Und das war es für uns wirklich: happy. Zuallererst weil wir so nette Gäste hatten -- Andreas und Jamina. Unseren dritten Gäste behandelten wir nicht ganz so zuvorkommend, er wurde aufgegessen.
Zuvor allerdings hatte Micha tatkräftige Unterstützung in der Küche. Andreas hatte Klossmehl mitgebracht und so gab es zusätzlich zu Gemüse und Kartoffeln und Füllung und Fleisch noch echte vogtländische Klösse. Auch dieses Mal ist die Ente prima gelungen und wir haben eine Menge dazugelernt. Diese schien nämlich jünger zu sein als die erste, hatte kaum Fett und war kleiner, brauchte aber genauso lange im Ofen. Dazu gabs noch eine Truthahnbrust, weil das so üblich ist und weil wir uns nicht sicher waren, ob alles reicht.
Dann war es natürlich wie immer. Nur die vernünftigen Kinder konnten nach dem Essen noch aufstehen und spielen. Sie essen ja einfach immer nur soviel, wie sie vetragen: von jedem ein Gäbelchen oder Löffelchen und ganz viel Apfelsaft zum Runterspülen.
Die Erwachsenen benötigten dagegen diverse Verdauungshilfen und saßen letztlich fast drei Stunden quatschend vor den Essensresten, immer mal wieder nippend und kostend. Die Kinder haben derweil wunderbar zusammen gespielt. Vor allem Charlotte hat es genossen, ein gleichaltriges und so nettes Mädchen wie Jamina bei sich zu haben. Moritz hat nach einigen Anpassungsschwierigkeiten auch mitspielen dürfen und außerdem von Fußballexperte Andreas jede Menge gelernt, was dazu fürhte, dass er sein Poldi-Shirt auch im Bett kaum ausziehen wollte.
Samstag erklärte sich dann Andreas bereit, ein leichtes Essen zu kochen -- sehr lecker, der Gemüseauflauf, wenn er auch kaum Beifall bei den fleischverwöhnten Zwergen gefunden hat.
Für uns aber genau richtig -- ja und dann war unser Besuch schon wieder weg. Die paar Tage vergingen wie im Flug und wir hoffen auf ein zweites Mal nächstes Jahr! Dann ging der Rest eines faulen Wochenendes ganz schnell vorüber. Gestern am 1. Advent wurden Pfefferkuchen und ein schöner Baumkuchen verspeist, die uns ein liebenswürdiges Care-Paket aus Halle hat zukommen lassen. Und dann begann schon Michas Workshop -- mit einem Dinner beim Chef. Und noch jemand ist furchtbar aufgeregt: Charlotte hat am Freitag Geburtstag, und nur die importierten Adventskalender aus Berlin können die Wartezeit ein wenig versüßen.
Gestern durfte ich etwas meiner alten Freiheit kosten und war aus mit meiner Freundin Elise. Wir sind einfach mal ins Hanoversche Nachtleben eingetaucht, das in der Woche gegen 23 Uhr endet, weil alle Pubs schließen. Bei Limo und Cola haben wir richtig schön gequatscht -- das habe ich wirklich vermisst.
Elise ist mit ihrer Familie im Juni aus London hierhergezogen. Ihr Mann David ist Musikwissenschaftler und jetzt Assistenzprofessor am College. Sie haben zwei Jungs, von denen Thomas mit Moritz in die KiTa geht. Auf den kleineren Ollie passt sie zu Hause auf. Elise hat als Ingenieurin bei der BBC gearbeitet.
Sie kann alle wichtigen Metallica-Riffs auf der Gitarre und wunderschön Klavier spielen. Wir hatten einen wunderschönen Abend zusammen. Als ich dann heimkam gegen halb 12 wartete schon einer auf mich. Mein Mann war schon eingenickt, aber so ein Kleiner saß in meinem Bett unter meiner Decke und wartete. Es war also fast wie zu Hause -- damals...
Was sind wir doch für verständnisvolle und kreative Eltern. Haben für jede sonderbare Phase im Leben unserer Kinder eine Lösung parat. So wacht Charlotte seit einigen Wochen jeden Morgen schon halb 6 auf. Sie war ja schon immer eine Lerche, aber nun scheint sie noch weniger Schlaf zu brauchen. Leider ist sie daher nach einem anstrengenden Schultag auch schon früh müde und schläft spätestens um 8 Uhr tief und fest, was ihr wiederum genügend Kraft gibt, am nächsten Morgen zu früh aufzuwachen. Endlich mal ein echtes Beispiel für den oft zitierten Teufelskreis. Es ist also noch dunkel im Haus, alles schläft -- nur Charlotte erzählt sich was, erzählt ihren Kuscheltieren was, seufzt, rezitiert, singt ein bißchen -- so lange bis ich entnervt aufspringe.
Aber: nicht genutzte Lebenszeit ist vergeudete Lebenszeit, also muss Charlotte die gewonnenen Minuten verwenden:
Deshalb haben wir ihr eine Kopflampe geschenkt. Mit der kann sie unter der Decke lesen, bildet sich, stört keinen und ist ruhig. Und es funktioniert!
TIPP: Natürlich ist es eine LED-Lampe, so dass unter der Decke nichts anfängt zu rauchen, außer vielleicht Lottis Gehirn.
Unser Moritz befindet sich in einer willensbildenden Phase. Er konnte ja nicht immer der niedliche, niedliche, niedliche Kleine bleiben. Weil er momentan so viel schreit, hat er vergessen, wie man in normaler Lautstärke mit uns spricht. Auch den Kindergärtnerinnen ist das aufgefallen, er spricht ja nun endlich auch dort, und sie versuchen ihm den Unterschied zwischen der "loud voice" für draußen und der "talking voice" für drinnen zu erklären. Weil wir manchmal einfach nicht so viel Zeit haben und uns ungern wiederholen, schulen wir nun sein Gehör.
Und siehe: gleich zu Anfang lässt er sich die Lautstärke der Kopfhörer genau justieren: "... ist zu laut, Mama!" -- "Siehst du, mein Sohn, und du sprichst manchmal auch so laut mit uns." (wissendes, zustimmendes Nicken). Ein weiterer begrüßenswerter Nebeneffekt bei dieser Übung ist: er sitzt ganz still und lauscht und manchmal -- lächelt er.
Nun, da wir uns soweit eingelebt haben und der Alltag eingekehrt ist, wollte ich mich um einen Job kümmern. Mein Visum weist mich als "Abhängige" meines Mannes aus, der als Wissenschaftler quasi in die USA eingeladen wurde und dessen Fähigkeiten man hier gut gebrauchen kann. Trotzdem dürfte auch ich arbeiten. Meine Arbeitserlaubnis könnte ich durch Zahlung von 400 Dollar aktivieren und so eine Social-Security-Number erwerben, mit der ich eingestellt werden könnte.
Ich habe mich jetzt bewusst gegen das Arbeiten entschieden, obwohl der Mensch ja eigentlich erst durch Arbeit zum Menschen wird (Marx). Und ich habe folgende Gründe:
Meine Bemühungen am Deutschen Institut des Colleges waren schon Anfang September gescheitert. Das Institut hat von Jahr zu Jahr weniger Studenten und dann so genannte "Undergraduates". Die kommen direkt von der Schule, können Schuldeutsch und müssen erstmal sprachlich fit gemacht werden. Dann lernen sie die Grundlagen deutscher Kultur und wenn sie bereit wären, mit mir übers deutsche Mediensystem zu sprechen, setzen sie ihr Studium in Deutschland fort. Einen Nachhilfe-Job will man mir nicht vermitteln, da ich keinerlei pädagogische Erfahrung nachzuweisen habe.
Obamas größtes Problem ist denn auch mein Problem: die Arbeitslosenquote in den USA liegt erstmals seit 23 Jahren bei etwa 10 Prozent. Sogar langjährige Angestellte verlieren ihre Jobs und sind auf Arbeitssuche. Ich als ungelernte Ausländerin stünde wohl an letzter Stelle jeder Auswahlliste -- selbst bei McDonalds oder WalMart.
Charlotte kommt jeden Tag zwischen 14.30 und 15.30 Uhr aus der Schule. Moritz hat nur einen 3-Tages-Kindergartenplatz, länger haben sie nicht anzubieten und länger könnten wir auch nicht bezahlen, denn Kinderbetreuung ist sehr teuer. Ich würde vornehmlich arbeiten, um die zusätzliche Kinderbetreuung und einen Hortplatz für Charlotte zu bezahlen. Und ich würde als Single mit dem Höchstsatz besteuert werden, da die USA unsere Ehe nicht anerkennt, weil wir keine US-Staatsbürger sind. Michas Antrag auf nachträgliche Besteuerung in Deutschland wurde glücklicherweise anerkannt, so dass wir 2011 unsere Steuern zu Hause nachzahlen können -- dort wo wir durch Ehegattensplitting, Kinderfreibeträge und vor allem durch Abzug der Kinderbetreuungskosten hoffentlich weniger blechen müssen.
Und: ich würde ab jetzt noch ca. drei Monate arbeiten, bevor unser kleiner Ami zur Welt kommt. Der Bauch rundet sich, was meine Einstellungschancen drastisch verringert und mich für viele Arbeiten unbrauchbar macht.
Sind alles gute Gründe -- aber wenn es das letzte Argument nicht gäbe, hätte ich es wohl trotzdem versucht. Und wenn es mir nächstes Jahr mit Baby und allem doch zu langweilig ist, mache ich einfach einen Aushilfe-Aushang in der Universität.
Doch es gibt einen Lichtblick: es fällt mir gar nicht so schwer, "sein" sauer verdientes Geld auszugeben und damit ist eine Voraussetzung für ein zeitlich begrenztes Leben als Hausfrau und Chef-Mutter doch wohl mehr als erfüllt.
Da kommt er also her, der manchmal zum Schneiden dicke Nebel, der morgens auf der Stadt liegt. Ganz langsam steigt er aus dem Connecticut River.
Dann wird er dichter und hüllt lautlos alles ein. Ruderer stecken manchmal ganz plötzlich mittendrin und jedes Geräusch wird verschluckt.
Und neben der Eisenbahnschiene scheint ein Geisterweg aufzutauchen...
Nach dem, was man aus Deutschland so hört, hat die Schweinegrippe-Hysterie dort amerikanische Ausmaße angenommen. Hier gehört es ja zum Standard, in öffentlichen Toiletten durch Waschanleitungen schikaniert zu werden.
Und natürlich wird auch die Schweingerippe sehr ernst genommen. Das College hat einen Seuchenschutzbeauftragten ernannt, der täglich die Mitarbeiter und Studenten per E-Mail benachrichtigt, wieviele Mitglieder der Dartmouth-Family erkrankt sind. Allerdings ließ sich schon nach wenigen Wochen nicht mehr abschätzen, wer nun Schweinegrippe hat und wer einfach nur "Flu-like-Symptoms" aufweist. Die Mitarbeiter wurden gebeten, nicht mehr zum Betriebsarzt zum Impfen zu gehen, denn dort hätten Studenten quasi Zeltlager aufgeschlagen. Mundschutze gibt es geschenkt. Der Propaganda-Apparat arbeitet und seither tragen viele kleine Anhänger, dass sie geimpft worden sind und das Personal im Krankenhaus weist darauf hin, wie sehr ihnen unsere Gesundheit am Herzen liegt und dass sie daher alle geimpft seien.
Seit Oktober wird geimpft. Doch das läuft relativ chaotisch ab. Mir als werdender Mutter wurde nahegelegt, mich und meine Familie impfen zu lassen. Da hieß es noch, ich solle alle demnächst mitbringen, sie würden das gleich machen. Das ging wenige Tage später nicht mehr, da wurde der Impfstoff schon knapp und man sagte mir, ich solle am besten heute vorbeikommen, wenn ich noch was abbekommen möchte. Habe ich dann aber -- ich bin also geimpft und geschützt. Eine Woche später wurde Moritz ohne Probleme geimpft -- und zwar per Nasenspray. Ein Anruf am nächsten Tag ergab, dass Charlotte nicht geimpft würde, denn es würden ab jetzt nur noch chronisch kranke Kinder geimpft. Seither steht sie auf einer Warteliste -- seit nunmehr 3 Wochen.
Nun hat Charlottes Schule die Initiative ergriffen. Weil hier jede Schule eine Krankenschwester beschäftigt, kann auch geimpft werden. Man hat beim Gesundheitsministerium Impfdosen beantragt mit dem Hinweis, dass es sich um die größte Grundschule in der Gegend handele und ein Ausbruch hier die Grippe im ganzen Valley verbreiten würde. Nur Micha ist völlig gelassen. Er wird sich wohl nicht impfen lassen, denn er hat kaum Kontakt zu anderen Menschen und er meint, er hatte die Schweinegrippe schon als er im April aus Hawaii zurückgekommen ist. Und die wurde durchgestanden, schwer bejammert und war nach drei Tagen vorbei.
Das ist Dan&Wits in Norwich -- ein Kramladen, eine Schatzkiste, ein Labyrinth.
Im Gegensatz zu den feinsortierten Supermärkten folgt hier alles einer anderen Ordnung. Man muss sich bücken und strecken, man kann sich verlaufen. Glocken hängen von der Decke herab, damit man sich irgendwann bemerkbar machen kann.
Theoretisch kann man hier aber auch übernachten, denn Dan&Whits hat rund um die Uhr geöffnet, außer an Weihnachten und Thanksgiving. Vorn sieht alles noch wie ein unaufgeräumter, abenteuerlich gestapelter, dichtbepackter Kaufladen aus.
Doch hinter einer unscheinbaren Tür hängen Millionen Schachteln Schrauben. Säle öffnen sich voller Vogelfutter, Gieskannen oder Emailletöpfe. Eine schmale Holztreppe hinunter und man steht im Holzlager voller verschieden lang getrockneter Arten Feuerholz. Rasenmäher lehnen neben verstaubten Rechen. Und es gibt tatsächlich diese antiquierten Bilderhaken, die man in unser altes Haus in eine extra freigelassene Rinne an der Decke einhängen kann, sie halten ohne Nagel und Schraube. Hier und da drückt sich eine kleine Arbeitsecke hinter ein Regal.
Da sitzt dann ein alter Mann in Holzfällerhemd und mit Baseball-Kappe, ein echter Vermonter: "Can I help you, Maaaaam?" und "Yeah, take that -- I only use that, Maaaam!" Aber keiner von ihnen trägt ein Dan-&-Whits-Fan-T-Shirt, das man natürlich auch kaufen kann:
Ich bin hierher gekommen, weil ich einen Holzschlitten gesucht habe. Holzschlitten sind ja bekanntlich sehr robust und stehen in jedem Supermarkt herum. Hier leider nicht, sowas Ausgefallenes, Europäisches gibt es nur im Internet und da nicht unter 80 Dollar! Aber man raunte, in den Katakomben von Dan&Whits könnten sie sowas haben, da haben sie ALLES.
Und tatsächlich, ein alter Herr zeigte mir den hier: ein so dermaßen europäischer Schlitten, dass man ihm seine amerikanische Herkunft ansieht. Man beachte nur die fantasievolle Sprachmischung des Aufdruckes. Und die schön gebogenen, leider viel zu dünnen Hörner. Dieses Prachtstück, das einzige, das sie haben, kostet auch nur 110 Dollar -- Nostalgie-Schlitten fahren wie in der alten Welt eben, das ist nur was für Menschen, die das wirklich wollen.
Draußen an der frischen Luft habe ich in die Sonne geblinzelt. Wieviel Zeit wohl vergangen war? Und in welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Na, im 21. -- Grund genug für einen knallbunten, saubilligen, diesen Winter wohl nicht überlebenden Plasteschlitten vom PriceChopper!
Mittlerweile ist das Einkaufen zur Routine geworden. Anfangs war ich durchaus überfordert vom Angebot und den Tücken der Lebensmittel, die sich sehr kleingedruckt in der Zutatenliste verbergen. Denn wer möchte schon Kakaopulver aus Maissirupstärke oder Toast mit Erdnussresten haben?
Jede Woche fahre ich etwa 15 Minuten nach West-Lebanon, das aus elf Häusern und acht Shopping-Centern besteht. Die liegen alle an einer Straße, von der man auf große Parkplätze abbiegen kann. Es gibt eigentlich alles hier -- von der Kaufhalle, über Kleiderkaufhäusern zu Baumarkt und Technikladen, Drogerien und Handarbeitsbuden und natürlich die unvermeidlichen Schnellrestaurants. Lebensmittel kaufe ich im PriceChopper -- das sind die "Preiszerhacker".
Der ist vergleichbar mit unserem Lidl, nur das Angebot ist größer. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Preise alle anders ausgezeichnet ist: man findet immer den Produktpreis und daneben einen Unit-Preis. Der kann sich aber auf den Preis eines Pfundes, einer Gallone oder manchmal auch einer Viertelgallone oder eines Halbpfundes beziehen. Dazu kommt eine unübersichtlich große Zahl von Angebots-Angeboten: heute billiger, kauf eine -- krieg eine umsonst, Bonuspunkte, kauf das und du bekommst einen Coupon für etwas ganz anderes... Ganz Ausgefuchste halten eine große Menschenmenge an der Kasse in Atem, indem sie Coupons aus Zeitungen, von Tankstellen oder Cornflakesschachteln abrechnen lassen und dann noch mit einem Scheck bezahlen. Kaufen kann man außerdem auch Medikamente: 100 Pills only 10 Dollar!.
Um herauszufinden, was die Amerikaner tagtäglich so essen, läuft man einfach die Regale ab, denn auch hier gilt: die Nachfrage regelt das Angebot. So gibt es ca. 100 Sorten Erdnussbutter -- obwohl die Zahl der Allergiker steigt.
Und natürlich bestätigen sich auch die Vorurteile. So gibt es z.B. keinen Multivitaminsaft zu kaufen und 100%igen Saft, wirklich ohne Zucker, muss man erstmal suchen. Dafür gibt es fast eine ganze Regalreihe nur Kartoffelchips.
Man kann aber nicht sagen, dass es nur Ungesundes zu kaufen gibt. Eine Frisch-Fischtheke gehört hier in jeden Supermarkt, auch wenn man suchen muss, wenn man nix Wildgefangenes oder vom Aussterben Bedrohtes haben will.
Der Obst- und Gemüsebereich ist auch sehr groß, doch Sellerie-Wurzeln gibt es nur wenige und ich bin bisher jedes einzelne Mal an der Kasse gefragt worden, was das sei bzw. was man daraus herstellen könne. Dafür gibt es alle Arten Fleisch in jeder erdenklichen Form.
Wer es exotisch mag, nimmt noch LemonTea to go, Stangenkäse, GoGhurt (Joghurt in Plastikpäckchen zum Schlürfen) oder ein abgepacktes Frühstück bestehend aus DauerCookie mit 3 Schinkenscheibchen und 2 Salamischeibchen. Für die ganz Harten bleibt noch:
Da muss man wahrscheinlich gar nichts mehr essen... Vielleicht ist das was für Michas Büro-Snack, anstatt jeden Tag zwei Snickers.
Wir wollten ja nicht ihn selbst. Aber wenigstens eine/r seiner Vettern, ach nein, das sind ja Trick, Tick und Track -- also vielleicht nur einen der unbedeutenden namenlosen Nachbarn aus Entenhausen. Doch scheinen Enten hier in Disneyworld so populär zu sein, dass es kaum welche zu kaufen gibt. Dafür umso mehr Truthähne, aber über die gibt es ja auch keinen Disney-Film. Schließlich hat sich der Supermarkt erbarmt und uns komischen Europäern eine Ente ins Eisfach gelegt.
Schließlich müssen wir vorbereitet sein. So schwer es manchmal ist, so weit weg von zu Hause zu sein, man lernt doch ungeheuer viel. Und dieses wird unsere erste Ente sein. Und unser erstes Weihnachten in der Kernfamilie. Außerdem steht Thanksgiving vor der Tür, das hier traditionell mit einem riesigen Vogel-Festschmaus gefeiert wird. Und so kamen wir zu Fräulein Jensens Enten-Rezept. Das enthält eine Ente, Cognac, Backpflaumen, Äpfel usw. usf. Gestern haben wir uns dann noch mit der entsprechenden Pfanne ausgestattet und heute früh gings los.
Es lag eine knisternde Nervosität in der Luft, die sich kurz entlud, als Micha startbereit war und Karo noch kurz eine Tasse abwaschen musste. Aber dann stand nichts mehr zwischen dem Meister und seiner Ente. Traditionell wurde die Frau zu Hilfsarbeiten abkommandiert: Äpfel schälen, Messer reichen, Fett abwischen, abwaschen. Sie hätte allerdings auch nicht im Allerwertesten von Donald nach den versteckten Innereien herumsuchen wollen. Nachdem geklärt war, dass der Herd ober- und unterhitzefähig ist und diese selbständig einsetzt, ging die Ente die ersten 45 Minuten in den Ofen.
Zwischenzeitlich wurde das Wurzelgemüse bereitet und ca. alle zwei Minuten in den Ofen geschaut. Die Kinder waren sich der entscheidenden Momente bewusst und ruhig. Dann kam das Fettabschöpfen und Wenden der Ente.
Nun galt es noch zweieinhalb Stunden zu überbrücken, von denen ein Teil noch für Kartoffelschälen, Rotkraut und Rosenkohlgemüse verplant waren. Michas Energie war noch nicht erschöpft und so wurden noch schnell Charlottes Mathe-Fähigkeiten verbesser...
Aber dann wurden alle Mühen belohnt: nach 2einhalb Stunden war das Ding braun und knusprig. Die Meute wartete am Tisch aufs Festmahl und war zufrieden. Sogar Mäkel-Moritz verspeiste Fleisch ohne Ende, wenn auch ohne Gemüse und nur mit einem Klecks Soße. Die Generalprobe ist also gelungen, Weihnachten kann kommen!
Charlotte hat das erste von drei Zeugnissen pro Schuljahr bekommen. Viele
Fächer wurden natürlich noch nicht bewertet, aber sie hat eine sehr gute
schriftliche Beurteilung von ihrer Klassenlehrerin und ihrer
Englischlehrerin erhalten.
Zu den Zeugnissen gibt es auch immer ein
Elterngespräch und da wurde so gesprochen: Nicht nur, dass sie sich
problemlos und schnell in die neue Klasse eingefügt hat. Sie arbeitet
selbständig und unabhängig, weiß schon jetzt, wo sie unbekannte Wörter
suchen muss, beschäftigt sich mit Büchern und Arbeitsheften und denkt
selbst darüber nach, welche Aufgaben sie da zu lösen hat. Sie hat sogar
schon ein Mondgedicht geschrieben -- mit Hilfe ihres Bilderwörterbuches.
Sie ist mutig und hat keine Scheu, Fehler zu machen. Besonders ihre
Englischlehrerin hat das hervorgehoben, denn sie betreut alle
fremdsprachigen Kinder an der Schule und meinte, normal sei eigentlich,
dass sie so oft wie möglich zum Helfen in die Klassen kommen muss und
viele Tränen trocknen und Ängste nehmen muss, bevor die Kinder am
Unterricht teilnehmen können. Charlotte dagegen versäumt nichts von ihrem
normalen Unterricht und hat quasi zusätzlich noch Englisch.
Der Lernbereich "Alles über den Herbst" ist nun zu Ende. Jetzt wird sie
mehr Mathe haben und die Englischlehrerin hat ein neues Lernprogramm mit
ihr begonnen, in dem sie mehr sprechen soll und die Vokabeln, die sie
bisher gelernt hat, anwendet. Als ich fragte, was wir zu Hause
unterstützend noch machen könnten, hieß es: "Was immer sie zu Hause schon
tun, machen sie das weiter." So stolz sind wir.
Jetzt ist es bald soweit -- der Winter kommt. Jeden Morgen ist es nun
unter 0 Grad kalt, tagsüber bleibt es definitiv unter 10 Grad. Morgens
glitzert der Raureif auf den Golfplatzwiesen und es scheint schon eine
blasse Wintersonne.
Wir haben auch schon eine Vogelfütterungsanlage gekauft. Das ganze Haus
ist ja über und über mit Haken versehen, an die man Blumentöpfe oder eben
Futterzylinder hängen kann. Heute morgen, eigentlich schon nach der
Frühstückszeit habe ich unseren dann angehängt. Sofort begann eine
Invasion der niedlichsten Vögelchen, die alle in den Bäumen hinter unserem
Haus zu wohnen scheinen.
Die meisten habe ich in Deutschland noch nie gesehen, obwohl Moritz
schwört, eine Meise entdeckt zu haben. Jedenfalls haben wir schon folgende
Besucher identifiziert: Black-capped Chickadee, Northern Cardinal und
Swamp Sparrow -- und es gibt noch ein paar andere, die wir noch näher
betrachten müssen.
Außerdem wird natürlich langsam auf Weihnachten hindekoriert, aber
bisher wohltuend diskret, denn hier kommt ja erst noch Thanksgiving. Und
es wird mit Schnee gerechnet. Deshalb ist das Parken an bestimmten Straßen
schon nicht mehr erlaubt und unser Hydrant vor dem Haus hat einen
Signalstab bekommen.
Damit man ihn unter dem erwarteten Schneeberg wiederfindet. Unser Öltank
ist aufgefüllt. Und ab halb 5 ist es duster und die Kinder lieben es, bei
Kerzenschein zu Abend zu essen. Weil es aber dann wirklich zu dunkel ist,
habe ich heute Lichterketten gekauft, eine weiße für das Esszimmer und eine
bunte fürs Kinderzimmer. Und am Wochenende wird wieder Feuer
gemacht.
Gestern war wieder einer dieser typisch amerikanischen Feiertage:
Veterans Day, an dem aller amerikanischen in allen amerikanischen Kriegen
gefallenen, verwundeten und/oder kämpfenden Soldaten gedacht wurde.
Selbstverständlich wurde anständig geflaggt.
Auf den Friedhöfen stehen sowieso an allen Veteranen-Gräbern kleine
USA-Fähnchen. Wir haben hier einen historischen besucht und sogar noch die
Gräber der Bürgerkriegskämpfer waren beflaggt, auch wenn man ihre Namen
auf den verwitterten Steinen gar nicht mehr lesen konnte.
Selbstverständich gibt es Sitzplätze im Bus für Veteranen und
Veteranennummernschilder und Parkplätze, wie dieser hier auf Hawaii bei
Pearl Harbor -- nur dass sie immer seltener benutzt werden.
Wir haben diesen Tag naturgemäß anders verbracht. Lotti hatte schulfrei
und Moritz war auch daheim. Zuerst haben wir Pelmeni gemacht -- ganz
alleine und prima. Dann eröffneten zwei Tattoostudios -- bei Moritz
konnte man sich nur Ziffern tätowieren lassen -- sehr extravagant, bei
Lotti ganz oldschool bunte Bildchen.
Zum Glück war abends baden angesagt. Nachmittags waren wir dann
in Norwich auf einem schönen Spielplatz -- doch halb 5 wars dann schon so
dunkel und kalt, dass wir merkten: jetzt kommt der Winter mit großen
Schritten! Aber darüber schreiben wir nächstes Mal!
Meine Freundin Elise kocht genauso gut und leidenschaftlich gern wie ich
selbst. Daher ist sie immer auf der Suche nach sicheren, einfachen
Rezepten, mit denen sie ihre Familie überraschen kann. Und am besten ist
es, wenn alles total einfach und schnell zuzubereiten ist, aber nach
Aufwand und Luxus schmeckt. So auch diese Pumpkin Cookies.
Und damit Ihr auch mal was lernt und nicht denkt, wir versuchen hier nur
unsere deutschen Ess- und Kochgewohnheiten zu exportieren, hier das
original amerikanische Rezept:
Pumpkin Cookies
- 2 einhalb Tassen Mehl
- 1 TL Backpulver, 1 TL Soda (Natron)
- 2 TL Zimt
- 0,5 TL Muskat
- 0,5 TL Nelkenpulver
- 0,5 TL Salz
- 0,5 Tasse geschmolzene Butter
- 1,5 Tassen Zucker -- halb und halb brauner und weißer Zucker
- 1 Tasse Kürbispüree (das gibts hier in Dosen)
- 2 Eier
- 1 TL Vanille-Extrakt oder Vanillezucker
- etwas Honig
- Ofen auf 175 Grad vorheizen
- Mehl, Backpulver, Soda, Gewürze und Salz mischen
- in einer extra Schüssel die Butter, Zucker, Kürbispüree, Eier, Vanille
und Honig zu einer cremigen Masse verrühren
- Mischung zu Mehlmischung geben und verrühren
- Teig in keksgroßen Klecksen auf mit Backpapier ausgelegtem Backblech
setzen
- 15 - 20 min backen und abkühlen lassen
- wer mag bestreicht die Cookies noch mit einer klassischen
Zuckerguss-Glasur, allerdings nimmt ihnen das ein wenig den würzigen
Geschmack
So und als Bonbon -- Moritz neue Computerschreibkünste:
moritz MORITZ MORIZTIN moritz und libe 4123456789 moritz
Charlottes Klasse hat jetzt jede Woche einen Computerkurs. Die Kinder
lernen an supermodernen Computern, im Internet zu surfen, zu schreiben und
sie malen auch. Lotti ist ganz begeistert, zumal wir ihren kleinen Laptop
von zu Hause nicht mitnehmen konnten. Nun wurden die Werke auf der
Internetseite der Klasse ausgestellt. Es sind Namensgedichte, die sich die
Kinder ausgedacht haben. Und hier ist es:
Lotti darf einmal in der Woche Bücher aus der Schulbibliothek ausleihen.
Weil Freunde von uns zum Geburtstag Rennmäuse bekommen haben, sind
kleine Pelztiere ihr Lieblingsthema. Also hat sie gestern ein Hamsterbuch
mitgebracht.
Heute morgen kam dann Moritz mit einer Suggestivfrage: "Papa? Bist Du
geschützt gegen Hamster?" -- worauf Micha antwortete, er sei wohl
geschützt gegen alles, was diese Tiere ihm antun könnten. Wieder Moritz:
"Dann können wir doch jetzt zwei Hamster haben, oder?"
Jetzt geht also die Tierphase los. Zum Glück zieht das Argument, sie nicht
nach Deutschland mitnehmen zu können.
Und was dann ist, werden wir alles sehen...
Jetzt muss mal etwas zu Moritz gesagt werden! Nicht nur, dass der Bengel
seit unserer Ankunft gute drei Zentimeter gewachsen ist, er hat sich auch
ans Essen gewöhnt. Und er malt!
Dieses Bild hat er Micha zum Geburtstag gemalt, der übrigens am 20.
Oktober stattfand. Das Bild zeigt Moritz mit Opa und Oma, wobei Oma einen
roten Luftballon in der Hand hält (Party!!!) -- und alle haben richtige
Gesichter! Das Beste aber ist, dass er jetzt seinen Namen schreiben kann.
Lotti hat mit ihm geübt und vor allem freut er sich an dem R -- das
sieht nämlich aus, "als würde es weglaufen auf zwei Beinen". Sein
Kindergartenfreund Liam konnte nämlich auch schon seinen Namen schreiben
und nun interessiert sich Moritz sehr für Buchstaben und Zahlen. Ist das
nicht eine Freude?
Der Kürbis hat einfach einen eigenen Eintrag verdient, denn natürlich ist
er ein Meisterwerk, wobei die Inspiration ausgerechnet aus Halle kam!! Das
kann man natürlich nicht auf sich sitzen lassen, dass da welche in ihrer
Küche in der E.-E.-Straße einen so schicken Jack-o-Lantern herumstehen
haben. Also musste einer unserer Orangenen dran glauben.
Nachdem Micha die Skizze mit einem einfachen Filzstift aufgetragen hatte,
nahm er das spezielle Kürbis-Aushöhl-und-Schnitzbesteck zu Hand, das man
hier für 4,99 $ kaufen kann. Dann öffnete er dem Kürbis den Schädel und
dass obwohl er eigentlich nur mit virtuellen Gehirnen zu tun hat.
Schließlich wurde geraspelt, gesägt und geschabt -- also fast wie auf dem
richtigen OP-Tisch und das Ergebnis kann sich doch wirklich sehen lassen,
oder Rosi??
Happy Halloween!
Nach Wochen der Vorbereitung und Vorfreude kam endlich der Abend, auf den
ganz Amerika zu warten schien. Es sind ja nicht nur die Kürbisse -- Moritz
musste sich neulich in unserer Kaufhalle von einer kindshohen Monsterpuppe
erschrecken lassen, die immer, wenn jemand vorbeiging, schrecklich lachte
und ihren Kopf abnahm. Charlotte war sowieso schon von ihren Schulfreunden
infiziert. Die größten Fans leben allerdings nicht weit von hier: diese
Familie lässt jedes Jahr an Halloween von Filmausstattern ihr komplettes
Haus nebst Garten umgestalten: zu Friedhof und Gruselkabinett.
Am Freitag hatte Lotti schon großes Halloween in der Schule. Das war bei
uns wie zum Fasching -- manche hatten wirklich schaurige Masken auf. Wenn
man damit aufwächst, ist es wahrscheinlich einfach nicht mehr so
erschreckend. Lotti musste sich eigentlich nicht richtig verkleiden: sie
ging als kleine Hexe.
Am Sonnabend schließlich hat sich auch Moritz verwandelt -- er ist ja da
sehr eigen, doch sein Lieblingspiratenkostüm hat noch gepasst und speziell
der Hut mit dazugehörigem Papagei ist ja nun wirklich nicht zu schlagen.
Zusammen mit anderen Kindern ging es dann zum Süßigkeitensammeln, wobei
sich Charlotte durch besonders lautstarke Forderungen auszeichnete.
Leider fing es dann an, zu regnen, so dass die kleinen Trick-or-Treaters am
Ende alle wie nasse Katzen nach Hause geschlichen kamen. Aber es hat sich
mächtig gelohnt, so sehr, dass ich morgen, wenn alle ausgeflogen sind, die
geheimen Verstecke absuchen werde, denn irgendwie finden sich immer wieder
herumliegende Süßigkeitenpapierchen im Haus, obwohl ich doch alles
weggeschlossen habe.