Wir wollten ja nicht ihn selbst. Aber wenigstens eine/r seiner Vettern, ach nein, das sind ja Trick, Tick und Track -- also vielleicht nur einen der unbedeutenden namenlosen Nachbarn aus Entenhausen. Doch scheinen Enten hier in Disneyworld so populär zu sein, dass es kaum welche zu kaufen gibt. Dafür umso mehr Truthähne, aber über die gibt es ja auch keinen Disney-Film. Schließlich hat sich der Supermarkt erbarmt und uns komischen Europäern eine Ente ins Eisfach gelegt.
Schließlich müssen wir vorbereitet sein. So schwer es manchmal ist, so weit weg von zu Hause zu sein, man lernt doch ungeheuer viel. Und dieses wird unsere erste Ente sein. Und unser erstes Weihnachten in der Kernfamilie. Außerdem steht Thanksgiving vor der Tür, das hier traditionell mit einem riesigen Vogel-Festschmaus gefeiert wird. Und so kamen wir zu Fräulein Jensens Enten-Rezept. Das enthält eine Ente, Cognac, Backpflaumen, Äpfel usw. usf. Gestern haben wir uns dann noch mit der entsprechenden Pfanne ausgestattet und heute früh gings los.
Es lag eine knisternde Nervosität in der Luft, die sich kurz entlud, als Micha startbereit war und Karo noch kurz eine Tasse abwaschen musste. Aber dann stand nichts mehr zwischen dem Meister und seiner Ente. Traditionell wurde die Frau zu Hilfsarbeiten abkommandiert: Äpfel schälen, Messer reichen, Fett abwischen, abwaschen. Sie hätte allerdings auch nicht im Allerwertesten von Donald nach den versteckten Innereien herumsuchen wollen. Nachdem geklärt war, dass der Herd ober- und unterhitzefähig ist und diese selbständig einsetzt, ging die Ente die ersten 45 Minuten in den Ofen. Zwischenzeitlich wurde das Wurzelgemüse bereitet und ca. alle zwei Minuten in den Ofen geschaut. Die Kinder waren sich der entscheidenden Momente bewusst und ruhig. Dann kam das Fettabschöpfen und Wenden der Ente.
Nun galt es noch zweieinhalb Stunden zu überbrücken, von denen ein Teil noch für Kartoffelschälen, Rotkraut und Rosenkohlgemüse verplant waren. Michas Energie war noch nicht erschöpft und so wurden noch schnell Charlottes Mathe-Fähigkeiten verbesser...
Aber dann wurden alle Mühen belohnt: nach 2einhalb Stunden war das Ding braun und knusprig. Die Meute wartete am Tisch aufs Festmahl und war zufrieden. Sogar Mäkel-Moritz verspeiste Fleisch ohne Ende, wenn auch ohne Gemüse und nur mit einem Klecks Soße. Die Generalprobe ist also gelungen, Weihnachten kann kommen!

