachbarn waren.
Übrigens heiratete hier der Engländer John Rolfe die Indianertochter
Pocahontas! Von Disney versaut, hatten wir eine ganz andere Geschichte im
Kopf. Tatsächlich wurde das Mädchen von den Engländern entführt, um ihren
Häuptlingsvater zum Frieden zu pressen. Getauft und erzogen, heiratete sie dann
einen Engländer und sie bekamen ein Kind. Um mehr Kolonisten anzuwerben, ging
die Familie nach London, wo Pocahontas ziemlich schnell an allen möglichen
Krankheiten starb. Ihr Mann kehrte zurück, lebte aber auch nicht mehr lange.
Allerdings führte er noch schnell Tabakpflanzen aus Südamerika ein, die hier
prima wachsen. Das führte übrigens fast zu einer Hungersnot, weil plötzlich
alle Tabak anbauten und keiner mehr Korn. Und der Nachschub ließ immer auf sich
warten.
Das Museum war sehr schön, allerdings waren wir auch hier den
Geschichtsvorstellungen der US-Amerikaner ausgeliefert. So rühmte man das
großartige Zusammenwirken von Schwarzen, Indianern und Weißen, das letztlich
zur Entstehung dieser Nation geführt hat. Schon 10 Jahre nach Gründung der
Kolonie kamen nämlich die ersten Angolaner hier an -- und es scheint unklar, ob
sie nicht doch als Freie gekommen sein könnten... Na jedenfalls wurde Jamestown
1699 aufgegeben, aber nicht, weil sich die Briten zurückzogen, sondern weil
"die Arbeit getan war": es gab kaum noch Indianer und mittlerweile
hunderte bessere Häfen und Städte die Küste entlang. Übrigens fussten die
ersten Gesetze, die Charters, die sich diese Neu-Amerikaner gaben, auf den
Handelsregeln der Virginia Trading Company. Die wirtschaftliche
Entwicklung wurde hier also schon immer mindestens genauso intensiv
gefördert, wie die politische und kulturelle. Und Geld ist auch uns nicht
ganz unwichtig -- umso schöner, dass wir hier recht preiswert übernachten
konnten! Noch dazu hatte dieses Resort-Hotel endlich einen annehmbaren
Pool, der am nächsten Morgen gleich ausprobiert wurde!
Ganz schnell sind wir noch in Williamsburg und Yorktown vorbeigefahren.
Williamsburg war die erste Hauptstadt Virginias und dort hat man einen
historischen Stadtkern aus dem 18. Jahrhundert wieder aufgebaut. In Yorktown
wurde 1781 die entscheidende Schlacht im Unabhängigkeitskrieg der Amerikaner
gegen die Briten geschlagen. Die Wehranlagen sind immer noch erhalten und man
kann auf einem Autofahr-Rundweg die verschiedenen Orte des Kampfplatzes
"erfahren".
Ja und dann ging es schon wieder nordwärts -- nach Ocean City in Maryland, an
den Ozean!
Von New York City aus ging es weiter nach Washington -- wieder vier Stunden
Fahrt auf der I95. Diese Interstate muss ständig bezahlt werden und ist leider
nicht besonders malerisch. Hier macht sich unser neu-angeschafftes
Car-Entertainment-System wirklich bezahlt -- bei "Frau Holle" und "Willi wills
wissen" fahren die Kinder sehr entspannt die ganze Strecke und Micha kann am
Laptop arbeiten. Wir haben sogar einen Stau erfolgreich umfahren.
In Washington hatten wir für die drei Nächte ein recht billiges Hotel. Das
Zimmer war okay, die Ameisen vergleichsweise klein und die Wanne schön. Gleich
nebenan ist ein Diner, in dem wir billig essen konnten. Alles benannt nach der
Pazifik-Schlacht von Iwo Jima -- im Restaurant und Hotel sind vornehmlich
Asiaten beschäftigt. Der erste Tag beginnt kalt und windig. Micha rettet meine
Mütze -- und das zum Valentinstag! Die Washingtoner U-Bahn ist aus den 60er
Jahren und sieht aus wie das Raumschiff Enterprise. Das Weiße Haus liegt ruhig
und gut bewacht. Auf dem Dach ein paar gelangweilte Scharfschützen, der
Springbrunnen plätschert, Obama ist im Wochenende.
Von dort laufen wir runter zur Mall, einem großen Park, der das Herz von
Washington ist. Von hinten sieht das Weiße Haus besser aus und man kann aus
besser posieren.
Gleich gegenüber das Washington Monument -- ein riesiger, naja, sieht man ja --
umringt von Flaggen, die bei dem Wind wahrscheinlich jeden Tag ausgetauscht
werden.
Von dort geht es hinüber zum Lincoln Memorial. Alles hier ist weitläufig, die
Wege gesäumt von Schlachtfeld- und Kriegergedenkstätten, z.B. zum Gedenken an
die amerikanischen Opfer des 2. Weltkrieges und um alle daran zu erinnern, wer
den Krieg wirklich gewonnen hat. Der Reflecting Pool vor Lincolns Tempel ist
vereist, aber besser zu begehen als die rutschigen Wege am Rand.
Weil Wochenende ist, sind viele Leute unterwegs. Doch im Memorial selbst
herrscht Ruhe und man merkt, Abraham Lincoln als Bewahrer der Union gilt
vielen hier als echter Held.
Zurück werden wir langsam müde. Das sind ganz schön lange Wege hier. Wir sind
warm eingepackt und die Kinder rennen und schliddern sich wach.
Wir wollen jetzt zum National Museum of American History. Die Smithonian
Museen in Washington sind berühmt für ihre Schätze, bieten kostenlosen Eintritt
und ein gutes Mittagessen, wie wir merken. Das Museum selbst bietet einige
Highlights wie das Star-Spangled Banner, das 1814 während des
Unabhängigkeitskampfes der Amerikaner über einem heißumkämpften Fort wehte und
Francis Scott Key dermaßen inspirierte, dass er an Ort und Stelle die
Nationalhymne dichtete. Auch Lincolns Hut ist hier ausgestellt.
Außerdem gibt es auf den drei Stockwerken auch viel Schnulli: diverse First
Ladies Roben und wieder Militärutensilien. Auch Dorothys rote Schuhe aus dem
Film "Der Zauberer von Oz" gelten als Ausstellungsstücke nationalen Ranges.
Interessant ist noch der Teil "America on the Move" -- hier werden Automobile,
Schiffsmodelle und sogar Lokomotiven gezeigt, ohne die dieses Riesenland wohl
nicht erschlossen, besiedelt und jetzt bewohnt werden konnte.
Der 2. Tag beginnt sonnig und wir fahren zur Außenstelle des Air und Space
Museums, denn die Männer wollen Flugzeuge und Raumschiffe sehen. In einem
großen Hangar sind tatsächlich jede Menge Originale ausgestellt und Moritz wird
dafür entschädigt, dass wir nicht nach Florida zum Weltraumbahnhof gefahren
sind: das Spaceshuttle Enterprise ist hier ausgestellt.
Und auch die Enola Gay -- das Flugzeug, von dem die Atombombe auf Hiroshima
abgeworfen wurde -- kommentarlos (siehe dazu auch den sehr interessanten
englischen Wikipedia-Artikel). Im National Museum of American History
erfuhren wir dagegen aus einer Rede Trumans: da man das stolze Volk der Japaner
nicht versklaven wollte, musste man sie davon überzeugen, zu kapitulieren. Und
dazu wurden die Bomben abgeworfen... Aha.
Aber auch ein paar ernstzunehmende Zeugnisse der Fluggeschichte sind hier: eine
Concorde, eine Ju52 und ein Nachbau des Fluggerätes der Gebrüder Wright.
Zurück in Washington zieht der Himmel sich zu und wir flüchten ins National
Museum of the American Indian und essen dort lecker indianisches Essen:
Bisonfleisch, Süßkartoffelbrei, Wildreissalat und Lachs.
Als wir rauskommen, schneit es dicke Flocken und das Capitol hat geschlossen.
Die Öffnungszeiten sind willkürlich, im Zentrum der Macht.
Trotzdem wars schön heute und morgen geht es ja schon weiter -- nach Jamestown,
der ersten englischen Kolonie auf amerikanischem Boden.
Von Hanover aus ging es in viereinhalb Stunden Fahrt nach New York City. Die
Sonne schien und wir sind ganz entspannt vormittags aufgebrochen. Ziel war, vor
dem Berufsverkehr am späten Nachmittag in Manhattan einzutreffen. Durch
Vermont, Massasusetts, Connecticut und New York sind wir gefahren und die
Autobahnen in den verschiedenen Staaten unterscheiden sich ziemlich: in Vermont
und Connecticut sind die Straßen in gutem Zustand; in Mass. eher nicht. Ankunft
gegen 16 Uhr im sonnendurchfluteten Manhattan. Nachdem wir im Hotel eingecheckt
haben, sind wir noch eine "Runde um den Block" gegangen -- unser Hotel war ganz
in der Nähe des Empire State Buildings und des Flatiron Buildings.
Im Zimmer haben wir unsere Vorräte aufgegessen und WeatherChannel geschaut,
denn der Schnee-Blizzard über der Ostküste war erst zwei Tage her und es war
mehr Schnee angekündigt. Das Zimmer war für New York City ziemlich leise, dafür
konnten wir die Heizung nicht regulieren. Micha hat sie dann mit Decken
isoliert bis ihr Thermostat aufgegeben hat. Am nächsten Morgen frühstückten wir
im Wesentlichen Brötchen mit Butter oder Frischkäse. Hier entdeckte Moritz
seine Liebe zu Milch, sie wird für die nächsten Tage sein bevorzugtes
Lebensmittel. Um das Morgenlicht zu genießen, sind wir dann sofort rauf aufs
Empire State Building, 86. Stock -- noch nicht ganz oben, aber höher als
alle anderen Wolkenkratzer und voller unternehmungslustiger Deutscher -- eine
andere Spezies kommt wohl nicht so früh aus dem Bett.
Die Tickets hatten wir vorab im Internet gekauft, um der Schlange zu entgehen.
Hat prima geklappt. Obwohl es sehr kalt und windig da oben war, hat es sich
gelohnt.
Nach einer Stunde sind wir durchgefroren wieder runter und haben uns auf einem
laaaangen Spaziergang die 5th Avenue hinauf wieder aufgewärmt.
Die braven Kinder waren dann so fußlahm und durchgefroren, dass wir zum
Aufwärmen und Aufheitern in New Yorks wohl berühmtestem Spielzeugladen FAO
Schwarz Station gemacht haben. Auf dem Riesenpiano (käuflich für 250.000 $) ist
ganz schön was los.
Und tatsächlich kamen wir ohne Tränen da wieder raus. Durch den riesigen
Central Park sind wir dann Richtung American Museum of Natural History
spaziert. Viele Wege waren vereist und es war hundekalt, doch der gleißende
Schnee und die schimmernde Skyline machten alles wett.
Dann war es Zeit für ein kleines Mittagessen: Hot Dogs auf den Stufen des
American Museum of Natural History beim "wounded war veteran".
Im Museum kann man sich eigentlich Tage aufhalten. Dioramen zeigen die
verschiedenen Tiere der Kontinente, lebensecht nachgebildet oder ausgestopft.
Es gibt eine Indianer-Abteilung, eine riesige Steinsammlung und wechselnde
Ausstellungen. Am schönsten ist wohl die Meeres-Halle mit der lebensgroßen
Figur eines Blauwals.
Damit nicht genug hat das Museum der Evolution der Dinosaurier eine komplette
Etage gewidmet. Das war natürlich was für Moritz, der fieberhaft zwischen den
Skeletten nach seinem Stegosaurus suchte.
Schon ein wenig müde, wollten wir noch nicht raus aus der Sonne und fuhren mit
der U-Bahn in den Süden Manhattans, zum Battery Park. Von dort hatten wir einen
grandiosen Blick zur Freiheitsstatue im Abendlicht.
Wir sind auch am Ground Zero vorbei und obwohl es schon dunkel wurde, drehten
sich noch die Kräne an dem Riesenloch. An der Wall Street sind wir wieder in
die U-Bahn eingestiegen, um dann auf der 5th Avenue noch eine Pizza zu essen.
Nach einem sehr ereignisreichen Tag haben wir alle tief geschlafen -- nur die
Heizung nicht, die musste wieder eingepackt werden.
Wir sind wieder zurück von unserer Tour an der Ostküste der USA entlang. Neun
Tage waren wir unterwegs, sind 2400 km durch zehn Bundesstaaten gefahren, haben
in fünf Hotels übernachtet und am Ende einen Pinguin und einen Hammerhai in
unserer Familie begrüßt. Jetzt ruhen wir uns kurz aus bevor es morgen den
ersten ausführlichen Reise-Blog gibt!
Nun sind Winterferien und wir haben unsere erste größere Tour geplant. Ab heute
geht es die Ostküste der USA entlang. Dabei bleiben wir ganz flexibel und
buchen nur Übernachtungen, die man einfach stornieren kann. Einerseits wegen
dem Wetter, das ja momentan mit Blizzard-Warnungen und Stürmen um sich wirft;
andererseits wegen unserem Kleinen, der ja nun jederzeit kommen kann. Wenn
alles klappt, wollen wir fast 1600 Meilen zurücklegen.
Erst soll nach New York gehen. Einen Tag wollen wir dort bleiben -- nur in
Manhattan und vielleicht aufs Empire State Building, das höchste Gebäude New
Yorks. Wenn das Wetter schlecht ist, können wir in eines der tollen Museen
gehen.
Das ist in Washington auf jeden Fall geplant, denn die vielen Nationalmuseen
an der Mall haben immer und für alle geöffnet. Da fahren wir von NY aus hin und
schauen uns das Weiße Haus von außen an und besuchen mindestens das
Space-Museum und das American History Museum. Dann gehts auf die Mall, die die
wichtigsten Sehenswürdigkeiten Washingtons verbindet und nach Georgetown -- nur
so schön sonnig wird es am Lincoln-Memorial diesmal wohl nicht sein.
Von Washington aus geht es nach Jamestown, der ersten weißen Siedlung in
Nordamerika, die man sich da nachgebaut anschauen kann. Dort wollen wir
historisch übernachten. Tatsächlich haben alle Hotels momentan sehr gute
Preise, weil im Winter wohl niemand verreist. Und von Jamestown nach Kitty
Hawk -- dort haben die Gebrüder Wright ihr erstes Fluggerät gestartet und der
Ort ist ein altes Piratennest, in dessen Nähe der gefüchtete Kapitän Blackbeard
gestorben sein soll. Kitty Hawk liegt auf den Outer Banks -- einer Inselkette
längs der Küste North Carolinas, die sehr idyllisch sein soll. Dort gibt es
vornehmlich Strandhäuser und auch dort wollen wir zwei Tage bleiben. Zum guten
Schluß wollen wir das Adventure Aquarium in Camden bei Philadelphia
besuchen. Von dort sind es dann nochmal sieben Stunden bis Hanover -- vor
langen Autofahrten darf einem in diesem Land nicht bange sein! Und bis zu
unserer Rückkehr wird es keine neuen Blog-Einträge geben, also bitte keine
Panik -- denn danach folgt ein detaillierter Reisebericht!!
Schon wieder ein Fest: es ist sehr schön, wie kreativ gerade die Schule ist, immer wieder Höhepunkte zu setzen. Diesmal also der 100. Schultag, der ja nicht vorhersehbar ist, denn die schulfreien "Snowdays" bringen alles durcheinander. Diesmal fiel der 100. Schultag auf den 8. Februar. Jede Klassenstufe hatte sich etwas Besonderes ausgedacht und die 2nd-Graders haben lustige Hüte gebastelt. Da sollten 100 Dinge dran sein und natürlich mussten die Kinder niederschreiben, warum sie ihren Hut so gestaltet haben. Charlotte und ich haben diesen Hut hier gebastelt.
Er ist aus schwarz-rot-gelber Pappe, weil Lotti aus Deutschland kommt und beklebt mit 100 kleinen US-Flaggen, weil Lotti nicht nur den 100. Schultag feiert, sondern auch 100 Schultage an einer amerikanischen Schule. Er hat die Modenschau gut überstanden und als ich Lotti gefragt habe, welcher Hut ihr denn am besten gefallen hat, meinte sie: Meiner. So muss das sein!
... ist zwar noch nicht, wirft aber seine Schatten voraus. Der 14. Februar wird
hier groß gefeiert. Man verschenkt Karten und Süßigkeiten an seine Liebsten und
auch an seine Freunde. Alles ist rosa-pink-rot dekoriert. Die Kaufhäuser sind
voll von Kuscheltieren, Luftballons, Blumentöpfen und allerlei Kitschkram.
Kindergarten und Schule feiern Parties -- es wird gebacken und gesungen und
Liebesgeschichten gelesen. Die Kinder tragen Rot oder Pink, wenn sie möchten,
und malen sich kleine Herzen auf die Wangen. In Moritz Gruppe haben sich alle
die ganze Woche mit Freundschaft und Liebe beschäftigt und damit, welche guten
Eigenschaften jeden Einzelnen von uns so liebenswert machen -- sehr sinnvoll,
meine ich. Bei der eigentlichen Feier am Freitag wird Wert darauf gelegt, dass
es Karten und Süßigkeiten für ALLE gibt. Man ist ja hier sehr feinfühlig und
daher wurden alle ermahnt, individuelle Valentinsgeschenke bitte außerhalb der
Schule und KiTa zu verschenken, damit keine Gefühle verletzt werden.
Wirklich schön ist die Valentins-Elternaktion für die Lehrer: da wurden alle
aufgefordert, Plätzchen, Kekse und Cookies zu backen und ins Lehrerzimmer zu
bringen. Eine tolle Idee, finde ich. Das lief ab, wie alle Elternaktionen hier:
es kam eine Mail und etwa 7 Stunden später waren alle Aufgaben verteilt und
darauf hingewiesen, dass die jetzt noch zusätzlich gebackenen Plätzchen nicht
mehr gebraucht würden, aber gern an die Feuerwehr oder an eine
Wohltätigkeitsorganisation gespendet werden können. Ich habe wieder mal die
Chance verpasst, ist aber auch schwer in dieser vor Eingeninitiative nur so
strotzenden Gesellschaft. Wer nicht backen will, kann übrigens kaufen.
So viel Liebe unter den Menschen, und das in dieser Gesellschaft ausgeprägter
Individualisten. Mal sehen, was Micha mir schenkt...
Wir hatten ein schönes Wochenende -- herrlicher Sonnenschein, aber kein Schnee.
Allerdings fing es nicht ganz so gut an: beim Frühstücksradio wurde ausführlich vom Blizzard berichtet, der am Sonnabend Washington und Umgebung heimgesucht hat. Ein Meter Neuschnee, Stromausfälle -- das übliche also. Dummerweise wollen wir genau da hin und am Mittwoch soll es wieder schneien. Michas Laune sank rapide. Wir haben es also erstmal verschoben, die Hotels für unsere Ostküstenreise zu buchen. Und hin und her überlegt, ob und wie wir die Route sinnvoll ändern. Nach einem schönen Waffel-Nachmittag mit unseren Nachbarn, die einige Zeit in Washington gelebt haben, werden wir nun doch wie geplant fahren. Erst nach NY, dann nach Washington, von dort nach Jamestown und Kitty Hawk und auf dem Rückweg noch kurz nach Philadelphia. Ich werde die genaue Tour in den nächsten Tagen mal beschreiben -- wir freuen uns auf jeden Fall, denn hier ist es trotz Sonne nicht besonders schön. Es ist sehr kalt, auch tagsüber, und sehr staubig wegen all dem Salz und Kies, der gegen das Eis gestreut wurde.
Die Autos sehen aus wie Sau und wenn die Kinder draußen spielen waren, kann man alles waschen. Einzig der Sonnenschein versöhnt uns mit dem Schnee-Verlust. Denn die Sonne scheint jeden Tag, es ist sehr schön hell und freundlich.
Übrigens haben die Eingeborenen für die aufgeregten Hauptstädter nur ein Kopfschütteln übrig: die sollen sich mal freuen, überhaupt Schnee zu haben. Und hier wird er bald wieder kommen, immerhin ist der März (!) immer sehr schneereich. Da wollte ich dann eigentlich unseren neuen Kinderwagen rumschieben. Hier noch eine kleine Anekdote: unsere Nachbarn sind ja nun auch schwanger und auf der Suche nach einem schönen Kinderwagen. Sie fragten in einem großen Kaufhaus nach unserer Marke "Chicco" und bekamen zu hören, dass man diesen Begriff hier nur "Kikko" aussprechen würde -- "Chicco" wäre diskriminierend für Bürger hispanischer Herkunft! Aha -- es lebe die "political correctness"!
Mit der beschäftigt sich Charlotte momentan in der Schule. Jedes Kind ihrer Klasse hat sich eine historische Persönlichkeit ausgewählt.
George Washington, Lady Liberty, Johann S. Bach oder Neill Armstrong -- die Kinder haben gelesen, was die Schulbibliothek hergab, haben Bilder aus dem Internet herausgesucht und nähen Kostüme. Nach den Ferien werden sie dann Vorträge dazu halten. Charlotte hat sich mit Rosa Parks beschäftigt. Sie weiß mittlerweile sehr viel über die Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King Jr. und sie leiht jetzt vornehmlich Bücher über historische Persönlichkeiten der USA aus der Bibo aus. Wir haben schon über Lincolns Hut und Ben Franklins Würfel gelesen -- eine schöne Art, sich mit Geschichte beschäftigen. Und hier ist Charlottes Collage zu Rosa Parks:
Uns geht es sehr gut. Der Kleine ist munter und liegt schon richtig herum. Er rutscht jetzt langsam in seine Geburtslage, das bedeutet für mich: keine 60-m-Sprints mehr und keine Nacht mehr durchschlafen, denn der Bauch ist jetzt so schwer, dass ich aufwachen muss, um mich umzudrehen.
Aber das sind schon alle Schwierigkeiten, die wir haben -- naja außer, dass der kleine Bruder seit einiger Zeit zur gleichen Unzeit wie seine Schwester aufwacht: immer kurz vor 6 Uhr morgens, auch am Wochenende. Mal sehen, was das noch wird.
Zwar ist es sehr kalt und wir haben wenig Schnee, aber dafür haben wir Eis. Und es trug sich zu, dass wir letztes Jahr auf einem Wintersport-Sale ein paar gebrauchte Schlittschuhe für Charlotte erstanden haben. Zwar war sie von den Eislauf-Stunden, die sie während ihrer Kindergartenzeit hatte, nicht so sehr begeistert. Aber das scheint sich nun geändert zu haben, zumal die meisten Kinder hier irgendeinem Wintersport nachgehen.
Der Sonnenschein tut sein übriges und so fällt es nicht schwer, aufs Eis zu gehen. Der Occom Pond hier im Ort wird vom Dartmouth Ski Club gepflegt, das Eis poliert und überwacht.
Hier gehen viele einfach nur eislaufen oder spielen Hockey oder lernen es eben, so wie Lotti. Mit ihr bin ich die letzten zwei Tage nach der Schule Schlittschuh-laufen gegangen. Und schon am zweiten Tag hielt sie sich allein auf den Kufen.
Nur wenn sie den anderen nachschaut und dabei vergisst, sich nach vorne zu lehnen, landet sie auf ihrem gepolsterten Po -- aber das passiert erstaunlich selten. Ein weiterer wunderbarer Nebeneffekt: sie spannt ihre Muskeln derartig an und ist so konzentriert, dass sie nach 45 Minuten völlig fertig und es dann viel einfacher ist, mit ihr Hausaufgaben zu machen. Ich bewege mich natürlich artig auf dem Schneerand, bin zwar auch gepolstert, will aber lieber kein Risiko eingehen. Also nicht schimpfen! Nur Lotti schliddert und rutscht und gleitet und kuft ...
Fünf Märchenbücher haben uns hierher begleitet, einige Lesebücher für Lotti sind dazugekommen und wir sind begeisterte Nutzer der hiesigen Bibliothek. Ich denke, ich kenne mich sehr gut in deutscher Kinderliteratur und Märchen aus, aber ich habe keine Ahnung, welches die beliebtesten amerikanischen Geschichten und Reime ud Fingerspiele sind, Stories, mit denen alle Kinder hier groß werden. Da fügte es sich, dass der Kindergarten einen zweiteiligen Lese-Workshop organisiert hat.
Eine professionelle Geschichtenerzählerin erzählte uns interessierten Eltern, wie man Kinder an Bücher heranführt, interessant und spannend vorliest und wie man gute von weniger guten Kinderbüchern unterscheidet (ganz wichtig: passende, sorgfältig arrangierte Illustrationen). Anhand von vielen Beispielen erklärte sie die Bedeutung von Gute-Nacht-Geschichten, welche Stories zu welcher Tageszeit und Laune passen und mit welchen kleinen Anregungen wir unsere Kinder begeistern können. Zwar habe ich vieles davon schon intuitiv angewandt und meine Kinder sind wirkliche Bücher-Fans, aber es war mal richtig schön, über das Alltägliche nachzudenken und darüber zu reflektieren. Am besten fand ich die Tipps, dass man Bücher nicht immer nur vorlesen soll, sondern auch einfach mal nur die Bilder anschauen und sehen, welche anderen Geschichten sich entwickeln können. Und wie man prima über Bücher reden kann, wenn man einen Satz mit "Ich frage mich, ob..." beginnen lässt. Richtig toll war, dass wir alle vorgestellten Bücher -- kostenlos -- auch mit nach Hause nehmen konnten! So haben wir nun endlich eine kleine Auswahl klassischer amerikanischer Kinderliteratur -- bestens geeignet zum Selberlesen und Englisch-lernen.
So kann ich gleich mal anwenden, was ich Neues gelernt habe. Lustigerweise wollte ich mit dem Buch "Big Red Barn" beginnen, ein Klassiker über die verschiedenen Tiere, die in einer Scheune zusammenleben und wie deren Tag abläuft -- und das kannten die beiden schon, aus der Schule und aus dem Kindergarten. Sehr schön sind auch die Bücher mit Abzählreimen, Fingerspielen und Kinderliedern, die dabei waren, denn wir kennen ja "nur" die deutschen Versionen. Und hier noch einmal zusammengefasst, die wichtigsten Tipps zum vorlesen:
- jeden Tag lesen, auch wenns nur ein paar Minuten sind
- immer auch über die Bilder sprechen und sie erkunden, die meisten Kinder lesen ja nicht mit
- das Kind Teil der Geschichte werden lassen, sie Stimmen nachmachen lassen, fragen, wie sie wohl selbst reagiert hätten
- immer wieder Fragen zur Geschichte stellen und zulassen, dass sie eine andere Richtung nimmt oder auch mal eher zu Ende ist
- Kinder erzählen die Geschichte nach
- versuchen, das Buch aus Sicht des Kindes zu sehen und fragen, was es am besten findet
Und dieses Buch ist ein Knaller:
"Story stretching" beschreibt, welche zusätzlichen Aktionen man sich zu Geschichten einfallen lassen kann, wie man aus Reimen Lieder macht, wie man im Buch genannte Gerichte nachkocht etc. pp. -- es listet viele der bekanntesten amerikanischen Kinderbücher auf und macht Vorschläge. Also, wenn es sowas noch nicht fürs Deutsche gibt, dann schreibe ich dieses Buch. Ist das nicht eine tolle Idee??
Seit einigen Tagen haben wir keine Plusgrade mehr, tagsüber um die -8 Grad, nachts bis unter -20 Grad. Leider hat es auch nicht wieder geschneit. Das bißchen, was noch übrig war, ist jetzt völlig vereist.
Trotzdem haben wirs am Wochenende mit rodeln versucht, denn der Sonntag war temperaturmäßig halbwegs erträglich. Wir haben uns schon ein bißchen gewundert, dass wir die Einzigen auf dem Rodelberg waren.
Und dann wussten wir warum: der Schneereifen rutschte in einem Affenzahn die Pisten hinunter. Das ging prima, aber am Vortag haben es mehrere Schlitten nicht überlebt, die auf der harten Eiskruste abgehoben und beim Aufprall wohl einfach zerbrochen sind. Ein Schlittenfriedhof.
Wir sind dann auch lieber spazieren gegangen und haben vereiste Pfützen ausprobiert. Gut gepolstert hat sich da keiner was getan, obwohl die Kinder mehr auf Händen und Knien, als aufrecht unterwegs waren.
Es ist schon faszinierend, wie vielfältig Eis sein kann -- manchmal war es so klar und rein wie zersplittertes Glas.
Außerdem waren wir im Montshire-Museum, das eine neue Ausstellung über "Luft" hat -- so kann man mit Riesen-Föns wunderschöne Muster auf solche Bilder zaubern.
Moritz hat einen neuen Haarschnitt bekommen und am Sonntag gabs frisches Brot zum Abendessen vorm Knisterfeuer. So muss Winter sein...