Es ist jedes Jahr das Gleiche: die Mama ist durch und dann fängt das Warten an.
Beide Kinder freuen sich auf Geschenke und Kuchen, aber der Tag will einfach
nicht kommen. Da könnt ihr mal sehen, wie es mir vor vier Jahren ging: trotz
Sekt zum Geburtstag wollte der Moritz nicht auf die Welt. Und dann ist es doch
passiert -- und dieses Jahr fiel der Jubeltag auf einen Sonntag.
Den ganzen Tag wurde gespielt, während die Eltern und Marianne nebenbei das
Große Grillen vorbereitet haben. Ab 4 Uhr nachmittags sollten zwei Geburtstage,
unser Ankommen und Dankeschön gefeiert werden. Extra Sonntags, weil Yarik am
Sonnabend seine Eltern vom New Yorker Flughafen abholen wollte -- dummerweise
gab es eine Havarie am Flugzeug, so dass sie neun Stunden Verspätung hatten. So
war unser Lieblings-Russe ziemlich müde. Die Kinder dafür gar nicht -- der
gewünschte Schokoladenkuchen wurde ratzfatz verspeist.
Und dann wurden deutsche und amerikanische Grilltraditionen aufs Beste
verbunden: zum Kartoffelsalat gabs Burger, eingelegtes Fleisch zusammen mit Hot
Dogs, Bohnen- und Eiersalat dazu deutsches Bier -- wobei Yarik noch ein Fass
russisches Bier beisteuerte, dessen Name unaussprechlich war, das aber gut
schmeckte.
Gegen Abend wurden dann die Mücken größer und die Luft kühler, so dass die
Männer dazu übergingen, sich mit Wodka aufzuwärmen. Nachdem der herrliche
Sternenhimmel ausführlich analysiert und die Gläser zum x-ten Mal gefüllt
waren, gings heim -- hackeletter, nudeldick und hundemüde.
Nun ist schon wieder fast Wochenende -- dabei war das letzte schon ziemlich
cool. Zuallererst weil unsere Freundin Marianne uns besucht hat. Unser erster
Besuch aus der Heimat und es hat ihr gefallen, sagt sie. Wir haben uns ja auch
buchstäblich für sie auf den Kopf gestellt -- auf den Indianerkopf!
Und zwar haben wir den Franconia Notch State Park besucht -- ein riesiges,
malerisches Tal mit steilen Fels- und Berghängen. Hier war einmal der berühmte
Old Man of the Mountain zu finden -- das Wahrzeichen New Hampshires. Der
Felsen zeigte ein Gesicht im Profil, ist aber leider vor einigen Jahren
abgestürzt. Andere Felsformationen sind aber ebenso beeindruckend. Zuerst haben
wir The Basin, den "Fußabdruck" des Old Man besucht -- ein natürliches
Steinbecken, das ein kleiner Fluss in Jahrtausenden ausgehöhlt hat und das auch
Henry Thoreau, der berühmte Dichter beschrieben hat.
Und dann gings los zur Wandertour auf den Indian Head. Der Weg ist steil und
steinig und deshalb abenteuerlich. Er führt durch dichten Wald, es gibt jede
Menge Steine und Stöcke zum Aufheben und man kann sich toll verstecken. Kleine
Holzbrücken überqueren Gebirgsbäche, zur Schneeschmelze ist es dort bestimmt zu
nass zum Wandern.
Bis ganz oben wurde der Weg nicht flacher, erst auf dem Bergrücken ging es
halbwegs eben durch den Nadelwald und dann lichteten sich die Bäume und wir
standen mitten auf der Stirn des Indian Head.
Dass der Weg hier enden würde, wussten wir gar nicht und jeder hat sich sehr
gefreut, es geschafft zu haben. Dort oben haben wir Kuchen gegessen und
gerastet und natürlich den grandiosen Blick ins Tal genossen. An den Berghängen
zeigte sich schon der Beginn des Indian Summer. Müde und glücklich sind wir
wieder herunter geklettert, um in einer kleinen Kneipe riesige Portionen Burger
und Hot Dogs zu verdrücken.
PS: Wie immer haben wir den Weg zum Mt. Pemigewasset auch zum Nachwandern bei
openstreetmap.org eingetragen.