Marianne und Tiziano aus Berlin sind da. Eine schöne Gelegenheit für Micha, den armen Tiziano anzustellen, ein paar Programmierprobleme mit ihm zu lösen. Dafür konnten Marianne und ich ungestört das Leben durchsprechen. Wir haben es uns einfach gutgehen lassen, waren gut essen, spazieren und schwimmen.
Dabei zeigte sich ein durchschlagender Erfolg: Moritz ist nicht mehr wasserscheu. Zwar ist er nach wie vor sehr vorsichtig, traut sich aber allein und tiefer hinein und duschen ist absolut kein Problem mehr.
Abends gabs ein schönes BBQ mit Burgern und einem Riesenstück Rindfleisch, das Micha mit seinem Fleischthermometer präzise "medium" grillen kann. Marianne hat gleich noch ein kostenloses Hairstyling bekommen.
Und auch Mattis bekam extra-Zuwendung und das gefällt ihm besonders, wenn sie von schönen Frauen kommt.
Und das alles bei bestem Sommerwetter: tagsüber bis 30 Grad, sonnig und briesig und nachts kühlte es sich ab auf 14 Grad. Erholsamer Schlaf inbegriffen. Morgen fahren sie alle nach New York zur Debian Conference und wir vier Kleinen bleiben eine Woche allein, aber Lotti freut sich auf die Pferde!
Nach ausführlicher Telefonrecherche habe ich nun herausbekommen, wo man jetzt schon Beeren pflücken kann. Nicht alle Farmen haben alle Sorten, aber "Darling's Berries" in Canaan (natürlich in der Nähe von Lebanon) am Mascoma Lake hat Hochsaison. Hier wachsen Blaubeeren mehrerer Sorten und es gibt eine Riesen-Himbeerhecke.
Bei einer Affenhitze kamen wir an und rüsteten uns mit kleinen Eimern aus. Zuerst gings in Blaubeerfeld. Dabei muss man wissen, dass hier die Blaubeeren an hohen Büschen wachsen und man sich nicht wie im Wald bücken muss. Dass die Früchte so riesig sind, ist auch eine Frage der Züchtung.
Nur leider färben sie nicht den Mund! Es gibt viele Sorten wie "BlueJay" -- sehr aromatisch, "Herbert" -- eine späte Sorte und die dicksten Beeren kamen natürlich von den "Patriot"-Büschen. Den Kindern wars egal, sie haben fleißig gepflückt.
Moritz fand es sehr spannend, doch während Lotti halb und halb in den Mund und in ihren Eimer sammelte, hat er bisher nicht eine einzige Beere gegessen. Auf die Bitte, doch eine zu kosten, meinte er: "ich entscheide selbst über mein Leben!"
Micha hatte sich da schon mit Mattis ins Auto zurückgezogen. Es war einfach zu heiß für den kleinen Kerl. Die Großen haben mich noch tapfer in die Himbeeren begleitet, dort aber lieber im Schatten gerastet.
Nach anderthalb Stunden hatten wir ca. 700 g Himbeeren und mehr als zwei Kilo Blaubeeren gepflückt. Die gab es zu Hause mit Milch und viele wurden eingefroren und wenn ich ein tolles, einfaches Blueberrie-Pie-Rezept gefunden habe, werde ich es Euch verraten!
Die Erdbeeren haben wir nun schon verpasst. Wir haben zwar viele gegessen, aber
keine selbst gepflückt. Nun gibt es hier in der Gegend viele kleine Farmen und
Höfe, wo man Bio-Obst und Bio-Gemüse kaufen kann oder auch "grass-fed beef" --
also Fleisch von Kühen, die mit Gras gefüttert wurden.
Diese Farmen tragen so schöne Namen wie Riverview-Farm oder Four-Corners-Farm.
Wir habe uns aufgemacht, um Himbeeren und die berühmten Blaubeeren zu pflücken,
aber beide Farmen, die wir besuchten, hatten zu. Einmal weils Freitag
nachmittag war und dann waren die Beeren hier noch nicht reif. Dafür kamen wir
an einem Milch-Hof vorbei und durften die Kühe besuchen.
Auf diesem Bild ist Charlottes neueste Errungenschaft zu sehen: ein
Stimmungsring. Mittlerweile kennt die ganze Familie die verschiedenen
Farbschattierungen und deren Aussagen -- auf dem Bild hier ist Lotti entspannt,
oft zeigt sie jedoch auch gemischte Gefühle und es ist auch schon vorgekommen,
dass sie liebevoll war. Weil sie den Ring anfangs nicht ablegen wollte, fängt
er nun an, zu rosten und wir fragen uns, wie wir ohne ihn wissen sollen, wie
Charlotte sich fühlt. Das Kälbchen jedenfalls hat sie offensichtlich nicht
verärgert, die Kälber sind ja auch noch sehr jung und ziemlich niedlich, aber
schnell wurde die Aufmerksamkeit der Kinder auf etwas ganz anderes gelenkt.
Das Kätzchen schien das einzige Kleine hier zu sein. Und es kam, wie es kommen
musste:
Habt ihr den Mattis gehört? Er war nämlich überhaupt nicht zufrieden ob des
Kuh-Geruchs. Als ich das Auto nahe des Misthaufens parkte, hat er noch gelacht,
dann hat er nur noch gebrüllt und wollte auch nicht in seinem Wagen sitzen. Nur
getragen und besprochen, hat er halbwegs stillgehalten. Zum Ausgleich waren wir
danach noch in einem Blumengarten. Dort wuchsen viele von Lottis
Lieblingsblumen: Löwenmäulchen und wir konnten erst wieder fahren, nachdem sie
wirklich sicher war, dass alle Blüten ihre Mäulchen öffnen konnten.
War auch kein Problem, hier herum zu laufen, obwohl das eine normale Gärtnerei
war. Schön, dass die Leute so offen sind. Es gehört wohl zum guten Ton, den
Kunden zu zeigen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. In die Melkräume auf
dem Milchof durften wir natürlich nicht, aber wer rechtzeitig kommt, kann die
Kühe beim Melken durch eine Glasscheibe beobachten. Wir haben eine halbe
Gallone (ca. 2 l) Milch mitgenommen. Die kostete 2,50 $, während eine ganze
Gallone in der Kaufhalle 4 $ kostet. Die frische Milch ist nicht viel teurer
und schmeckt wirklich besser, auch als Kakao.
... schwimmen hat Moritz nun tatsächlich seine Angst abgelegt. Er bespritzt sich zwar immer noch nicht gerne, aber er tut es immerhin und ertrinkt nicht dabei.
Er steigt sogar aufs Sprungbrett, allerdings ohne zu springen, sondern er lässt sich nach unten heben. Und danach schippert er auf dem "Zauberteppich" durchs tiefe Wasser.
Ganz anders unsere Lotti. Die steigt drauf, nimmt sogar Anlauf und springt ins Becken. Beim "Arschbombenwettbewerb" im Nordbad hätte sie bestimmt den 1. Platz gemacht -- bevor sie ins Wasser taucht, rollt sie sich noch zur Kugel zusammen!
Diese Woche war es etwas kühler hier, manchmal hat es sogar geregnet. Trotzdem Sommerwetter und tatsächlich waren die Kinder diese Woche sehr gut ausgelastet. Jeden Tag schwimmen und sie waren abends schön müde und friedlich. Das entschädigt für das Gerenne, das Mattis und ich hatten und dass der Kleine im Liegestuhl gestillt werden musste.
Wie wir Deutschen die unsinnige Verlängerung an sich sinniger Wörter lieben, so mögen es die Amerikaner, alles bis zur Unkenntlichkeit zu verkürzen. So existieren zum Beispiel Vornamen wie James und Robert nur auf dem Papier, denn Jims und Bobs laufen herum. Eine Bekannte mit dem schönen Namen Miriam wird nur Mickey genannt... Micha konnte sich des "Mike" erfolgreich erwehren, die Kollegen schätzen ihn so, dass sie ihm zwei Silben gönnen. Im Straßenverkehr zeigt sich ebenfalls, dass es besser ist, es kurz zu machen:
Ja, kein "Fußgängerüberweg", ein Ped-xing, also irgendetwas mit "pedestrians" = Fußgängern, das muss reichen. Dieses Schild gibt es auch für Reiter (Equ-xing) und sogar für Katzen (cat-xing). Genauso verhält es sich mit Berufsbezeichnungen, Gegenstandsnamen und natürlich Daten: einen 9/11 würde es in Deutschland wohl niemals geben, allerdings ist 11. September auch weniger griffig. Ebenso griffig finde ich, dass viele Dinge intuitiv benannt sind. So gibt es hier keinen Reißverschluss (man lasse sich das Wort bitte auf der Zunge zergehen!), sondern einen zipper, denn das Ding macht nunmal "zip", wenn man es bedient und das Wort ist natürlich sehr viel kürzer. Also ich liebe ja die deutsche Sprache, doch nehme mir ab heute ein Beispiel und verpreche hiermit, nie wieder eine solche Überschrift zu benutzen!