Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Jetzt ist etwas mehr als ein Monat seit unserer Ankunft im gelobten Land vergangen und ich muss sagen, dass sich alle schon gut angepasst haben -- bis auf einen. Moritz' Diät war ja schon vorher etwas eingeschränkt, aber die Änderungen beim Apfelsaft-Hersteller, das komische Brot und die Abwesenheit von Leberwurst haben ihm arg zugesetzt. In der letzten Woche war er dann so "bleich und abgemagert", dass man es sogar beim Skype-Video sehen konnte. Es musste also etwas unternommen werden...

Der erste Schritt auf dem Weg zurück zum Normalgewicht war die Lokalisierung von Leberwurst im Regal der ausländischen Abnormalitäten. Allerdings zeigte die Leberwurst alleine nicht den gewünschten schnellen Mast-Erfolg, so dass wir uns entschlossen die ultimative Waffe einzusetzen: Schnitzel.

Ich begab mich also zum Fleischer unserer lokalen Kooperative, um Geeignetes vom Schwein zu finden. Dabei offenbarte sich ein fundamentaler Unterschied der Systeme. Während man zu Hause mit einem kurzen "4 Schnitzel (, Meine)" immer zum Ziel gelangt, so ist hier deutlich mehr Wissen über die Anatomie des Sachverhaltes erforderlich. Der Fleischer erwartet nicht, was man mit dem Fleisch machen will, sondern welches Teil vom Tier man verwenden möchte. Es stellte sich heraus, dass "boneless center cut pork chops" genau das sind, was ich wollte.

Zurück in der Küche der nächste Schock -- kein Kotelettklopfer ... arrgh. Ohne klopfen zu braten wäre beim Gourmetgaumen von Moritz ein garantiertes Fiasko, also waren Alternativen gefordert. Wie so oft liefert IKEA auch hier die Lösung. Die Zimmermannsseite des IKEA-Hammers, sonst eigentlich zum Entfernen verunfallter Nägel gedacht, eignet sich hervorragend zum Brechen der Fleischfasern.

Der Rest ist quasi Standardprogramm, ausser dass keine Zwiebackskrumen da waren, und ich sie durch (verdammt teure) italienische Delikatess-Cracker ersetzen musste. Beim Anblick des Fleischberges (1,7 kg Schnitzel!) geriet Moritz sofort in Ekstase und begann durch's Haus zu tanzen: Schitzel, schnitzel, schnitzel, ...

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Am Ende haben wir dann zu viert nur die Hälfte geschafft, denn es gab auch noch die leckeren Yukon-Gold Kartoffeln und ganz frischen Rosenkohl. Moritz hatte jedoch etwa einen Quadratmeter Schnitzel für sich alleine -- ganz traditionell ohne Gemüse. Er hat gegessen, bis er seinen Kopf nicht mehr halten konnte, kein Verlangen nach mehr Apfelsaft, kein Pullern zwischendurch -- Bilder sagen mehr als Worte:

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Guten Appetit,

Michael

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Homework

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Mo, 07 Sep 2009

An diesem verlängerten Wochenende, am Montag ist hier Labor Day und frei, haben wir gemeinsam Charlottes erste Hausaufgaben erledigt. Wir sollten den Mond beobachten.

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Also sind wir im "Meiner" losgedüst, um die Stadt zu verlassen, obwohl hier erstaunlich wenig Lichtverschmutzung herrscht. Aus Gründen der Privatsphäre stehen hier kaum Straßenlaternen und viele von ihnen strahlen nur nach unten. Die nächste große Stadt Boston ist zwei Stunden entfernt -- Mond und Sterne sind hier also prima zu beobachten. Fast hätten wir ein Stachelschwein überfahren -- aus Sicht des Stachelschweins waren wir wohl die Glücklichen, denn es hielt kurz an, um seine beeindruckenden Stacheln aufzustellen. Nachdem wir klein beigegeben hatten, spazierte es gemächlich weiter. Schließlich erreichten wir eine baumfreie Stelle auf einem kleinen Berg und parkten an der Straße. Prompt hielt ein Auto an und man fragte uns, ob wir "okay" seien. Schön zu wissen, falls man wirklich man liegen bleibt.

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Die Nächte sind mittlerweile ganz schön kalt -- aber dafür ist die Luft sehr klar und frisch. Lotti sollte den Mond beschreiben, die Umgebung und die Luft und sie sollte auch über ihre Gefühle berichten, die sie beim Anblick des Mondes hätte. Nun, vorherrschend war eine gewisse Aufregung und Furcht... Morgen wird sie dann ein Bild malen, von dem was wir gesehen haben und wir werden ihre Antworten und Beobachtungen festhalten -- eine wirklich schöne Hausaufgabe, für die ganze Familie.

Gute Nacht Karo

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