Stille, Ruhe -- keiner da, nur ein leises Rasenmäherbrummen aus der Ferne (aber
das gehört hier zum Grundrauschen). Heute ist der Tag, an dem ich hier alleine
im Sessel sitze und tippe, denn alle sind ausgeflogen. Der eine in sein Büro,
die zweite in die Schule und der dritte in den Kindergarten -- und das kam so:
Gestern waren wir schon eine ganze Stunde im Kindergarten. Moritz ist ja
eigentlich schüchtern, zumindest die ersten Minuten. Und es ist wirklich
beängstigend, wenn niemand einen versteht und man selbst kein Wort sprechen
kann. Trotzdem hat er sich schon sehr mutig in den Morgenkreis gesetzt und sich
von Erzieherin Debbie an die Hand nehmen lassen. Und draußen auf dem Spielplatz
mussten erstmal alle Geräte ausprobiert werden und die KiTa ist bestens
ausgerüstet!
Moritz ist jetzt ein Woollie Bear -- falls jemand weiß, ob das eine echte
Bärenart ist, bitte melden. Wir denken, das sind einfach Wollbären oder so --
auf jeden Fall kuschelig und so ist auch der Gruppenraum. Recht klein, nicht
sehr viel Spielzeug, aber sehr gemütlich. Eigentlich ist alles so wie bei uns,
das macht es Moritz auch etwas leichter.
Es gibt nur ein paar Besonderheiten: so gibt es kein Mittagessen, das müssen
wir mitbringen und das muss komplett nuss-frei sein! Hier scheint es
mittlerweile so viele Erdnuss-allergische Kinder zu geben, dass sie solche
Maßnahmen ergreifen müssen. Jeden Tag muss von Neuem erklärt werden, dass das
mitgebrachte Essen garantiert keine Nüsse enthält und auch nichts, das an
gleicher Stelle hergestellt wurde, wo Nüsse anwesend sein könnten. Und
Geburtstagskuchen sind strengstens verboten! Schade eigentlich... Unser Prinz
hat ja nun bald seinen 4., muss ich mal fragen, was es für Alternativen gibt.
Andererseits bietet der Kindergarten "einen gesunden Snack vormittags und
nachmittags an". Was hier "gesund" heißt, habe ich schon beim Schulessen
erfahren müssen: Waffeln, süße Cornflakes etc. Bei Charlotte gibt es jeden
Freitag Pizza!! Und obwohl es an zwei Tagen auch Salat zur Auswahl gibt, ist
der immer mit Käse oder Crackern, als "Proteinzugabe". Also diese Kinder werden
strengstens bewacht und gewogen -- und bei unkontrollierter Gewichtszunahme
gibts nur noch deutsches Essen von Mama gekocht! So. Aber sonst ist alles
schön. Vor allem momentan -- in dieser Ruhe, da gehe ich gleich mal Micha zum
Mittagessen abholen. Das müssen wir feiern, unseren ersten freien Mittag -- am
besten, wir gehen Burger essen.
Karo
Als gute Deutsche lieben wir italienisches Eis. Und obwohl es hier so viele
Italiener gibt, wir sogar welche als Nachbarn haben, gibt es hier keine
italienische Eisdiele. Man fragt sich, wovon sich die Amerikaner im Sommer
ernähren -- nun sie haben natürlich eine Alternative erfunden und zwar "Ben &
Jerry's Ice-Cream". Die Ice-Cream-Fabrik steht nicht weit entfernt in
Waterbury/Vermont -- ein ideales Ziel für einen Spätsommer-Wochenendtrip.
Wie immer teilten wir unsere Absicht unserem Freund Yarik mit, wohlwissend,
dass auch er eis-verrückte Kinder hat. Und der teilte es allen Eltern am
Fletcher Circle mit -- das ist die Straße, wo er wohnt. Und so kam es, dass wir
mit neun Kindern, neun Erwachsenen in vier Autos abfuhren. Diesmal hatten wir
sogar zwei Amerikaner dabei, wie geneigte Leser wissen, haben wir noch nicht so
viele kennengelernt.
Die Eisfabrik liegt idyllisch in den grünen Bergen Vermonts. Es heißt, dass
hier die Amerikaner Urlaub machen und es ist ein wahrer Augenschmaus durch
Vermonts grüne Landschaft zu fahren. Die Berge sind etwas höher als in New
Hampshire und es liegen weniger Ortschaften am Highway. Der Wald sieht
urwaldmäßig aus und entsprechende Verkehrsschilder warnen vor Elchen, Hirschen
und Bären. Rund um die Eisfabrik allerdings leben vor allem Kühe... Auf unserer
Besuchertour schließlich erfahren wir, dass Ben and Jerry im Prinzip zwei von
allen Unis abgelehnte Nichtsnutze waren, die, vermutlich unter LSD-Einfluss,
auf die Idee kamen, Eis herzustellen. Dies kulminierte in Sorten wie "Karamel
Sutra" oder "Chocolate Therapy" -- bestehend aus cremigem Eis, dessen
Geschmacksrichtung man an der Farbe erahnt, und als Schokolade, Kekse oder
sonstwas getarnten Fettwürfeln. Selbstverständlich durften wir probieren,
gottseidank, war es ein leichtes Orangeneis.
Draußen aßen wir dann zum Mittag, natürlich Eis -- wobei Micha zum ersten Mal
in seinem Leben vor einer Eiswaffel kapitulieren musste.
Natürlich ist die Eisfabrik keine schnöde Fabrik, sondern hält jede Menge
"Events" bereit. Neben Spielplatz und Eismobil auch einen sehr witzigen Flavour
Graveyard -- einen Friedhof für die aussortierten Sorten.
Den Bauch voller Eis und das Herz voller Sonne fuhren wir weiter, an Berlin
vorbei, wo immerhin das Bezirkskrankenhaus steht.
Und weiter nach Barre -- DEM Granitstädtchen Neu-Englands. Hier siedelte sich
vor Jahren ein ganzer Sack voll italienischer Bildhauer an und statt Eis zu
machen, erschufen sie irre Grabsteine und einen riesigen Friedhof mit über
10.000 Grabstellen und tollen Steinen dazu. Anscheinend sind die Plätze hier so
begehrt, dass es auch jede Menge Steine und Grabstellen für noch lebendige
Menschen gibt -- die haben wohl Spaß daran, ihren individuellen Grabstein noch
so oft wie möglich selbst zu besuchen.
Und weil es so schön war, besuchten wir noch ein blendendes Beispiel
amerikanischer Brückenbaukunst: eine schwimmende Seebrücke, die unter Wasser
schwimmt. Brookville liegt am wunderschönen Sunset Lake und sofort suchten
sich clevere Baumeister die breiteste Stelle aus, um eine Brücke zu bauen.
Unglücklicherweise stand die von Anfang an ein bißchen unter Wasser, man durfte
aber mit nassen Reifen noch drüberfahren -- seit sie sich im letzten Jahr noch
einmal gesenkt hat, darf man nur noch drüberlaufen.
Nachdem alle Kinder ins Wasser gefallen waren, war es Zeit für den Heimweg. Und
weil wir uns alle so gern haben, endete es mal wieder in einem ausgedehnten
BBQ, diesmal bei Grischa und Vita, deren russische Eltern die Kinder mit
russischen Cartoons unterhielten, so dass wir uns mit Mais und Würstchen
vollhauen konnten. Da die Kinder mit dem Zuckerschock am Mittag genug Energie
getankt hatten, hielten sie sogar noch bis um 8 durch. Dann war aber Schluss
-- Montag ist schließlich auch noch ein Tag!
Noch mehr Fotos gibt es bei Flickr.
Karo
Man soll ja bei der Arbeit immer mal kurz vom Bildschirm aufschauen und etwas
in die Ferne blicken, um die Augen zu entspannen. In meinem Büro fällt sowas
relativ leicht. Wenn ich mich ein wenig nach rechts drehe, dann geniesse ich
das hier:
Michael