Was sind schon HAL-LO 69 oder SK-AT 36 oder auch L-EO 0815 und PIR-AT 88 gegen:
Meiner! Alter! Aas!
Michael
Was sind schon HAL-LO 69 oder SK-AT 36 oder auch L-EO 0815 und PIR-AT 88 gegen:
Meiner! Alter! Aas!
Michael
Die ersten Schultage sind vorbei und -- gottseidank -- bestens verlaufen. Charlotte ist gut in ihrer neuen Klasse angekommen. Sie sitzt zusammen mit einem anderen neuen Mädchen, mit der sie sich gut versteht. Und: sie versteht mehr und kann öfter teilnehmen, als wir angenommen hatten. Sie erzählt uns, welche Geschichten vorgelesen wurden, sie kann die Spiele beschreiben, die sie machen und sie hat heute aus Versehen Senfsauce statt Sirup aus der Cafeteria mitgenommen -- und gleich ausgetauscht, als bei den anderen immer "syrup" draufstand, nur bei ihr nicht.
Sie ist so zuversichtlich und selbstbewusst, dass sie schon nächste Woche allein mit dem Schulbus zur Schule fahren möchte. Mal sehen, wie ich das verkrafte. In nächster Zeit werden die Englisch-Tests anlaufen und wie es scheint, wird sie noch einen Lernpartner aus einer anderen 2. Klasse bekommen, der auch kaum Englisch spricht.
Lottis Füller und ihre Schreibschrift erregen jede Menge Aufsehen. Niemand hat so ein "antiquiertes Schreibgerät" und anscheinend lernen die Kinder hier, wenn überhaupt, erst später Schreibschrift. Ihre Lehrerin findet es sehr spannend und ermuntert Lotti dazu, weiter in ihrer gewohnten Schrift zu schreiben. Nun warten wir auf unser erstes Care-Paket aus Halle, mit Geburtstagsgeschenken für den Moritz und Ersatzfüller und Tintenpatronen für die Lotti -- denn die gibt es nicht mal im Land der unbegrenzten Kauf-Möglichkeiten! Dafür aber glücklicherweise alles, womit man einen kleinen Jungen, der noch zu Hause bleiben muss, glücklich machen kann:
Vielen Dank für die guten Wünsche und fürs Daumen-Halten, das alles hat wirklich geholfen -- ein Kind ist nun bestens untergebracht. Und Montag folgt das 2. -- Moritz erster Kindergarten-Tag bei den Woolly-Bears. Alle Gruppen tragen Bären-Namen. Nächstes Jahr wechselt er zu den Grizzlys, natürlich. Er freut sich schon sehr auf die anderen Kinder und wird drei Tage die Woche gehen. Doch erstmal muss ein Papierkrieg gewonnen werden, inklusive Fragebogen zu eventueller Tuberkulose-Gefährdung! Naja, wir kommen ja auch aus nem Entwicklungsland...
Ja und dann habe ich drei Tage für mich. Toll, was man da alles saubermachen kann! Um dem vorzubeugen, habe ich mich an der College-Bibliothek angemeldet. Sehr beeindruckend da! Alles supermodern und viele Inhalte online verfügbar, auch von zu Hause. Das werde ich erstmal genießen und dann möchte ich in der Sonne auf dem Green liegen, mit dem Himbeer-Smoothie. Ohne ständig Kinder zurückzupfeifen, die fremde Hunde entführen oder fremden Frisbees nachjagen und das in einer Lautstärke -- schweigen wir lieber darüber!
Unser nächster Ausflug steht an: zur Eis-Fabrik von "Ben&Jerrys" in Vermont, kosten inklusive!
Guten Appetit wünscht Karo
Heute war Tag der offenen Tür in Charlottes neuer Schule und wir haben ihre neue Lehrerin Misses Stone kennengelernt. Eine sehr nette und junge Frau, die sich sehr angetan davon zeigte, dass die Kinder in Deutschland mit Füllern schreiben. Anscheinend schreiben die amerikanischen Grundschüler erstmal wenig Schreibschrift und dann nicht mit so "alten" Schreibgeräten. Im Klassenzimmer hängen auch nur die Druckbuchstaben als Muster. Dafür wird großer Wert aufs Lesen gelegt, in jedem Klassenraum gibt es auch Bilderbücher, die der Jahreszeit oder dem Thema angepasst von der Lehrerin ausgesucht wurden.
Lotti wird in die 2. Klasse gehen, wie sie in Deutschland auch gegangen wäre. Sie sitzt gleich am Lehrertisch zusammen mit Pepper, die auch neu und aus New York gekommen ist. Das Klassenzimmer ist sehr groß und bunt.
Es gibt Gruppentische, eine Waschzeile, Bastelzeug und alles wird von der Schule gestellt. Die Kinder müssen nur einen Rucksack mit Frühstück und Getränk mitbringen. Noch in dieser Woche wird Lotti von der Englisch-Lehrerin auf ihre Kenntnisse getestet und dann wird entschieden, wieviel Englisch-Unterricht sie braucht.
Allerdings haben wir erfahren, dass dies nicht überall in den USA so möglich ist. Die Ray School in Hanover schätzt sich glücklich, so gut ausgestattet zu sein. Der Staat New Hampshire beteiligt sich kaum an den Schulkosten, dafür sind die Kommunen zuständig -- und Hanover als College-Stadt lässt anscheinend viel Geld springen. Zur Schule gehören noch Wiesen, Wald, ein Teich und ein nachgebautes Siedlerhaus, wo die Kinder angewandten Geschichtsunterricht haben. Im Computer-Pool stehen 24-Zoll-Monitore und jedes Kind hat seinen eigenen Rechner -- Charlotte wird eine Stunde pro Woche dort lernen. Sehr schön ist auch die riesige Bibliothek in der Mitte des Hauses. Sie wird zum Unterricht benutzt, aber die Kinder können sich jederzeit Bücher ausleihen und dort hinstzen. Auch der Klassenraum hat eine eigene Leseecke.
Die Schulbusse fahren kostenlos, aber erstmal fahren wir Lotti zur Schule. Die Haltestelle ist aber gleich um die Ecke, so dass sie sicherlich bald allein fahren kann. Wir haben den Bus schon mal getestet...
So, jetzt kann der erste Schultag kommen! Wünscht ihr Glück!
Karo
Zuerst: Danke Marianne, Ingo, Reka, Florian, Angela, Prof. Heyer und Prof. Pollmann!!! Wir haben unser Hochzeitsgeschenk abgeholt und es hat alles in unser Riesenschiff reingepasst. Die oben genannten haben uns in weiser Voraussicht einen IKEA-Gutschein geschenkt. Der wurde gestern eingelöst. Auf unserer dreistündigen Fahrt zum nächsten IKEA, der südlich von Boston liegt, entgingen wir wie durch ein Wunder jedem Stau -- der war immer auf der Gegenspur. Planer Micha hatte am Abend vorher die aussichtsreichste Abfahrtszeit bestimmt, dann mittels Online-Katalog unseren Wunschzettel zusammengestellt und kam deshalb am nächsten Morgen kaum aus dem Bett.
Dank ihm konnten wir auf unserer Fahrt alle wichtigen Kinder-CDs hören, denn mein mp3-Player kann nun per Adapter auch im Auto benutzt werden. Exakt zur errechneten Ankunftszeit, erreichten wir das IKEA-Parkdeck und wurden gleich europäisch überrascht. Denn natürlich hat IKEA in den USA nicht 24 Stunden geöffnet, sondern von 10 bis 21 Uhr. Die Kinder kennen sich ja im Smaland aus und wurden auch gleich dort abgegeben. Allerdings kann man die da nur eine Stunde abgeben. Trotzdem schafften Micha und ich in dieser Zeit die erste Etage -- Rekord für uns! Zusammen mit den Kindern erfüllten wir dann den Rest unserer Wünsche und erwartungsgemäß noch einige mehr, die wir vorher gar nicht hatten. Zurückzu gings wieder staufrei und es war ein Segen, von der vielbefahrenen Interstate 95 auf unsere leere, baumgesäumte Interstate 89 zu wechseln.
Zu Hause angekommen, wurden schnelle Schnitten gegessen und dann gebaut -- wieder ist es unser strategischer Kopf Micha, der sich in die Pläne versenkt, obwohl wir mittlerweile IKEA-Möbel mit geschlossenen Augen aufbauen könnten.
Charlotte und Moritz waren überhaupt nicht müde -- sie freuten sich auf ihr neues Bett!
Und dann gings los -- alle Teile komplett und perfekte Arbeitsteilung, bunter Teppich dazu und fertig ist das neue Kinderzimmer. Fast wie zu Hause!
Außerdem haben wir endlich wieder richtige Betten, Eiswürfelformen, einen Brotkasten, Eierbecher, Matratzenschoner, Teekanne, Laternen, Knäckebrot und Milchschokolade. Herrlich. Jetzt gehts uns wirklich gut hier! Danke!
Karo
Ich als echtes Ostkind, das zwischen Buna-Schornsteinen und Braunkohlestaub aufgewachsen ist, stehe der amerikanischen Schutz- und Filterindustrie einigermaßen hilflos gegenüber. Hier wird man ja vor allem und vor allem vor sich selbst beschützt. Die Autos entscheiden, wie schnell sie fahren bzw. fahren gar nicht erst los, wenn man nicht angeschnallt ist. Auf den Toiletten hängen bunte Anleitungen, wie man sich richtig die Hände wäscht, damit niemand angesteckt wird. Es gibt tausende Seifen und Waschmittel gegen Bakterien, Viren, Staub, antiallergen und anti-was-weiß-ich. Bei IKEA hingen, dort wo die Einkaufswagen standen, auch Spender für Desinfektionstücher, damit man die Wagengriffe reinigen konnte -- dasselbe übrigens in vielen öffentlichen Einrichtungen neben Lichtschaltern oder Türgriffen! Es gibt ein Gesetz, dass besagt, dass Kinder unter 12 nicht ohne Erwachsene unterwegs sein dürfen... etc. pp. Vor allem die Küche scheint ein gefährlicher Ort zu sein -- dazu später mehr!
Yarik, der zugereiste Ami, ist ja fast paranoider als die Amis selbst. Er geht kaum ohne sein Wassermessgerät aus dem Haus. Das hatte er sogar mit in Deutschland und natürlich testete er unser Leitungswasser auf seine Qualität -- das niederschmetternde Urteil: suspicious -- verdächtig -- und das bei unserem Rappbodetalsperrenwasser!! Wir hätten ihn fast vor die Tür gesetzt. Nun ist es aber so, dass man sich bei uns im Haus in Hanover gleich wie im Schwimmbad fühlt, wenn der Wasserhahn aufgedreht wird, so durchdringend ist der Chlorgeruch. Und sogar meinen (Ost-)Kindern schmeckte das Wasser nicht. Also haben wir ein Wunderding gekauft: einen Wasserfilter.
Jetzt hängt so ein Hightech-Dings am Wasserhahn. Hat drei "Schwierigkeitsstufen": brausen mit Chlor, fließen mit Chlor und rauschen ohne Chlor -- aber man darf nie, niemals warmes Wasser durch den Filter laufen lassen. Und: es leuchtet grün, wenn alles okay ist. Leuchtet es mal andersfarbig, sollte sofort der Filter ausgetauscht werden! Wenn nicht, wer weiß, was dann passiert!
Eine andere Einrichtung ist der Safety and Security Service hier in Hanover. Das sind Leute, die in bunten Autos herumfahren und die Polizei unterstützen. Es gibt sie, seit einem gruseligen Doppelmord im Jahr 2001. Da haben zwei Teenager bei dem Deutsch(!)-Professoren-Ehepaar Zantop geklingelt und dort ihren Blutrausch ausgelebt. Die beiden sind geschnappt worden und seitdem gibt es diese Bürgerwehr. Die kann man anrufen, wenn man sich einsam fühlt und dann kommen die schneller als die Polizei. Außerdem schauen sie in die Fenster und verpfeifen Studenten, die unerlaubterweise Kerzen in ihren Internatszimmern angezündet haben. Noch ein Vorteil: sie geben Starthilfe, wenn im Winter die Autos eingefroren sind. Mal sehen, wann wir das erste Mal von ihnen beschützt werden!
Karo
Endlich ist unser Spielzeugpaket angekommen. Jetzt sieht es hier aus wie in einem guten deutschen Kinderhaushalt: alles voller Playmobil. Lustigerweise kann man das hier nicht kaufen und auch Amazon weigert sich, das Spielzeug hierher zu verschicken. Jedenfalls sind die Kinder froh und ich etwas entlastet, denn permanent Mau-Mau zu spielen ist nicht so erfüllend. Auch die Spieltiere sind angekommen, wobei die beiden Wale momentan sehr beliebt sind.
Es ist weiter sehr heiß. Wir gehen vor 8 Uhr morgens aus dem Haus, wenn wir einkaufen müssen. Die meisten Leute versuchen, in dieser Zeit ihre klimatisierten Büros zu erreichen. Die Fenster müssen da schon wieder geschlossen sein. Glücklicherweise haben tatsächlich schon viele Läden um diese Zeit geöffnet, wenn sie nicht sowieso 24 h offen sind. Trotz des Wetters joggen unheimlich viele Leute, spielen Tennis oder betätigen sich sonstwie. Man kann sagen, dass die Amis entweder übergewichtig oder sportsüchtig sind. Die halbe Stadt besteht aus Sportanlagen, alle Schulen haben riesige Sportplätze und Turnhallen, die sauberer sind als der Leipziger Marktplatz.
Das College ist allgegenwärtig -- vor allem die Alumni-Dankesbezeugungen. Ob gepflanzte Bäume, Parkbänke oder Thermometer -- überall haben sich ganze Klassen zu ihrem Jubiläum verewigt.
Das College sorgt auch selbst sehr gut für die Alumni und ihre Familien. Im Shop gibt es eine dermaßen riesige Auswahl an T-Shirts, das man eigentlich nichts anderes mehr tragen muss. Dazu gibt es Tassen, Sportbekleidung, Babyausstattung, Spielzeug und und und.
Eine vielleicht noch bessere Nachricht ist, dass wir einen KiTa-Platz für Moritz haben. Ab 1. September kann er gehen, zu anderen Kindern und vor allem um Englisch zu lernen. Wir werden ihn drei Tage die Woche schicken, denn mehr können wir uns nicht leisten. Vollzeit kostet 800 Dollar im Monat, fast ein Viertel von Michas Verdienst. Man weiß eben erst, wie toll man es hatte, wenns anders ist! Dafür sind die Amis schwer beeindruckt, wenn wir von Kindergeld, Elterngeld oder KiTas erzählen -- für die ist das purer Kommunismus. Das darf man allerdings nicht so ernst nehmen, denn selbst die New York Times erwähnt das gern mal in ihren Artikeln. Dank unserer Nachbarn komme ich in den Genuss, die Times am Wochenende zu lesen und manchmal auch den New Yorker -- die Mutter aller Magazine wie dem Süddeutsche Magazin zum Beispiel. Dafür versäume ich gerade, regelmäßig deutsche Nachrichten zu lesen -- ihr könnt mich ja mal updaten, was so Skandalöses in letzter Zeit passiert ist. Die NY Times zumindest hatte den aktuellen Bericht des Verfassungsschutzes auf dem Titel -- inlusive einer unschönen Darstellung von Sachsen und Dresden, wo -- ich zitiere -- "grandiose Kultur lebt und Ägypterinnen im Gerichtssaal ermordet werden können". Ist sonst noch was passiert?
Lasst es euch gutgehen! Karo
Die riesigen Körper der Wale teilen die Wellen direkt neben unserem kleinen Boot. Es sind mindestens zehn Buckelwale, die sich durch uns überhaupt nicht stören lassen. Sie schwimmen gemächlich neben uns her, sprühen ihre Wasserfontänen in die Luft und wenn sie tiefer tauchen, zeigen sie ihre beeindruckende Schwanzflosse. Jeder Buckelwal hat übrigens eine individuelle Zeichnung auf der Schwanzflosse und so treffen wir auch Snowflake, einen Wal, der 1988 zum ersten Mal vor der Küste von New Hampshire gesichtet wurde.
Rückblick: schon morgens knallt die Sonne vom Himmel und wir setzen uns fröhlich in unseren neuerworbenen, natürlich klimatisierten Straßenkreuzer. Wir holen Yarik und seine Familie ab, denn die Fahrkarten auf dem Wal-Schiff sind Yariks Geburtstagsgeschenk von uns an ihn. Die Russen sind naturgemäß etwas relaxter, nehmen aber auch den ganzen Hofstaat mit. Gegen halb 11 gehts endlich los. Zwei Stunden und drei Highways später, sind wir an der Küste. New Hampshire hat ein eher symbolisches Stück Küste zwischen Maine und Massachusetts abgekriegt -- mehr Steine als Sand, aber immerhin mit kleinen Fischerhafen, wo vornehmlich Hummer gefangen wird. So auch Rye Harbor. Unser Boot kommt von seiner ersten Tour zurück, die Leute sehen eher enttäuscht aus. Die Sonne sengt -- trotzdem packen wir lange Hosen ein. Ist immerhin der Atlantische Ozean!!
Nur 18 Meilen vor der Küste treffen wir auf die ersten Wale. Es sind Finnwale. Diese wiegen mit bis zu 70 Tonnen mehr als Buckelwale und sind größer. Sie sind aber auch träger und so sehen wir vornehmlich elegant dahingleitende Rückenflossen und hier und da eine Fontäne. Die Tiere holen so tief Luft und können dann bis zu einer Stunde unter Wasser sein. An dieser Stelle vor der Küste von NH fällt der Meeresboden steil und tief ab, so dass eiskaltes, nährstoffreiches Ozeanwasser nach oben kommt und sich die Wale sattfressen können. Und das tun auch Buckelwale, mit bis zu 50 Tonnen Gewicht etwas kleiner als die Finnwale. Sie kommen mit dem Kopf aus dem Wasser, mancher so nah am Boot, dass man sie riechen kann -- ist jetzt nicht so ein Genuss. Das schöne Wetter scheint sie fröhlich zu machen, sie wälzen sich auf den Bauch und zeigen beim Abtauchen ihre grandiose Schwanzflosse. Manch einer bleibt auf dem Bauch und winkt mit den Flossen, das kann Ausdruck purer Lebensfreude sein, oder aber von Verdauungsstörungen...
Die Kinder sind begeistert -- trotz langer Fahrt sucht Moritz immer wieder das Meer ab. Sie sind selig, jetzt echte Wale gesehen zu haben, auch wenn Moritz Lieblingswal, der Orca, nicht dabei war (zum Glück). Auf der Rückreise genießen wir das goldene Licht.
Nach fünf Stunden gehen wir wieder an Land -- sehr glücklich von dieser Begegnung. Wir sind ja nun wirklich nicht so leicht zu beeindrucken, aber wer die Riesentiere mal live gesehen hat, wird uns zustimmen -- das ist ein Erlebnis, das man nie vergisst.
Karo
Für alle, die meinen, New York wäre der Schmelztiegel der Kulturen -- Hanover ist all das auch. Hanover wurde 1761 gegründet. Die Nachbarorte sind ein paar Jahre früher oder später entstanden und deuten vor allem auf bibeltreue Siedler hin. So sind Lebanon, Canaan und Hebron um die Ecke. Es gibt aber auch Dresden und Berlin -- und natürlich Hanover. Schon wenige Jahre nach der Gründung leisteten sich die Einwohner ein College -- Bildung und Arbeit! Dieses College ist das Dartmouth College und gehört heute zur Ivy League und damit zu den wichtigsten und einflussreichsten Universitäten des Landes, sozusagen in einer Liga mit Harvard oder Princeton. Dementsprechend hoch sind natürlich die Studiengebühren und dementsprechend begehrt sind die Arbeitsplätze am College. Hanover hat ca. 10.000 Einwohner, die allermeisten davon sind Studenten oder Lehrende am College. Und wir gehören nun dazu.
Auf dem Dartmouth Green vor der Bibliothek trifft man sich. Auch wir drei Arbeitsfreien waren dort heute unterwegs, zusammen mit unserer sehr netten Nachbarin Sofie und -- ihrem Hundchen. Sofie und ihr Mann kommen aus Schweden und wohnen nebenan. Sie haben ihre Familie um Selma erweitert -- einen 11 Wochen alten Australischen Hirtenhund. Und glücklicherweise sind sie sehr dafür, das Hundchen auch von Kindern erziehen zu lassen, was wiederum Moritz und Charlotte sehr glücklich macht. Die letzten paar Tage sind alle Kinder sehr früh ins Bett gegangen, schön kaputtgespielt -- Menschen, genauso wie auch Hundekinder.
Gute Nacht!
Karo
Die letzten Tage waren erfüllt von Gesprächen über das Auto, unter dem Auto und mit dem Auto -- denn es ist ein bisschen kaputt:
Micha und Yarik bauen spaßenshalber ein Rad ab, denn es macht komische Geräusche. Das Geräusch verschwindet nicht. Sie einigen sich darauf, am nächsten Tag das Radlager zu wechseln. Man ist guter Dinge, trinkt ein Bier, die Mückenstiche sind noch zählbar.
Micha kauft ein Radlager und verspricht, bald zurück zu sein. Irgendwann mitten in der Nacht klingeln mein Handy: Micha ist dran und meint, sie hätten nach zwei Stunden Einsatz roher gewalt, das alte Radlager abgekriegt. Nun müssen sie nur noch das neue anbauen. Sie arbeiten in der Dunkelheit weiter, das Licht zieht alle Moskitos der Umgebung an -- Micha in kurzen Hosen wird ihr Abendessen. Sie wechseln das Radlager. Die Biervorräte sind aufgebraucht.
Micha entdeckt nach einer Probefahrt, dass die Bremse des betreffenden Rades heiß wird. Man verabredet sich zu Bier und erneuter Reparatur. Es ist Yariks Geburtstag. Der Nachmittag geht vorbei. Die Kinder und ich lernen ständig neue Kinder und Mütter aus der Umgebung kennen. Vorsichtig schauen wir immer wieder, ob die beiden Jungs noch am Auto schrauben. Diesmal gibt es Becks Bier. Schließlich lassen sich die Moskitos auch durch Geranien-Öl-haltige Geheimtränke nicht mehr im Zaum halten. Beide Jungs sind voll Öl und verschwitzt -- doch schließlich ist das Werk vollbracht. Das Bier ist alle, das Auto scheint ganz, die Bremse bremst, das Rad dreht sich. Das muss gefeiert werden: es gibt Makkaroni und russische Torte zum Geburtstag. Die Kinder werden mit russischen Cartoons (Nu Pagadi!!!) beruhigt. Die Papas testen, wieviel Vodka sie nach einem solchen Tag noch vertragen. Ähm... genug.
Die Kinder und ich kutschen durch West-Lebanon, wo es mehr Shopping Malls als Wohnhäuser gibt. Wir sind mobil. Im K-Mart kaufen wir einen Kindersitz für Lotti. Ich schließe per Fernbedieung das Auto ab -- Moritz öffnet trotzdem die Schiebetür. Wir beschließen, es Micha erst am Abend zu erzählen. Die Kinder schlafen, die Sonne geht unter. Ich schreibe den Blog -- Micha bastelt am Türschloß... und morgen gehts an die Küste und sei es mit zugeschweißter Tür -- Yarik kann auch schweißen.
Kleiner Einschub: für alle, die Yarik nicht kennen. Er ist Michas Kollege am College. Beide haben sich vor einigen Jahren online kennengelernt, als sie in verschiedenen neurowissenschaftlichen Mailinglisten alles besser wussten. Natürlich mochten sie sich sofort. Sie trafen sich daraufhin in Princeton, wo sie Vodka zusammen tranken. Dann fuhren sie auf ein Hacker-Treffen in Paris, sozusagen der Honeymoon -- wo sie vornehmlich armenischen Cognac tranken. Uhnd nun haben wir beschlossen, zusammenzuziehen. Yarik hat eine Stelle in Michas Arbeitsgruppe und sie teilen sich ein Büro, wo sie planen, die Weltherrschaft an sich zu reißen ... oder was auch immer. Yarik hat viel für uns organisiert, bevor wir hierher kamen und er ist ein unermesslicher Quell guter Witze und großer Hilfsbereitschaft. Der Rest seiner Familie besteht aus vier Mädchen: Yulia, Alissia, Zabahwa und Wassilissa -- achja, Yarik stammt aus der Ukraine.
Druschba.
Karo
Neben einer Stelle zum Schlafen ist das wohl wichtigste Utensil ein Auto, denn schon der nächste Baumarkt ist eine Viertelstunde Fahrt entfernt. Meine Bemühungen, den amerikanischen Automarkt und seine Eigenarten (VIN, Carfax, Cash for Clunker, MPG) zu verstehen, hatten zur Folge, dass fast eine ganze Woche mehr oder minder sinnlos verpufft ist. Es dauert keine 20 Minuten bis man sich sehnlichst die 6 Monate Gewährleistung zurückwünscht - gesegnet sei die EU!
Auf der Suche nach einem bezahlbaren Auto wird schnell klar, dass alles 'importierte' kaum bezahlbar ist. Da wir auch in Deutschland unter den sechs vorherigen nie ein deutsches Auto hatten, fiel es nicht schwer, die Preise dafür zu ignorieren. Jedoch sahen zum Beispiel Japaner im 'Alter' immer deutlich besser aus, als ihre amerikanischen Kollegen. Unabhängig von ihrer ursprünglichen Farbe streben diese, so mit 6-7 Jahren, immer mehr der Farbe braun zu -- und drunter schaut man besser gar nicht.
Durch beständiges Forschen fand ich schließlich auf craigslist.com einige vielversprechende Kandidaten, alles wahre Amis. Bewaffnet mit Yarik und seiner langjährigen Erfahrung, kam ich dann in den Genuss der Lebengeschichte einer Vielzahl von Gebrauchtwagenhändlern (teils in ihren Garagen), die aus irgendeinem Grund von der Idee besessen waren, mein Vertrauen zu gewinnen, wenn sie mir die Geschichte der 'Menschen hinter dem Auto' erzählten.
Nach zwei weiteren Tagen voller Probefahrten wurden wir dann ca 1.5 Autostunden von Hanover fündig: ein Dodge -- immaculate!
Das Ding heisst Grand Caravan. Das bezieht sich auf die Anzahl der Dosenhalter, gefühlte 40 Stück. Es war nicht rauszufinden, wieviel PS das Teil hat, aber es hat mehr Hubraum als alle meine vorherigen sechs Autos zusammen. Jedenfalls beschleunigt es die geschätzten 4 Tonnen Stahl ziemlich flott und man kann dabei den Strudel im Tank (knappe 100 Liter gehen rein) formlich hören.
Jedenfalls hat das Auto mit jetzt 77000 Meilen noch ein bisschen vor sich und wird uns hoffentlich einiges von diesem Land zeigen. Morgen bekommt es aber erstmal ein neues Radlager. Das Geräusch war auf dem Highway einfach nicht zu ignorieren. Wie so oft ist es wieder einmal Yarik (der einzige neurowissenschaftliche Informatik-Automechaniker), der uns aus der Patsche hilft.
Überhaupt sind die Leute hier unglaublich grosszügig, wir bekommen soviele Sachen geliehen oder geschenkt oder angeboten (Kindersitze, Treppengitter, Knoblauchpressen...), dass wir wohl bald eine Party geben müssen, um uns richtig zu bedanken.
Michael
Hier also der 1. Eintrag in unserem Blog über Hallenser in New Hampshire.
Und es ist gleich Zeit zum Angeben -- seht Ihr unser Haus? Ja, es ist eines jener berühmten weißen Holzhäuser Neu Englands, dessen gepflegtes Äußeres über sein marodes Inneres perfekt hinwegtäuscht. Die Türen sind undicht, die Wasserhähne laufen und im Keller steht Wasser -- alles ganz normal, sagte man uns pingeligen Deutschen, das gehöre sich so bei den hier herrschenden klimatischen Bedingungen. Dafür haben wir einen Kamin und der Rasen wird mindestens zwei Mal die Woche gemäht. Überhaupt ist unser Rasenmähermann eine sehr beeindruckende Person: man sieht ihm an, dass er sich wenig bewegen muss und er steuert ein UFO-artiges, höllisch lautes Hightech-Gefährt, das mit seinen an allen vier Ecken angebrachten kreisrunden Mäh-Messern aussieht, als ob es gleich abhebt.
Unsere nächsten Nachbarn sind Streifenhörnchen, die sich schon lautstark über unseren Einzug beschwert haben. Sie machen lustige Quietschgeräusche, widersetzten sich jedoch bisher jeglichen Fangversuchen durch Charlotte und Moritz, indem sie zwar die angelegte Nussspur bis zum Haus fraßen, dann aber laut schimpfend im Gebüsch verschwanden. Es wurden allerdings auch schon Elche in unserer Straße gesichtet und dass obwohl wir downtown Hanover wohnen und nicht mitten im Wald.
Unsere Einrichtung ist nachgemacht antik, so wie die Amerikaner das mögen. Alles dunkles Holz, doch eher wackelig. Wir haben einen riesigen Herd in der Küche -- american size, damit ein ganzer Truthahn reinpasst. UND: wir haben keinen Geschirrspüler -- als ich das bemerkte, wollte ich erstmals sofort zurück. Nun ja, ich bin ein positiv denkender Mensch und nehme es pädagogisch: Charlotte wird in die Geheimnisse des Abwaschs eingeweiht und wird mir hoffentlich bald zu Hand gehen können. Obwohl die Sonne scheint und es jede Menge Platz gibt, haben alle hier einen Wäschetrockner im Keller stehen. So auch wir. Und es gibt jemanden, der das besonders zu schätzen weiß: Moritz. Noch nie vorher konnte er schon am nächsten Tag sein Podolski-Trikot wieder anziehen, das doch gerade noch voller Grasflecken war.
Trotzdem freuen wir uns auf unseren IKEA-Gutschein, der bald ankommen muss. Denn momentan schlafen wir unter Laken mit Wolldecken drüber. Federdecken oder gar Bettbezüge sind wenig verbreitet, aber man lernt sie zu schätzen, wenn man keine hat. Außerdem fehlt noch viel Buntes in diesem Haus, vor allem weil unser Spielzeug-Paket immer noch nicht angekommen ist und die Kinder quasi auf dem Trockenen sitzen. Ob es nun aufm Schiff, beim Zoll oder sonstwo festhängt, ist noch unklar. Bleibt zu hoffen, dass es bald ankommt, denn ein Kinderzimmer ohne Playmobil-Piratenschiff und Pferdehof ist einfach nix.
Karo
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