Zuerst: Danke Marianne, Ingo, Reka, Florian, Angela, Prof. Heyer und Prof.
Pollmann!!! Wir haben unser Hochzeitsgeschenk abgeholt und es hat alles in
unser Riesenschiff reingepasst. Die oben genannten haben uns in weiser
Voraussicht einen IKEA-Gutschein geschenkt. Der wurde gestern eingelöst. Auf
unserer dreistündigen Fahrt zum nächsten IKEA, der südlich von Boston liegt,
entgingen wir wie durch ein Wunder jedem Stau -- der war immer auf der
Gegenspur. Planer Micha hatte am Abend vorher die aussichtsreichste
Abfahrtszeit bestimmt, dann mittels Online-Katalog unseren Wunschzettel
zusammengestellt und kam deshalb am nächsten Morgen kaum aus dem Bett.
Dank ihm konnten wir auf unserer Fahrt alle wichtigen Kinder-CDs hören, denn
mein mp3-Player kann nun per Adapter auch im Auto benutzt werden. Exakt zur
errechneten Ankunftszeit, erreichten wir das IKEA-Parkdeck und wurden gleich
europäisch überrascht. Denn natürlich hat IKEA in den USA nicht 24 Stunden
geöffnet, sondern von 10 bis 21 Uhr. Die Kinder kennen sich ja im Smaland aus
und wurden auch gleich dort abgegeben. Allerdings kann man die da nur eine
Stunde abgeben. Trotzdem schafften Micha und ich in dieser Zeit die erste Etage
-- Rekord für uns! Zusammen mit den Kindern erfüllten wir dann den Rest unserer
Wünsche und erwartungsgemäß noch einige mehr, die wir vorher gar nicht hatten.
Zurückzu gings wieder staufrei und es war ein Segen, von der vielbefahrenen
Interstate 95 auf unsere leere, baumgesäumte Interstate 89 zu wechseln.
Zu Hause angekommen, wurden schnelle Schnitten gegessen und dann gebaut --
wieder ist es unser strategischer Kopf Micha, der sich in die Pläne versenkt,
obwohl wir mittlerweile IKEA-Möbel mit geschlossenen Augen aufbauen könnten.
Charlotte und Moritz waren überhaupt nicht müde -- sie freuten sich auf ihr
neues Bett!
Und dann gings los -- alle Teile komplett und perfekte Arbeitsteilung, bunter
Teppich dazu und fertig ist das neue Kinderzimmer. Fast wie zu Hause!
Außerdem haben wir endlich wieder richtige Betten, Eiswürfelformen, einen
Brotkasten, Eierbecher, Matratzenschoner, Teekanne, Laternen, Knäckebrot und
Milchschokolade. Herrlich. Jetzt gehts uns wirklich gut hier! Danke!
Karo
Ich als echtes Ostkind, das zwischen Buna-Schornsteinen und Braunkohlestaub
aufgewachsen ist, stehe der amerikanischen Schutz- und Filterindustrie
einigermaßen hilflos gegenüber. Hier wird man ja vor allem und vor allem vor
sich selbst beschützt. Die Autos entscheiden, wie schnell sie fahren bzw.
fahren gar nicht erst los, wenn man nicht angeschnallt ist. Auf den Toiletten
hängen bunte Anleitungen, wie man sich richtig die Hände wäscht, damit niemand
angesteckt wird. Es gibt tausende Seifen und Waschmittel gegen Bakterien,
Viren, Staub, antiallergen und anti-was-weiß-ich. Bei IKEA hingen, dort wo die
Einkaufswagen standen, auch Spender für Desinfektionstücher, damit man die
Wagengriffe reinigen konnte -- dasselbe übrigens in vielen öffentlichen
Einrichtungen neben Lichtschaltern oder Türgriffen! Es gibt ein Gesetz, dass
besagt, dass Kinder unter 12 nicht ohne Erwachsene unterwegs sein dürfen...
etc. pp. Vor allem die Küche scheint ein gefährlicher Ort zu sein -- dazu
später mehr!
Yarik, der zugereiste Ami, ist ja fast paranoider als die Amis selbst. Er geht
kaum ohne sein Wassermessgerät aus dem Haus. Das hatte er sogar mit in
Deutschland und natürlich testete er unser Leitungswasser auf seine Qualität --
das niederschmetternde Urteil: suspicious -- verdächtig -- und das bei unserem
Rappbodetalsperrenwasser!! Wir hätten ihn fast vor die Tür gesetzt. Nun ist es
aber so, dass man sich bei uns im Haus in Hanover gleich wie im Schwimmbad
fühlt, wenn der Wasserhahn aufgedreht wird, so durchdringend ist der
Chlorgeruch. Und sogar meinen (Ost-)Kindern schmeckte das Wasser nicht. Also
haben wir ein Wunderding gekauft: einen Wasserfilter.
Jetzt hängt so ein Hightech-Dings am Wasserhahn. Hat drei
"Schwierigkeitsstufen": brausen mit Chlor, fließen mit Chlor und rauschen ohne
Chlor -- aber man darf nie, niemals warmes Wasser durch den Filter laufen
lassen. Und: es leuchtet grün, wenn alles okay ist. Leuchtet es mal
andersfarbig, sollte sofort der Filter ausgetauscht werden! Wenn nicht, wer
weiß, was dann passiert!
Eine andere Einrichtung ist der Safety and Security Service hier in Hanover.
Das sind Leute, die in bunten Autos herumfahren und die Polizei unterstützen.
Es gibt sie, seit einem gruseligen Doppelmord im Jahr 2001. Da haben zwei
Teenager bei dem Deutsch(!)-Professoren-Ehepaar Zantop geklingelt und dort
ihren Blutrausch ausgelebt. Die beiden sind geschnappt worden und
seitdem gibt es diese Bürgerwehr. Die kann man anrufen, wenn man sich einsam
fühlt und dann kommen die schneller als die Polizei. Außerdem schauen sie in
die Fenster und verpfeifen Studenten, die unerlaubterweise Kerzen in ihren
Internatszimmern angezündet haben. Noch ein Vorteil: sie geben Starthilfe, wenn
im Winter die Autos eingefroren sind. Mal sehen, wann wir das erste Mal von
ihnen beschützt werden!
Karo