Live free or die, Meiner!

Stimmen aus der Wildnis

Hier im Land der unbegrenzten Ressourcen ist Elektrizität ja sehr billig. Eine Kilowattstunde kostet ca. vier EuroCent, was viele Amerikaner dazu veranlasst, Lichter durchgängig brennen zu lassen und uralte Kühlschränke, stromvernichtende Klimaanlagen und Wäschetrockner zu betreiben.

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Eine unserer ersten Amtshandlungen war es, Stromsparlampen zu kaufen. Da sind wir absolut innovativ, wie uns ein Verkäufer versicherte. Wir machen alles so wie zu Hause, doch auch wir werden nun Opfer unberechenbarer Stromfresser, die in unserem Haushalt leben. Natürlich haben wir einen Wäschetrockner und betreiben ihn auch, zumal jetzt im Winter. Allerdings ist es common sense, selbst im Sommer keine Wäscheleine zu spannen. Erstens weil sich die wöchentlichen Rasenmäher dann verheddern könnten und es gibt einen zweiten, geheimen, aber anerkannten Grund: Wäscheleinen versauen die Gegend und sind außerdem indiskret. Entweder man will allen zwanghaft seine Unterwäsche zeigen oder aber die Wäscheleine im Garten bedeutet, dass die wohl kein Geld für einen Trockner haben, bedeutet, dass die wohl bald pleite sind, dass also versteckte Asoziale in dem Haus wohnen und bei dieser Nachbarschaft rasen die Immobilienpreise sofort abwärts. Obwohl man das bei uns wohl als wieder-so-eine-abgekrachte-europäische-Macke abtun würde. Also der Trockner...

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Dann haben wir natürlich einen riesigen Herd. Einen Herd, der einen Truthahn beherbergen können muss. Einen Herd, der gern alle Kochplatten zumindest anwärmt, wenn nur eine laufen soll. Einen Herd, der im November aber auch zwei Enten hat braten müssen und somit unsere Stromrechnung gestützt hat.

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Bleiben wir in der Küche, denn hier steht noch jemand, der fast so alt ist wie wir Familienältesten: der Kühlschrank. Seit 1988 tut er seinen Dienst und wurde seitdem sicher noch nie abgetaut oder abgeschaltet. Er läuft im Prinzip durch und kühlt nicht, er "kaltet". Milch oder Saft sind nicht zu trinken, wenn sie direkt aus dem Kühlschrank kommen. Natürlich steht er bei uns auf seiner niedrigsten Stufe, doch das hat keinen Effekt. Isoliert ist er natürlich kaum, seine Seite ist schön kalt und so kann das Bier neben ihm angenehm trinkkühl lagern.

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Dann haben wir ja noch unsere Heizung. Durch regelmäßiges Anspringen und Brummen versucht sie rührend, an unserem Alltag teilzunehmen. Ich habe über eine TV-Fernbedienung nachgedacht, denn heizt sie los, kann man nichts mehr verstehen. Aufopfernd lässt sie die Raumtemperatur kaum unter 60 Grad Fahrenheit sinken, auch wenn wir sie niedriger eingestellt haben. Sonst leben wir hier bei ca. 65-68 Grad Fahrenheit, also ca. 20 Grad Celsius (so genau kann man das auf dem angelaufenen Thermostat nicht erkennen) -- unseren russischen Freunden in ihrer Sauna jagt das Schauer über den Rücken, aber Deutsche wärmen sich ja auch an Eisblöcken. Da unser Haus über keinerlei Wärmedämmung verfügt, muss die Heizung aller 20 min nachheizen -- ja und was hat das nun mit Strom zu tun? Natürlich ist es eine Ölheizung, die aber -- und jetzt kommts -- Strom zum Anspringen braucht.

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Wir mussten keines der Geräte kaufen, denn die gehören zu unserem Haus dazu. So kommt es, dass sich unser Stromverbrauch jeden Monat erhöht hat und sich wahrscheinlich weiter erhöhen wird, je kälter es draußen ist. Während wir in Deutschland einen Monatsverbrauch von ca. 130 Kilowattstunden im Monat hatten, sind wir hier schon bei 250 kw/h und bezahlen statt 35 Euro im Monat nun 16 Euro -- na sowas! Was sind wir doch für Klimaschweine -- aber wirklich unabsichtlich!

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