Heute geht es wieder weg. Zuerst zu H&M -- das hat sich die Mama gewünscht. Wir haben uns mit schicken Kindersachen eingedeckt und dank großzügiger Spenden sind wir mindestens für die nächsten Monate versorgt. Für den letzten Urlaubstag haben wir etwas absolut kinderkompatibles ausgesucht: Oméga-Park. Und das haben sie sich ja wirklich verdient... Also sind wir in den Wildpark gefahren, etwa anderthalb Stunden von Montréal weg. Auch hier auf den Straßen gelten strenge Geschwindigkeitsbegrenzungen: maximal 100 km/h auf der Autobahn und das hier:
Ein Bilderätsel: wenn man eine Dose wegwirft, bekommt man 100 $ und einen Hammer auf den Kopf. Wenn man für 100 $ einen Hammer kauft, bekommt man keine Dose dazu... Solche lustigen Schilder stehen hier überall und machen die Fahrt auf der langweiligen Autobahn etwas angenehmer. Je weiter wir fuhren, desto waldiger wurde es wieder und endlich kamen wir an. Im Oméga-Park leben Hirsche, Bären, Bisons, Wildschweine, Wölfe und auch kleine Tiere wie Biber oder Waschbären. Wie auf einer Safari fährt man im Auto einen Rundweg entlang und die Tiere kommen einem dabei sehr nah.
Man darf sie mit Karotten füttern. Charlotte war natürlich sofort dabei und wir mussten die Karotten halbieren, so schnell gingen sie durchs Fenster. Endlich traute sich auch unser vorsichtiger Moritz.
Weil man das Auto nicht verlassen darf, entscheiden die Tiere selbst, ob sie herankommen möchten oder nicht. Auch wenn Lotti sich alle Mühe gibt.
Andere wiederum kommen einem fast zu nah. Dieses Exemplar hatte sich in Micha verliebt bzw. in die Karotten und fast hätten wir es mitgenommen -- für einen zünftigen Spieß.
Die Sauen waren ganz schön hungrig, denn die meisten von ihnen waren nicht allein unterwegs, sondern hatten in den letzten Tagen jede Menge Frischlinge bekommen.
Die Bisons dieser Herde darf man allerdings nicht füttern -- wenn dieser Bulle Lust hat und aufsteht, schmeißt er selbst unser Meiner-Mobil ohne Mühe um.
Bären und Wölfe waren leider nicht zu streicheln, auch wenn Lotti gar nicht verstehen konnte, warum. Die sahen doch so kuschelig aus! Doch auch hinterm Zaun waren sie gut zu beobachten.
Moritz durfte Auto fahren, das war für ihn fast toller als die Hirsche draußen.
Fast zwei Stunden waren wir unterwegs und haben schließlich alle unsere Möhren verfüttert. Es war schon nachmittag, als wir noch einen der Spazierwege ausprobieren wollten. Dafür ist Mattis in sein Tragetuch umgezogen.
Dieser Weg führte oberhalb von Schwarzbären und Wölfen entlang, aber so weit weg waren die dadurch auch wieder nicht.
Und die hier haben wir natürlich auch wieder gesehen. Ein paar hatten in New Hampshire überwintert. Mittlerweile sind die Kanada-Gänse nur noch in Paaren unterwegs, denn bald wird gebrütet!
Und dann war unser Kurzurlaub in Kanada schon wieder zu Ende. Hat uns aber allen sehr gut getan und gefallen, wie man sehen kann.
Die Rückfahrt war dann wieder anstrengend, denn wir wollten die sechs Stunden am Stück hinunter nach Hanover. Also nochmal stillen, ein kurzes Dinner in einem Bistro am Wege und dann los. Kurz vor der kanadischen Grenze gab es eine Kirche zu kaufen.
Aber was sollen wir mit einer Kirche, wo wir doch ein ganzes Holzhaus haben! Gegen 23:30 Uhr hatte es uns dann wieder und wir unsere Betten. Und Sonntag haben wir uns erholt.
5:30 -- in Worten: fünf Uhr dreißig. Da war Charlotte wach. Trotzalledem. Ich konnte gerade noch Moritz in unser Bett holen, damit er weiterschlafen konnte. Kinder!!!
Allerdings lag ich dann wach auf meinem schmalen Streifen und bin schließlich um 6 zum Stillen. Nun ja, unsere Pläne für diesen Tag versöhnten uns ein wenig. Erstmal ging Micha mit den Kindern in den hauseigenen Pool und dann machten wir uns auf ins Museum für Archäologie und Geschichte, um mehr über die Ursprünge Montréals und Kanadas zu erfahren.
Das Museum ist ein modernes Gebäude und einem alten Handelshaus nachempfunden, auf dessen Grundmauern es steht. Daher liegt der interessante Teil der Ausstellung unterirdisch. Fundstücke, Dioramen und jede Menge moderne Technik zeigen die Besiedlung der Inseln, das ursprünglich an diesem Ort existierende Indianerdorf, die Missionsstation, Indianerkrieg und Friedensvertrag und schließlich den Aufstieg zur Handelsstadt.
Vom Turm aus hat man einen herrlichen Blick über die Altstadt.
Und draußen nochmal Gelegenheit, zu posieren.
Im Museum hatten wir uns auch mit unseren Freunden, den Halchenkos verabredet. Deren älteste Tochter Alisa hatte ja auch Ferien und so zogen wir nun zusammen weiter. Erstmal essen im Untergrund. Dabei packte ich meine rudimentären Französischkenntnisse aus und als Yuliya mich fragte, was in dieser Suppe sei, antwortete ich natürlich auf Deutsch... zu viele Sprachen nebeneinander. Dann ein langer Spaziergang durch die Innenstadt und schließlich machten wir (Still-)Pause auf dem Campus des McGill Colleges mitten in der Stadt. Hier haben die Kanadier eine kleine Burg in die Stadt gestellt. Micha und Yarik statteten dem Montréal Neurological Institute einen Anstandsbesuch ab. Dessen Forscher haben unter anderem einen Hirnatlas erstellt -- Grund genug, das mal abzulichten.
Moritz interessierte sich nur für die fußballspielenden Studenten. Er wartete am Rand, dass der Ball das Feld verlassen würde. Und das tat er und Moritz flitzte hinterher und schaffte es tatsächlich, den großen Jungs den Ball mehrmals wieder zuzuspielen. Die haben sich amüsiert und lobten den kleinen Fußballer für seine Einsatzfreude.
Das ganze Rumgerenne machte uns alle müde und die Badeeinlage vom Morgen tat ihr übriges: also gingen wir alle zusammen einkaufen und genossen ein gemeinsames Abendbrot in unserer Ferienwohnung.
20:00 -- um acht war tatsächlich Ruhe. Am nächsten Tag sollte es ins Hinterland gehen, in den Omega-Park, wo wir hoffen, Hirsche und Bären zu streicheln!
Weil die Oberfläche irgendwann zu wenig Platz bot, buddelten die Montréaller sich tief in ihre Insel hinein. In dieser Untergrundstadt aus 32 km Tunnel fahren nun U-Bahn und Zug und es gibt viele Geschäfte und Restaurants. Mittags ist es da geschäftiger als oben und die Speisen-Auswahl reicht von libanesisch über italienisch und französisch bis hin zu Fish and Chips. Unsere Bälger haben dann Hot Dogs und Pizza gegessen...
Wieder oben: wie schön war es, mal wieder eine richtige Stadt zu durchwandern. Zumal eine, die Kunst so sehr liebt und überall Skulpturen ausstellt.
Der "Cirque de Soleil" gastierte gerade in Montéal, im Hintergrund ist die Biosphère auf der Insel St. Hélène zu sehen -- eine Glas-Stahl-Kugel, zur Weltausstellung gebaut und heute ein Umweltmuseum.
An jeder Ecke ein Kino oder Theater. Auf dem Fußweg: Werbung für ein Tanzfestival.
Wir mussten aber erstmal nach Hause und ausruhen. Dann gings mit dem Auto weiter Richtung Norden, um noch mehr von Montréal zu sehen. Nahe dem Mont-Royal, so benannt vom ersten Europäer, der seinen Fuß hierher gesetzt hat, steht die Kirche St. Joseph, die an Sacre-Coeur in Paris erinnert.
Jetzt wurde es diesig und schwül draußen. Wie gut, dass wir im Auto unterwegs waren. So erreichten wir schließlich die Markthallen an der Rue Jean-Talon, wo es frische, regionale Lebensmittel zu kaufen gibt. Neben der Markthalle stehen kleine Fleischereien und Bäckereien, im Sommer ein Touristenmagnet. Jetzt haben die Montréaller die Hallen noch für sich.
Nach einigem sprachlichen Rätselraten und gewappnet mit einer Portion Mut kauften wir schließlich herrliche Leberwurst und Bierschinken. Hätten aber auch andere "Köstlichkeiten" probieren können.
Zurück in den Süden ging es auf der Rue Saint-Denis durch das "Village" -- ein sehr lebendiges Kneipen- und Einkaufsviertel, wo ich gerne ausgestiegen wäre, wenn nicht alle im Auto schon so müde gewesen wären. Auffällig ist die komische Häusernummerierung: anscheinend werden die einzelnen Wohnungen gezählt und so reichen die Straßen bis in die 3000er.
Wieder in der Innenstadt stoppten wir auf meinen Wunsch hin noch schnell bei Hasi&Mausi. Enttäuschend: hier gab es keine Kindersachen und ich wollte für unseren superschlanken Moritz endlich mal eine passende Jeans kaufen und die Frauenklamotten sind alle 80er -- ist das in Deutschland auch so? Dafür gabs nochmal eine Portion Montréaller Lebenslust:
Auf den Stufen dieser Kirche protestierten ältliche Umweltschützerinnen gegen in Flaschen abgefülltes Wasser. Sie sangen lautstark: "Bottled water, bottled water -- non, non, non!"
zur Melodie von Bruder Jakob. hier lebt französische Protestkultur und die Läden haben am Sonntag zu, nicht wie im hyperkapitalistischen Nachbarland.
Mattis ließ sich übrigens von so vielen Eindrücken nicht beirren. Er schnuffelte meistens in seinem Wagen und nach diesem Tag waren wir alle mindestens so müde wie er.
Und auch Moritz musste Kraft schöpfen, denn am nächsten Tag erwartete ihn ein Fußballwunder.
Ob die Kinder so früh aufgewacht sind, weil draußen ungewohnt laut der Verkehr rauschte oder einfach weil sie aufgeregt waren? Je ne sais pas. Jedenfalls kamen wir nach einem frühen Frühstück und Frühstücksstillen ziemlich früh auf die Straßen. Zuerst ging es durch eine Art Betonwüste. Montréal muss Mitte des 20. Jahrhunderts umgestaltet worden sein: am Rande der Altstadt stehen große Betonklotz-Hotels, Konferenzzentren und auch der Bahnhof gibt sich ganz in B. Am Square Victoria treffen sich Montréals französische und britische Geschichte: nur einen Steinwurf vom Queen-Viktoria-Denkmal entfernt, steht ein echter Pariser U-Bahn-Zugang -- ein Geschenk aus dem Mutterland anlässlich der Weltausstellung 1967.
Dann passierte eines dieser kleinen Kinderwunder: wir laufen auf die Basilika Notre-Dame zu und da schweben zwei (!) Luftballons vom Himmel herab -- bereit, sich von den Kindern fangen zu lassen. Wie schön -- bis sie sich platzenderweise so plötzlich aus unserem Leben verabschiedeten wie sie gekommen waren.
Die Basilika selbst ist auch ein kleines Wunder: nur die Außenmauern sind aus Stein. Erbaut von 1824 bis 1829 ersetzte sie eine Steinkirche, die für die Gläubigen und Jesuiten zu klein geworden war. James O'Donnell, ein protestantischer Ire, ließ sich extra zum Katholizismus bekehren, um die Kirche zu bauen. Er starb kurz nach ihrer Einweihung...
Das Kircheninnere ist inspiriert von der Saint-Chapelle in Paris. Alles ist aus Holz gefertigt, auch die Dachkonstruktion mit den herrlichen Oberlichtern. Allerdings kam irgendwann der Wurm und so mussten die hölzernen Stützpfeiler mit Beton aufgefüllt werden. Es gibt auch eine große Orgel mit 7000 Pfeifen. Der Altar ist sehr bunt, aber schön.
Mattis ist ob der Stille aufgewacht und hat seinen furchtbaren Hunger entdeckt -- Stillen in der Kirchenbank. Währenddessen hat Micha den Kindern alle Kirchenfenster erklärt und sie sind den Leidensweg Christi abgeschritten und pünktlich zu Mattis Bäuerchen bei uns angekommen.
Mittlerweile war es draußen auch wärmer geworden und so sind wir weiter zum alten Hafen flaniert. Dahin, wo Montréal einmal gegründet worden war. Interessanterweise waren die ersten Siedler Händler und auch Missionare, die gern die Indianer bekehrt hätten. Die brachten aber lieber ihre Felle vorbei und so entwickelte sich die Stadt auch ob ihrer guten Lage am Fluss schnell zu einem Handelszentrum. Das fanden die Missionare zwar nicht so toll, aber dafür wurde die Siedlung Ville-Marie nun auch besser beschützt, denn vor allem die Irokesen wollten die Weißen schnell wieder rauswerfen. Das hat dann nicht geklappt und heute ist Ville-Marie eines von vielen Stadtvierteln Montréals am St.-Lorenz-Strom. Übrigens ist Montréal wirklich unheimlich französisch -- und dieser "Standortvorteil" wird gepflegt.
1760 ergab sich Montréal kampflos den Briten und seitdem ist die Region konsequent zweisprachig bis zu den Straßennamen, z.B. Rue University. Dies hier ist der Square Nelson mit einigen erhaltenen Handelshäusern in der Nähe des Hafens.
Mittlerweile leben mehr als drei Millionen Einwohner in Montréal, auch viele Chinesen. Chinatown ist zwar nicht so groß wie in New York, aber neben Suppenküchen und China-Läden haben die Chinesen auch ein bißchen Architektur mitgebracht.
Dort hätten Micha und ich gerne gegessen, aber wir hatten ja noch zwei Mäkel-Fritzen dabei. Und die waren nach mittlerweile kilometerlangem Fußmarsch entsprechend verhungert. Weil wir überirdisch nichts gefunden haben, stiegen wir hinab in die Underground City...
Ganz gemütlich sind wir am Mittwoch vormittag aufgebrochen. Unsere Ferienwohnung wartete ab 16 Uhr auf uns und wir wollten die Strecke in etwa vier Stunden schaffen. Durch Vermont führte uns die Interstate hin zur Grenze. Erste Feuerprobe für unsere Pässe und die Visa und vor allem für Mattis Pass. Wir Deutschen haben sogar Stempel bekommen, Mattis nicht -- der gehört ja quasi hierher.
Und tatsächlich merkten wir sofort, dass wir US-amerikanischen Boden verlassen hatten. Erstmal betreiben die Kanadier hier in ihren südlichsten Gefilden noch viel Landwirtschaft, die sich in den nördlichen US-Bundesstaaten nicht mehr lohnt. Hier trägt jedes Silo den Namen seines Bauern. Und dann dieses "laissez-faire": Nacktclubs an der Straße und sogar Wäscheleinen, draußen!
Es wurde wärmer und wärmer und endlich erreichten wir Montréal -- die Stadt auf den Inseln. Überall Einbahnstraßen und Kanadier, die wie in Paris Auto fahren (rote Ampeln sind nur ein Vorschlag anzuhalten). Der erste Eindruck: ein buntes Nebeneinander von Neo-Antik und 60erJahre-Beton-Bausünden.
Schließlich haben wir unsere Wohnung gefunden. Mitten in der Stadt, im 15. Stock und alle passten rein in zwei Schlafzimmer mit Küche, Wohn-Esszimmer und Bad. Dann gings einkaufen in den supermarché: endlich Käse und Wurst, sogar Wernesgrüner Bier und Gewürzgurken! Und natürlich Baguette:
Schon wegen dem guten Essen hat es sich gelohnt, hierher zu fahren. Unser kleiner Mattis hat alles gut verkraftet und im Auto getrunken. Geschlafen hat er im Kinderwagenoberteil, die Luftveränderung hat ihn sehr müde gemacht und als alle Kurzen im Bett waren, haben wir Großen die Aussicht genossen.
Morgen gehts in die Stadt.
Gestern Nacht sind wir glücklich heimgekehrt nach vier Tagen Urlaub im französischsprachigen Ausland. Danseuses nudes, echte Wurst, Schweine im Auto und Kultur satt -- Montréal ist eine Reise wert. Mehr ab morgen!
Echte Räuber waschen sich bekanntlich nicht sehr gerne. Bei Mattis ist das ein wenig anders.
Das könnte an seiner tollen Badewanne liegen. Die hat nämlich eine eingebaute Hängematte und so liegt Mattis sehr gemütlich im warmen Wasser. Unser Mini-Bad ist auch schnell zu heizen und so ist sehr warm.
Also kein Gefühl von Unsicherheit. Es wird erst ungemütlich, wenn der Waschlappen ins Spiel kommt. Allerdings lebt Mattis nach dem Motto: "Was raus muss, muss raus, egal wo". Da wird er sich an eine friedliche Koexistenz mit Mister Waschlappen gewöhnen müssen. Als echtes Makosch/Hanke-Kind sieht er das natürlich überhaupt nicht ein und schreit ausdauernd. Es ist fraglich, wann Vernunft über Willen siegen wird.
Nach so einem Kampf ist Mattis dann müde und schläft herrlich -- und sauber -- ein.
Und sauber müssen wir sein, wenn es morgen über die Grenze geht: nach Montreal/Kanada. Die Ferienwohnung ist bis zum Wochenende gebucht und wir hoffen auf Sonnenschein. Vor allem freuen wir uns auf die kanadischen Supermärkte: Montreal soll ja die schönste französische Stadt jenseits der Alten Welt sein, vielleicht haben die da auch anderen Käse als immer nur Cheddar, Cheddar oder Cheddar...
Hier ist die Auflösung: die Reihenfolge war ganz chronologisch.
Nummer 1: Charlotte --
Nummer 2: Moritz --
Nummer 3: Mattis
Und den Herzchenstrampler hatten übrigens alle drei.
Das muss natürlich sein: die Baby-Bilder-Galerie des Trios, damit jeder vergleichen kann, wer nun wem besonders ähnlich sieht.
Die Auflösung gibt es im nächsten Blog!
Hier ist jetzt richtig Frühling. Neben Osterglocken und Kroküssen blühen vor allem herrliche Magnolienbäume.
Und diese Blüten möchten wir verschenken: an alle, die in den letzten Wochen Päckchen und Karten und Emails zur Geburt unseres kleinen Mattis geschickt haben. Ron, unser Briefträger, liest immer so gerne die Inhaltsangaben für den Zoll, die auf den Päckchen draufstehen und kam gar nicht aus dem Staunen heraus -- und wir haben uns so gefreut! Strampler und Spielzeug und Tee und Stilleinlagen und Süßigkeiten und und und -- alles dabei, was man sich wünschen kann, aber vor allem die guten Wünsche, die waren am besten!
Die hier sind für Euch und ein dickes Danke!
Wir haben unser erstes Baseball-Spiel gesehen -- nur zwei Straßen weiter auf dem Red Rolfe Field. Dort wird jetzt fast jeden Mittwoch gespielt -- die Dartmouth College Mannschaft gegen ein auswärtiges Team.
Wir kamen gerade aus der Bibliothek und hörten von weitem das Klacken der Bats (Schläger), wenn sie einen Pitch (Ballwurf) treffen. Dartmouth hat gegen die Quinnipiac Bobcats gespielt und zum Glück habe ich die beiden Kevin-Costner-Baseball-Filme gesehen und kenne mich aus. Und die Dartmouth Mannschaft war eindeutig schicker und hatte die engeren Hosen!
Leider begann es nach einer Viertelstunde zu regnen und nur die hartgesottenen Fans hielten aus. Wir sind nach Hause und ich musste nochmal erklären, was ich über Baseball weiß. Moritz: "Und hier gibt es wirklich Leute, die lieber Baseball als Fußball anschauen? Unglaublich!"
Gleich am nächsten Tag habe ich Fanghandschuhe (Mits) und Bälle gekauft --
und so ein Schild müssen wir uns jetzt auch bald organisieren, denn ab jetzt wird Baseball gespielt.
Diesen Mittwoch waren wir auch wieder dabei. Diesmal bei Sonnenschein und einer Horde Kinder, denn hier scheint wirklich jeder zu den Spielen zu gehen. Charlotte hat jede Menge Schulfreunde getroffen und Moritz konzentrierte sich erstaunlich lange auf das Spiel.
Diesmal war es auch etwas lebendinger, denn die Spieler trafen öfter mal den Ball mit ihren Schlägern.
Nächste Woche sind Schulferien und wir fahren weg nach Montreal. Aber die Woche drauf gehen wir wieder hin, ist schon beschlossen.
Charlottes zweites Buch ist fertig. Diesmal haben sich die Kinder ihrer Klasse
mit dem Wetter befasst und zu den verschiedenen Erscheinungen wieder gemalt und
Gedichte verfasst. Und es gab wieder eine große Vorführung für die Eltern.
Lotti wurde für ihre Gedichte bewundert, natürlich auch von Moritz und mir.
Ihren Vortrag habe ich dokumentiert, sowas muss für die Ewigkeit bewahrt
werden!
Das Buch mit ihren wunderschönen Zeichnungen durfte sie wieder mit nach Hause
nehmen.
Für Moritz gab es noch ein anderes Highlight: ein echter Marmorkuchen! Martina,
die deutsche Mutter eines Klassenkameraden hatte ihn gebacken und echt auf
Kuchendeckchen serviert. Das wusste natürlich nur ich zu bemerken und zu
würdigen und Moritz genoss zwei große Stückchen!
Und noch einer hatte seinen großen Auftritt: Mattis. Charlotte hatte sich
gewünscht, dass er mitkommen und sich bewundern lassen sollte. Alle
Klassenkinder kamen herbei und verhielten sich sehr lieb und leise. Trotzdem
schloss Mattis nach zehn Minuten die Augen, ließ sich aber bereitwillig
Händchen und Füßchen streicheln und schlief dann erschöpft, während der
Rezitation.
Und hier wieder Bilder und Gedichte in aller Ausführlichkeit.
Weather by Charlotte Makosch
Dribbling
Splashing
Misting
Tapping
Crinkling
I am the rain
I brighten the crashing waterfall
I send smiles through the sky
I blink
I explode
I am lightning
You swirl the pink flower petals through the sky
You crackle the old maple tree
You rush
You swirl
You are the wind,
wild and heavy
Spring clouds
look like mice and pigs
flying across the blueberry sky
Snow swirling through the indigo sky.
Trees waving slowly by the snowflakes.
Sky lighting behind the sleeping hills.
On a winter's morning.
So sieht Mattis jetzt, im Alter von dreieinhalb Wochen, aus.
Der Räuber hat sich eingelebt bei uns. Er interessiert sich sehr für seine
Geschwister und manchmal scheinen geniale Gedanken hinter seinen kleinen Stirn
zu arbeiten. Er erobert sich seinen Platz und die Aufmerksamkeit, die er
wünscht. Jeden Nachmittag schreit er eine halbe Stunde lang sehr laut und
intensiv.
Micha und ich wälzten schon böse Erinnerungen von Kolik-Baby-Abenden, aber nach
einer gewissen Zeit, mit einem von uns allein im Bett, ist Mattis wieder ruhig.
Wir denken, er verarbeitet alles, was er am Tage erlebt hat und das ist mit
Spaziergängen, Autofahrten und zwei großen Geschwistern eine Menge.
Zumal sich besonders Lotti gern mit Mattis beschäftigt. Er liegt dann auf einem
Kissen auf ihren Knien und wird gestreichelt und besungen und er genießt das.
Tagsüber trinkt er alle drei bis vier Stunden und ist ganz munter. Dafür
schläft er dann nachts bis zu fünf Stunden am Stück.
Und hier ein Schmankerl, für alle, die manchmal nicht einschlafen können:
Da sind sich Amerikaner und Deutsche (und Ukrainer und Briten und Spanier) ähnlich: sobald man sich länger als 60 Minuten ohne rote Kälte-Nase im Freien aufhalten kann, wird gegrillt. Salat und Spieße waren schnell gemacht, noch ein paar Steaks auf den Rost und fertig ist die Party. Auf dem Bild: Micha, Yarik und Elises schöner Rücken.
Endlich waren wir alle mal wieder zusammen und es wurde über eigene Gemüsebeete (und die Schwierigkeiten mit feindlichen College-Rasenmähern), über neue Autos, Kindersachen, Kanada, russische Literatur und Babies geredet. Yarik, Micha und David haben sich übers Bier gefreut.
Wir waren nicht vorbereitet und konnten nur Chips und Bier (immerhin!) beitragen, doch die Gesellschaft war überwältigend und wir alle freuen uns schon auf die nächsten Grillabende im Fletcher Circle, unter rauschenden Pinien und mit Schwärmen von Mücken -- und mit diesen hübschen Damen: Alice, Vita und Yuliya.
Wer mit Kindern wohnt, kann sich ihrer überbordenden Kreativität nicht entziehen. Auch unabsichtlich schaffen sie Kunst immer und überall. Seit einiger Zeit versuche ich, das mal festzuhalten (was einem nicht alles einfällt, wenn man zu Hause ist...).
Hier ein paar Impressionen:
Wartende Spielzeuge am Fenster
Der Storch in der Seifenschale
Roter Luftballon, davoneilend (unbeabsichtigt)
Schneepony
Dartmouth College wurde 1769 gegründet und zwar ausdrücklich auch zur Bildung der Ureinwohner, von denen allerdings kaum noch einer in New Hampshire übrig war. Gerade an der Ostküste hatten die Siedler die meisten Indianer getötet oder vertrieben. Daher findet man hier nur ein paar vereinzelte Museen und Indianer kommen nur noch zu Besuch hierher -- wie am letzten Freitag.
Die vier Sänger und Tänzer sind Sioux-Mandan Indianer aus South Dakota und kamen an Charlottes Schule, um den Kindern vorzusingen, zu tanzen und Geschichten der "Native Americans" zu erzählen. Am Abend waren dann auch die Eltern eingeladen und so kamen wir in den Genuss von Liedern und Tänzen, die vornehmlich von der Beziehung der Indianer zur Natur erzählten -- wie dem Adlertanz.
Der "Oberindianer" erzählte außerdem die Geschichte vom kleinen Specht, der mit den anderen Vögeln singen wollte, aber die wiesen ihn wegen seiner Stimme ab. Da besann er sich, bearbeitete Holz mit seinem Schnabel und machte sich eine Flöte. Die hielt er mit seinen Schwingen in den Wind. Die schönen Töne lockten alle Tiere an und die luden den Specht schließlich ein, mit ihnen zu singen. Und so kam die Flöte auch zu den Menschen.
Natürlich kam auch der Büffel nicht zu kurz, auch wenn das Fell ein künstliches war.
Am Ende tanzten auch Kinder und Eltern mit beim "Rounddance", einem ganz langsamen und einfachen Tanz, der aber ein bestimmtes "Spirit" der Zusammengehörigkeit und Harmonie erzeugen soll.
Und das tat er auch in dem warmen Musiksaal der Ray School und uns brachte er unsere erste Begegnung mit den Ureinwohnern Amerikas.
Obwohl Karfreitag und Ostermontag hier keine Feiertage sind, halten wir natürlich an unseren Ostertraditionen fest! In New Hampshire gibt es übrigens nie frei an religiösen Feiertagen. Nach mühevoller Suche haben wir dann auch weiße Eier gefunden, die Micha gekonnt zu einem Omelett umfunktioniert hat.
Wir haben uns über die weißen Schalen gefreut und eines Nachmittags die Wasserfarben und Filzstifte herausgeholt.
Und obwohl eines kaputt gegangen ist und Moritz Tränen nur durch eine detaillierte Erklärung der Anatomie eines Hühnereies inklusive Entwicklung des Hühnerembryos zu trocknen waren, haben wir so viele Eier bemalt, dass wir unseren Freunden auch noch welche schenken konnten -- die natürlich sofort von ihren Kindern in die Pflicht genommen wurden und Micha fragten, wie man denn Eier ausbläst. Und Lotti und Moritz lieferten Ideen für Motive.
Pünktlich zu Ostern stellte sich wunderbares Sommer-Wetter ein. Sonntag morgen weckte die Sonne eine aufgeregte Lotti pünktlich um sechs Uhr. Seitdem bewachte das Kind die Umgebung vom Fenster aus, um garantiert als Erste den Osterhasen zu entdecken. Die Oster-Eltern lagen dagegen noch länger in den Federn, denn der allerkleinste Osterhase Mattis wächst gerade und hatte alle 2 bis 3 Stunden Hunger. Aber dann ging es los: Charlotte vorne weg.
Die Lotti musste etwas gebremst werden, damit Moritz auch ein paar Verstecke finden konnte. Der osterhase hatte zum Glück immer Spuren aus kleinen, glänzenden Schoko-Eiern gelegt.
Und auch an den Papa hatte er gedacht: der bekam zwei neue Dartmouth-T-Shirts, nachdem die böse amerikanische Waschmaschine sein einziges gefressen hatte.
Und während alle draußen waren, hatte sich der Osterhase doch nicht etwa hineingeschlichen und auch Mattis mit Eiern bedacht. Die wurden von Lotti gewissenhaft eingesammelt und wir mussten sie dann stoppen, als sie versuchte, Mattis per Kopfstand noch ein Ei aus der Tasche zu schütteln.
Hier werden übrigens auch Eier gesucht: Egg-Hunt heißt das aber etwas kämpferischer. Ansonsten kann man auch Schoko-Hasen und Eier kaufen, viele aus deutscher Produktion. Also hatten auch wir die Hasen mit dem Glöckchen. Mit neuen Cars-Matchbox und Büchern und Süßigkeiten waren die beiden Eiersucher vollends zufrieden.
Es kam wie von "alten" Hanoveranern vorhergesagt: letztes Wochenende waren es morgens noch -8 Grad, nun ist der Sommer förmlich ausgebrochen und gestern nachmittag waren es 26 Grad PLUS. Kein Frühling in NH! Sofort riss sich die Studentenschaft die Kleider vom Leib.
Auch die Stadtoberen scheinen dem Wetter nun zu trauen und der große Stadtputz beginnt. Die Geschäfte machen sich fein.
Das Streusalz hat nahezu alle Straßenmarkierungen weggefressen, die werden jetzt erneuert.
Das Wichtigste aber ist und bleibt die Rasenpflege. Die Mäh-Mannschaft wurde für kurze Zeit umgerüstet. Zuerst wird der verbliebene Rasen auf dem Green gekämmt und von den Nussschalen der liederlichen Eichhörnchen befreit.
Trotz Flip-Flops und Miniröcken -- das finde ich nun wirklich übertrieben für Anfang April!
Den kleinen Mattis packe ich aber lieber noch ein, er verschläft den Sommeranfang wie es scheint.
Davon haben wir Zwei. Moritz hat sein Misstrauen überwunden und Lotti wollte
sowieso gleich von Anfang mitmachen. Ihr Ziel: Mattis erstes Wort soll "Lotti"
sein.
Übrigens machen sich die Großen so ihre eigenen Gedanken: Moritz sagt "der
Brüderchen", weil Mattis doch auch ein Junge ist! Und Charlotte hat Moritz
neulich ihre Sicht auf die zukünftige Entwicklung verkündet: "Also ich denke
mal, wenn er so fünf Monate alt ist, dann kann er mit uns spielen. Ich habe ein
Foto von mir mit fünf Monaten auf meinem Star of the Week-Poster und da sehe
ich schon groß aus!"
Und jeden Abend wird geschaukelt...
Zur Zeit läuft in den USA eine Volkszählung und auch wir haben die Ehre
daran teilzuhaben, sprich: auch wir wurden heute gezählt.
Dazu haben wir einen großen Fragebogen ausgefüllt, in dem erfasst wird, wie
viele und wer in unserem Haus wohnen. Es wurde lediglich nach Rasse und
Geschlecht und Alter gefragt und auch, ob sich am Stichtag zum 1. April
Obdachlose bei uns aufgehalten haben, die wir dann gleich mitzählen sollten.
Interessant war außerdem, dass die spanischsprechende Bevölkerung nach
Herkunftsland unterteilt wurde; wir gelten dafür nur als "weiß". Natürlich
haben wir den Fragebogen wahrheitsgemäß beantwortet.
Dank uns hat das Städtchen Hanover also fünf Einwohner mehr, die dazu
beitragen, dass die Kommune entsprechende Finanzmittel vom Staat erhält. Und
das Geld können sie dann vertrinken, denn wir sind ja nur noch bis zum nächsten
Sommer da.