Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Man glaubt gleich, dass diese Stadt vor 150 Jahren eine der wichtigsten Städte der USA war: ein prächtiges Statehouse mit goldener Kuppel, grüne Parks im Stadtzentrum, riesige Versicherungsgebäude.

/pics/HartfordStatehouseOct09.jpg /pics/HartfordSkylineOct09.jpg

Nur täuscht das alles nicht darüber hinweg, dass Hartford, Connecticut, ziemlich langweilig ist -- zumindest findet man Sonntag nachmittag im Stadtzentrum kein einziges Café. Das hätten wir Arglosen nicht gedacht, denn ausgerechnet Mark Twain hat sich hier 1871 niedergelasen.

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen.

Der Autor von Klassikern wie "Tom Sawyer" oder "Der Springfrosch" ist der einzige Grund, warum man nach Hartford kommen sollte. Denn hier hat er sich nach eigenen Entwürfen und vom Erbe seiner Ehefrau ein prächtiges Haus bauen lassen.

Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein.
/pics/TwainHausOct09.jpg

Ein Haus ist eine deutlich bessere Ausgabe, zumal es heute ein Museum ist. Nachdem die Familie Twain nach 17 Jahren aus Geldmangel ausziehen musste, sollte die Villa einem Apartementhaus weichen. Kulturbeflissene Bürger der Stadt retteten das Anwesen und es diente dann als Grundschule und Bibliothek. Endlich hat man sich in den 1960ern dazu durchgerungen, es als Museum umzubauen.

/pics/TwainMuseumAlleOct09.jpg

Die Familie Mark Twains mit drei Töchtern soll dort die glücklichste Zeit verlebt haben. Jedes Zimmer ist in einem anderem Stil gestaltet und der Hausherr hat sie mit jeglichem technischen Schnickschnack ausstatten lassen, wie Telefon oder Gegensprechanlage. Am schönsten aber ist sein Herrenzimmer unterm Dach mit Billiardtisch und Rauchutensilien. In der Ecke steht das Tischchen, an dem seine besten Bücher entstanden sind -- der Stuhl abgewandt vom Billiardtisch, denn Mr. Twain wusste um seine kurze Konzentrationsspanne.

Verschiebe nicht auf morgen, was genausogut auf übermorgen verschoben werden kann.

Nach seinen Jahren in Hartford war Twain neun Jahre in der ganzen Welt unterwegs -- um mit den Reisereportagen seine enormen Schulden zu begleichen. Von Berlin war er übrigens so angetan, dass er zwei seiner Töchter dort studieren ließ -- nur die deutsche Sprache blieb ihm fremd.

Die deutsche Sprache sollte sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden, denn nur die Toten haben die Zeit, diese Sprache zu lernen.

Als echter und möglicherweise erster Amerikaner, der auch aus dieser Perspektive heraus geschrieben hat, hat Twain die amerikanische Literatur bis heute geprägt.

/pics/TwainLegoOct09.jpg

Hier in der Dartmouth Bibliothek finden sich hunderte Ausgaben seiner Bücher -- und alle warten jetzt auf mich...

[]
Für Kommentare hier entlang. Alternativ freuen wir uns über Eure Kommentare an blog@voxindeserto.de.
blog comments powered by Disqus