Die riesigen Körper der Wale teilen die Wellen direkt neben unserem kleinen Boot. Es sind mindestens zehn Buckelwale, die sich durch uns überhaupt nicht stören lassen. Sie schwimmen gemächlich neben uns her, sprühen ihre Wasserfontänen in die Luft und wenn sie tiefer tauchen, zeigen sie ihre beeindruckende Schwanzflosse. Jeder Buckelwal hat übrigens eine individuelle Zeichnung auf der Schwanzflosse und so treffen wir auch Snowflake, einen Wal, der 1988 zum ersten Mal vor der Küste von New Hampshire gesichtet wurde.
Rückblick: schon morgens knallt die Sonne vom Himmel und wir setzen uns fröhlich in unseren neuerworbenen, natürlich klimatisierten Straßenkreuzer. Wir holen Yarik und seine Familie ab, denn die Fahrkarten auf dem Wal-Schiff sind Yariks Geburtstagsgeschenk von uns an ihn. Die Russen sind naturgemäß etwas relaxter, nehmen aber auch den ganzen Hofstaat mit. Gegen halb 11 gehts endlich los. Zwei Stunden und drei Highways später, sind wir an der Küste. New Hampshire hat ein eher symbolisches Stück Küste zwischen Maine und Massachusetts abgekriegt -- mehr Steine als Sand, aber immerhin mit kleinen Fischerhafen, wo vornehmlich Hummer gefangen wird. So auch Rye Harbor. Unser Boot kommt von seiner ersten Tour zurück, die Leute sehen eher enttäuscht aus. Die Sonne sengt -- trotzdem packen wir lange Hosen ein. Ist immerhin der Atlantische Ozean!!
Nur 18 Meilen vor der Küste treffen wir auf die ersten Wale. Es sind Finnwale. Diese wiegen mit bis zu 70 Tonnen mehr als Buckelwale und sind größer. Sie sind aber auch träger und so sehen wir vornehmlich elegant dahingleitende Rückenflossen und hier und da eine Fontäne. Die Tiere holen so tief Luft und können dann bis zu einer Stunde unter Wasser sein. An dieser Stelle vor der Küste von NH fällt der Meeresboden steil und tief ab, so dass eiskaltes, nährstoffreiches Ozeanwasser nach oben kommt und sich die Wale sattfressen können. Und das tun auch Buckelwale, mit bis zu 50 Tonnen Gewicht etwas kleiner als die Finnwale. Sie kommen mit dem Kopf aus dem Wasser, mancher so nah am Boot, dass man sie riechen kann -- ist jetzt nicht so ein Genuss. Das schöne Wetter scheint sie fröhlich zu machen, sie wälzen sich auf den Bauch und zeigen beim Abtauchen ihre grandiose Schwanzflosse. Manch einer bleibt auf dem Bauch und winkt mit den Flossen, das kann Ausdruck purer Lebensfreude sein, oder aber von Verdauungsstörungen...
Die Kinder sind begeistert -- trotz langer Fahrt sucht Moritz immer wieder das Meer ab. Sie sind selig, jetzt echte Wale gesehen zu haben, auch wenn Moritz Lieblingswal, der Orca, nicht dabei war (zum Glück). Auf der Rückreise genießen wir das goldene Licht.
Nach fünf Stunden gehen wir wieder an Land -- sehr glücklich von dieser Begegnung. Wir sind ja nun wirklich nicht so leicht zu beeindrucken, aber wer die Riesentiere mal live gesehen hat, wird uns zustimmen -- das ist ein Erlebnis, das man nie vergisst.
Karo

